Manuskripte

SWR3 Worte

Der Bürgerrechtler und Liedermacher Wolf Biermann würde sich nicht als Christ bezeichnen. Aber manche seiner Lieder könnten auch von Jesus stammen. Heute hat er seinen 78.Geburtstag- dazu sein Mutmachlied.

Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.

Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
- sitzt du erst hinter Gittern -
doch nicht vor deinem Leid.

Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.

Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen

grad deine Heiterkeit.
http://www.songtexte.com/songtext/wolf-biermann/ermutigung-6bfa2656.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18641

Immer wieder erschüttern Gewalttaten Islamistischer Terroristen die westliche Welt. Wie damit umgehen? Der Journalist Wolfram Weimer meint:

Unser Wertegefüge wird von islamistischen Ideologen systematisch herausgefordert.
Wir sollten dem weder aggressiv noch kriecherisch begegnen,
sondern mit ernstem Stolz und dem Selbstbewusstsein einer reifen Kultur, die nach so vielen inneren Tragödien um den Wert der Freiheit weiß.
Dem Dialog der Kulturen muss eine Mobilisierung der eigenen Kultur vorausgehen.

Wolfram Weimer, Credo, DVA München 2006

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18640

Wie ist die Punksängerin Nina Hagen zum Glauben gekommen? Sie erzählt das so:

Als ich 17 war, habe ich LSD genommen, weil ich hoffte, eine Gotteserfahrung zu erleben. Aber zuerst bin ich in einem Bereich gelandet, wo es kein Leben und kein Sterben, sondern nur Schmerzen gab. Und das Gefühl, dass es jetzt für immer so bleibt.
In diesem Moment habe ich gerufen: Oh mein Gott, hilf mir doch! Plötzlich bin ich in eine tiefe Ruhe gekommen. Als ich Ihn erkannte, habe ich Ihn gefragt: Gehst du etwa wieder weg, wie all die anderen?
Und da hat Gott mir geantwortet, dass er immer da war und dass er immer da sein wird. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.
Gott hat mich mit einer Liebe angeschaut, die kann man nicht beschreiben. Diese Erfahrung hat mich durch alle dunklen Täler getragen, die dann gefolgt sind.

Was wir glauben, http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2014/gott-ist-immer-da-nina-hagen-22430

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18639

Warum muss gerade ich das durchmachen? Was für einen Sinn soll das haben? Es gibt Fragen, auf die es lange keine Antworten gibt. Der Dichter Rainer Maria Rilke schreibt in einem Brief an einen jungen Dichter:

Ich möchte Sie bitten….Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen.
Und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können…

Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken… in die Antwort hinein. Nehmen Sie das, was kommt, in großem Vertrauen  …und hassen Sie nichts.

Rainer Maria Rilke, Hiersein ist herrlich, Insel Verlag 2001

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18638

Ist es dem Satiriker erlaubt, über Religion zu spötteln? Der oberste Geistliche der evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski meint:

Für mich ist das keine Frage: ja.
Ich bin Demokrat, deswegen ist für mich klar: Kabarett und Co genießen den Schutz der freien Meinungsäußerung. Unser Grundgesetz schützt dieses fundamentale Recht genauso wie die großartige Freiheit, dass ich meine Religion ausüben kann.
Ich bin Christ und Pastor, deswegen weiß ich: Diese Freiheit, also Witz, Kabarett und Satire, tun oft weh – mir ja auch.
Aber Grundgesetz und Gott sei Dank: Der Spott hindert mich eben nicht daran, meine Religion zu leben, in die Kirche zu gehen und laut und öffentlich zu sagen, woran ich glaube.

Manfred Rekowski am 28.10.14
http://praesesblog.ekir.de/2014/10/28/mein-glaube-haelt-das-aus/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18637

Im Leben wird dir nichts geschenkt, meinen viele. Aber es gibt auch das Gegenteil- Erbarmen, nennt es die Theologin Ina Prätorius.

Erbarmen bedeutet, jemanden umfassend zu bejahen, ohne Bedingungen zu stellen.
Manchmal ist das Erbarmen eine Umkehr: wenn alles Fordern nichts nützt, gebe ich nach.
Manchmal ist es ein unwiderstehlicher Drang: wie ein plötzlicher Krampf im Bauch trifft es mich so stark, dass ich nicht anders kann, als mich ohne Wenn und Aber hilfreich zuzuwenden.
Manchmal fließt es geradewegs und ungehindert als Liebe zur Welt aus jemandem heraus.

Ina Praetorius, Erbarmen, Gütersloh 2014

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18636

Reichskristallnacht und Mauerfall- der heutige 9. November gilt weithin als Schicksalstag der Deutschen. Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani sagte anlässlich einer Feierstunde im Bundestag:

Wann hat …das mit der Ermordung von 6 Millionen Juden vollständig entehrt scheinende Deutschland, wann und wodurch hat es seine Würde wiedergefunden?
Wenn ich … ein einzelnes Ereignis… benennen wollte, für das in der deutschen Nachkriegsgeschichte das Wort „Würde“ angezeigt scheint, dann war es…. der Kniefall von Warschau.
Das ist… wohl beispiellos in der Geschichte der Völker: Dieser Staat hat Würde durch einen Akt der Demut erlangt.
…Hier hatte einer seine Ehre bewiesen, indem er sich öffentlich schämte. Hier hatte einer seinen Patriotismus so verstanden, dass er vor den Opfern Deutschlands auf die Knie ging.

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2014/-/280688

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18635