Manuskripte

SWR3 Worte

Aufatmen – am Ende einer Nacht, die schwer wie Blei war,

Am Ende einer Woche die mich nicht wollte,

sondern nur mein Schaffen und Funktionieren,

morgens in Ruhe das Prusten der Kaffeemaschine,

den Duft frischer Brötchen, glänzend gelbe Butter

und einfach aufatmen.

 

Aufatmen von Bernhard Mönkebüscher

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Eine fromme Frau bittet Gott den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubt es ihr und führt sie in einen großen Raum. In seiner Mitte steht auf dem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Rundherum sitzen Leute mit langen Löffeln, alle stochern in dem Topf, aber sie sehen blass aus, mager und elend.  So sehr sie sich auch bemühen, die Stiele der Löffel sind zu lang. Sie können das herrliche Essen nicht in den Mund bringen. „Was für ein seltsamer Ort“, sagt die Frau. „Das“, antwortet Gott, „ist die Hölle.“ Sie gehen in einen zweiten Raum, der genauso aussieht wie der erste. Auch hier brennt ein Feuer, und darüber kocht ein köstliches Essen. Leute sitzen rundherum, auch sie haben Löffel mit langen Stielen, aber sie sind alle gut genährt, lachen und scherzen. Einer gibt dem anderen mit seinem langen Löffel zu essen. „Und dies“, sagt Gott, „ist der Himmel.“

 

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Der Theologe Jörg Zink über den Morgen:

Die großen Lehrer der Meditation und des geistlichen Lebens weisen uns immer auf die erste Morgenstunde hin und sagen: Nimm den Anfang des Tages wahr,
er ist die Stelle an der du die Ewigkeit berührst.
In der Tat wäre uns in vielen Nöten und Krankheiten des Leibes und der Seele geholfen, wenn es uns gelänge die erste Morgenröte von Eile, von Lärm und Ärger freizuhalten.
Der Lauf des Tages hängt im Allgemeinen nicht von unseren persönlichen Vorstellungen ab. Er wird uns aufgezwungen. Aber der Anfang sollte uns gehören.

Jörg Zink

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Mach Dein Ding und lass Dich von den Anderen nicht aufhalten. Dazu eine Fabel:

Die Frösche machten einen Wettlauf. Um ihn besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Viele Frösche versammelten sich um dem Spektakel zuzuschauen. Keiner der zuschauenden Frösche glaubte jedoch, dass es auch nur ein einziger bis nach ganz oben schaffen würde.
Statt die Läufer anzufeuern riefen sie: „Oh je, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“ Es schien als sollten sie recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie immer weiter: „Oh je das schafft ihr nie!
Und bald hatten alle aufgegeben – bis auf einen der unverdrossen weiter kletterte – und als einziger das Ziel erreichte.
Die Zuschauer waren völlig verdattert. Einige näherten sich ihm um ihn zu fragen wie er es geschafft hätte den Wettlauf zu gewinnen. Da erst merkten sie, dass dieser Frosch taub war.

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Die Gegenwart. Achte sie und behandle sie gut. Lass Dich auf sie ein, denn sie lebt, noch mehr: Sie ist voller Leben, sie ist das Leben.
Die Gegenwart. In ihrer kurzen Zeitspanne ist alles enthalten was es gibt, was existiert und was wahr ist: Die Freude am Wachsen, das Gelingen der Arbeit. Das Gefühl von Schöpferkraft. Von der Vergangenheit bleibt ja nichts weiter als die Erinnerung, und die Zukunft ist nur eine Vision.
Die Gegenwart aber – richtig gelebt und erlebt – verwandelt die Vergangenheit in eine frohe Erinnerung und macht die Zukunft zu einem Ausblick voller Hoffnung. Deswegen: Pass gut auf sie auf, die Gegenwart.

Eine über 3000 Jahre alte Weisheit aus Indien

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Eitelkeit ist oft nervig, manchmal aber auch ziemlich witzig. Wie folgende Fabel zeigt:

Ein so stolzer wie schöner Pfau will eine einfache Henne heiraten. Auf dem Standesamt kann die Standesbeamtin Krähe nicht anders, als ihn zu fragen, wie das denn sein könne,               dass ein so prächtiger Pfau eine unscheinbare Henne ehelichen wolle. Darauf antwortet der Pfau gravitätisch: Wissen Sie, Ich und meine Frau lieben mich bis zum Wahnsinn.“

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Eine Fabel des Theologen Sören Kierkegaard über den Zustand der Christen:

Die Christen leben wie Gänse auf einem Hof. An jedem siebten Tag wird eine Parade abgehalten, und der beredsamste Gänserich steht auf dem Zaun und schnattert über das Wunder der Gänse. Erzählt von den Tagen der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten, und lobt die Gnade und Barmherzigkeit des Schöpfers, der den Gänsen Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab.
Die Gänse sind tief gerührt, senken in Ergriffenheit die Köpfe und loben die Predigt und den beredsamen Gänserich. Aber das ist auch alles. Eines tun sie nicht - sie fliegen nicht. Sie gehen zu ihrem Mittagsmahl. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut und der Hof sicher.

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