Manuskripte

SWR3 Worte

„Der berühmte Clown Grock erhält eines Tages einen Brief, der voll ist von falschen

Behauptungen und schlimmen Beschuldigungen. Seine Freunde raten ihm, den Absender des Briefes zu verklagen. Auch ein Clown könne ja nicht immer nur lustig sein. Aber Grock winkt ab.„Ich möchte das anders regeln“, sagt der Clown. Er schickt den Brief zurück an den Absender und schreibt dazu: „Diesen unverschämten Brief habe ich bekommen.

Ich schicke ihn nun an Sie, damit Sie wissen, dass irgendjemand in Ihrem Namen

beleidigende Briefe verschickt. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Clown Grock."

Andere Zeiten e.V., Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten. 8. Aufl., 2009, S.6.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18439

Es gibt eine „Anleitung zum guten Leben“ – die ist weder logisch noch vernünftig. Sie überrascht und sie ist ein bisschen verrückt.

Sie wird Joseph Beuys zugeschrieben.

„Lass dich fallen, lerne Schlangen zu beobachten. Pflanze unmögliche Gärten. Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein. Mache kleine Zeichen, die „Ja“ sagen und verteile sie überall in deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit. Freue dich auf Träume. Weine bei Kinofilmen. Schaukle so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen.

Verweigere dich „verantwortlich“ zu sein – tu es aus Liebe!

Mache eine Menge Nickerchen. (...)

Kichere mit Kindern, höre alten Leuten zu. Öffne dich, tauche ein. Sei frei. Preise dich selbst.

Lass die Angst fallen und spiele mit allem. Unterhalte das Kind in dir. Du bist unschuldig. Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume. Schreibe Liebesbriefe.

 Quelle:

Anderer Advent 2010/11, Andere Zeiten Verlag, Hamburg, 2010.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18438

„Anfänge bewegen uns immer. Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Enkeltochter eine Freundin besucht, die ein Kind bekommen hatte. Meine Enkeltochter sah das Kind lange und bewegt an, und schließlich sagte sie: „Es hat so schöne unabgelaufene Füße!“ Das ist der Zauber aller Anfänge: sie haben so schöne unabgelaufene Füße. Immer wenn etwas anfängt – ein neues Leben, eine neue Zeit, ein neues Jahr - , überkommt Menschen eine Art geführter Hoffnung. Noch ist das neue nicht verletzt, gedemütigt und beschmutzt (…). Noch hat es wundervolle unabgelaufene Füße.“

Quelle:

Fulbert Steffensky: Schwarzbrot-Spiritualität, Radius Verlag, Stuttgart, 2005, S. 145f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18437

„Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am wenigsten sagen können, wie er ist. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe. Und das Wunderbare an der Liebe ist, dass sie uns in der Schwebe hält. In der Schwebe des Lebendigen, in der Bereitschaft einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet (…).Vieles sieht er wie zum ersten Male.

Die Liebe befreit aus jeglichem Bildnis. Unsere Meinung, dass wir den anderen kennen, ist das Ende der Liebe. Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. „Du bist nicht, wofür ich dich gehalten habe“, sagt der Enttäuschte.

Man macht sich ein Bildnis, das ist das Lieblose, der Verrat.“

Ein Zitat des Schriftstellers Max Frisch.

Quelle:

Jürg Willi, Psychologie der Liebe. Persönliche Entwicklungen durch Partnerbeziehungen, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 7. Aufl., 2011, S. 243.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18436

Der Sänger Roger Cicero beschreibt diese Szene in seinem Lied „In diesem Moment“:

„In diesem Moment schließen Augen sich für immer, scheint ein kleiner Hoffnungsschimmer,

wird ein geschenktes Herz zur Last und durch Mitleid Geld gemacht.

Wird ein Mensch zum Kampf gedrillt und ein Diktator altersmild,

wird die große Chance verpasst und am Sterbebett gelacht.

Und hinter´m Licht wartet ein Tunnel und am Tunnelende Licht.

Nur, dass ein Plan dahinter steckt, zeigt sich für mich nicht.

Und als einer von Millionen steh ich hier und schau nach oben,

frag mich wo du grade bist und wie es da wohl ist.

Und als einer von Millionen, der an Erinnerungen hängt,

fühl ich dass du gerade hier bist, in diesem Moment.“

 

Quelle:

Roger Cicero, Album „In diesem Moment“, 2011.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18435

„Dieses Lied zu schreiben war mir ganz wichtig (...). Jeder von uns hat einen geliebten Menschen verloren oder wird früher oder später einen geliebten Menschen verlieren. Das ist halt die Realität unseres Lebens. Ja, und ich kann sagen, seit ich das Lied geschrieben habe, hat sich was getan. Lieder ermöglichen es mir aus etwas Schlimmem etwas Schönes zu machen, so dass ich dann auch sagen kann: Es war nicht schön, dass gewisse Dinge passiert sind. Es war hart, es war traurig, es war schwierig, aber es gibt dieses Lied. Und dieses Lied gäbe es nicht, wenn es nicht passiert wäre.“

Ein Zitat des Kabarettisten Bodo Wartke.

Quelle:

www.bodowartke.de/lieder (Stand: 22.9.2014)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18434

In einer Zeit großer politischer Wirren meldete sich der königliche Gesandte aus Österreich zu Besuch an. Er betrat das Audienzzimmer, um mit dem König eine höchst wichtige Angelegenheit zu besprechen. Er sah sich um und erstarrte: Denn König Heinrich kroch auf allen vieren um den Tisch herum. Auf seinem Rücken saßen zwei seiner Kinder und trieben ihr königliches Pferd an. Sie waren vergnügt und schrieen dabei wie wild. Der König beendete seelenruhig seine Runde, dann schickte er die Kleinen hinaus und wandte sich dem Gesandten zu. „Haben Sie auch Kinder?“, fragte er. Und als dieser bejahte meinte er: „Dann werden Sie das ja verstehen.“ So sprach er und verhandelte mit ihm nach allen Regeln der Staatskunst.“

Quelle:

Hermann Garritzmann, Leopold Haerst (u.a.): Durch das Jahr durch das Leben. Das christliche Hausbuch für die Familie, Kösel-Verlag, München 2012, S. 80.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18433