Manuskripte

SWR3 Worte

Getragen
Auf kräftigen Armen
Erinnere dich
Ein lauer Luftzug umfächelt dich
Alles ist so gemacht
Dass es dir gut tut
Schon bevor du geboren warst
Hat sich eine freundliche Hand
Gekümmert um Herz und Nieren
Und bevor du das Licht sahst
Gab es schon Licht und Luft
Und Sinn und Verstand
Ja
Es ist schwer
Sich das nicht madig machen zu lassen von den
Schwarzsehern und Miesmacherinnen
Und erst recht die Gedanken an das Gute
Was uns wirklich trägt
Zu schützen vor denen, die mit all ihrer Kraft
Böses wollen und vollbringen
Da wünscht ich mir
Es wär da einer
Der dieses Böse erwürgt
Aber da ist ja einer der
Den zärtlichen Blick
Der großen Liebe
Auf mich scheinen lässt
Und sei er auch noch so weit weg
mich ohne Harm heilt

in heutigen Worten von Pastor Uwe Heinrich aus Hamburg
(http://rathauspassage.de/page/6?s&submit=suchen)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18079

Ein Nachmittag unter Bäumen im Garten unserer Mannheimer Kirche.
Mir gegenüber sitzen zwei Frauen aus Syrien,
Mutter und Tochter.
Die Tochter lebt seit Jahren hier.
Sie hat hier geheiratet und ihre Kinder bekommen.
Die Mutter ist erst seit kurzem hier. Die Tochter erzählt:
„Meine Mutter hat in Damaskus gelebt
Sie war schon früher oft hier
Wir dachten wir könnten sie einfach wieder mit einem Besuchsvisum herholen.
Aber da gab es keine Reaktion von den Behörden
Dann haben wir gehört dass es möglich ist jemand herzuholen
Wenn man alle Kosten übernimmt,
das haben wir dann sofort versucht und wieder gab es erst keine Reaktion
erst nach Monaten und immer wieder nachfragen.
Und wenn ich dann mit meiner Mutter telefoniert habe…“
Sie stockt und hat Tränen in den Augen
„dann habe ich gehört wie sie erschrickt
Und ich habe die Bomben gehört.
Ich habe durchs Telefon die Bomben gehört
Wie sie immer näher kommen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18078

15 junge Männer sitzen im Garten unserer Kirche in Mannheim.
Die einen halten Ramadan und fasten
Die anderen trinken Kaffee und Tee und essen Kuchen
Sie kommen aus Syrien. Sie sind erst ein paar Tage in Mannheim
Sie sehen mager aus. Sie wollen ihre Familien retten. Sie wollen arbeiten. Aber wie?
Einer weiß seine Frau und zwei Babys im Libanon und sagt.
„Dort sind sie erstmal sicher
Ich habe jetzt keine Angst mehr um sie,
aber dort können sie nicht bleiben.
Es sind zu viele die dort.
Da gibt es keine Zukunft.“
Ein anderer meint:
„Unsere Eltern können nicht fliehen wie wir.
Wir waren in Libyen und sind auf Booten nach Italien.
Es ist zu gefährlich und so viele sterben.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18077

„Meine Kinder werden gemobbt
auf Facebook erhalten sie fürchterliche Drohungen und Beschuldigungen.
Sie trauen sich kaum in die Schule,
die türkischen Mitschüler beschimpfen sie.
Sie müssen dafür sorgen,
dass ihre Jugendlichen so etwas nicht tun.
Wir haben wieder Angst in diesem Land.“
Das erzählt eine Frau aus der jüdischen Gemeinde in Mannheim.
Sie erzählt es in der Moschee in Mannheim.
Muslime haben eingeladen,
um über die antiisraelischen Äußerungen auf den Demos zu reden.
 Am Ende sagt ein Muslim zu den Anwesenden:
„Wir danken ihnen dass Sie gekommen sind.
Wie Sie alle hier sind, das ist ein Zeichen für den Frieden.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18076

Hat Israel ein Existenzrecht angesichts der Gewalt in Gaza? Natürlich, meint der Publizist und Politiker Jürgen Todenhöfer und erzählt auch, warum:

Wenn Sie einen Freund haben und der Freund erschlägt einen anderen,
können Sie nicht schweigen, nur weil es ihr Freund ist.
Ich habe überhaupt nichts gegen Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg.
Das muss in einer freien Gesellschaft möglich sein.
Aber was ich schlimm finde ist,
wenn auf solchen Demonstrationen,
wie zum Beispiel in Frankreich, antisemitische, antijüdische Parolen gerufen werden.
Und ich sage auch nach Deutschland:
Kritisiert den Gaza-Krieg, dieser Krieg ist maßlos,
 aber kritisiert nicht die Juden in Deutschland.
Die 200.000 Juden in Deutschland sind Mitbürger
und sie sind ein Teil Deutschlands.
Sie sind genauso ein Teil Deutschlands
wie die Muslime ein Teil Deutschlands sind.

(Interview vom 23.7.2014, http://www.deutschlandfunk.de/nahost-konflikt-kritisiert-nicht-die-juden-in-deutschland.694.de.html?dram:article_id=292495

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18075

Ich hab es tief als Kind geatmet
Im Kirschenbaum zur Blütenzeit.
Da warf’s mir seine Glückshaut über
Grad wie ein Sternentalerkleid.
Ich traf es unter jungen Leuten,
wir feierten im Kerzenschein.
Es war spontan, verrückt, bescheiden
Und machte aus dem Wasser Wein.
Dann ging es fort und kam nicht mehr.
Ich hechelte ihm hinterher.
Doch ich war nie sehr gut im Rennen.
Einmal kam’s ungeheuer groß,
es trug ein Baby auf dem Schoß.
Da schossen uns vor Glück die Tränen.
Ich fand es mal beim Muschelsuchen.
Da gab’s mir sein Geheimnis preis:
„Du rennst mir nach, willst mich erzwingen.
Halt‘ inne, schau und sei ganz leis.
Dann wirst du staunend mich entdecken.
Dann hörst du meinen Glücksgesang.
Und ich kann dir aus vielen Blicken
Entgegenschaun‘ mein Leben lang.
Ich bin im Brotgeruch versteckt
Und wenn dich deine Liebste neckt
Im Dunkeln, dann hörst du mich lachen.
Ich warte auf dich jetzt und hier,
und wenn du singst, bin ich bei dir,
dich froh zu machen!“

(Die Leipziger Karte „suchen“, thomasverlag, Leipzig)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18074

Ach
Dass es doch leichter wäre
Tränen trocknen trösten
Zu Essen und zu Trinken
Genug für alle auf der Welt
Wenn eine flieht
Vor Unrecht und vor Krieg
Dass ihr die Hand gereicht wird
Für friedliches Leben
Dass es doch leichter wäre
Zu tun was uns gesagt ist
Darum bitt ich hier
Lass guten Sinn entstehen bei denen,
die das Recht noch immer beugen
damit  nicht länger bedrückt wird,
wer schon lange darbt.
Lass guten Sinn entstehen bei denen,
die nicht teilen
was letzten Endes doch nur du hast ausgeteilt.
Lass das Lachen derer die jetzt Leiden
Den höchsten Wert haben
Dann wird es Licht
Und alle Dunkelheiten sind vertrieben
Und auch wer sich drin rumtrieb
Hat die Freude im Gesicht
Ach:
Dann ist‘s leichter
Zu tun was uns gesagt ist
Zu groß für mich?
Darum erbitte ich von Gott
Dass Friede wird der größer ist als was ich kann
Nach Psalm 82 von Pastor Uwe Heinrich

(http://rathauspassage.de/page/2?s&submit=suchen)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18073