Manuskripte

SWR3 Worte

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz – steht in der Bibel.
Vor 350 Jahren hat der heilige Vinzenz von Paul erklärt,
dass auch wir Menschen ohne große Schätze unser Herz verlieren können…

Was nun?

Eine Lappalie,
eine Einbildung,
ein hartes Wort, das uns gilt,
ein zu wenig freundlicher Empfang,
eine unbedeutende Absage,
die bloße Vorstellung, man nehme nicht groß Notiz von uns –
all das verletzt uns und verstimmt uns in einem Maß, dass wir nicht mehr davon frei werden können. Die Eigenliebe kettet uns an diese eingebildeten Verletzungen, wir können nicht loskommen von ihnen, wühlen immer in ihnen herum –... Was nimmt uns denn gefangen?… Sind … wir gefesselt an Hab und Gut, an Bequemlichkeit und Ehre?

O mein Erlöser, du hast uns die Tür zur Freiheit aufgemacht, lehre uns sie zu finden.

 (in: Vortrag vom 16. Mai 1659, Über die Gleichgültigkeit – hier zitiert nach Evangelium Tag für Tag online -  www.evangeliumtagfuertag.org/main.php?language=DE&module=commentary&localdate=20140620  )

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18055

verborgener gott
schleife die festen burgen
unserer selbstgewissheit
packe uns in die taschen
auf den staubigen wegen der verunsicherung
das tägliche brot
für die sorge des tages
für den hunger der nacht

lass uns
auf den sandburgen unseres wankelmutes
weiße fahnen der hoffnung hissen
und in die felsenkammern des glaubens
unsere verstorbenen hineinnehmen

wenn schon lilien auf dem feld
sorglos blühen dürfen
um wie viel schöner
wird der tanz der auferstehung
auf gottes acker sein

Siegfried Eckert: Gott in den Ohren liegen –
ein Gebet auch für die Ferienzeit

(in: Siegfried Eckert, Gott in den Ohren liegen. Gebete; Edition Chrismon, Frankfurt 2014; hier zitiert nach „Christ in der Gegenwart Nr. 26/2014, S. 289)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18054

(Manche) Menschen (sind wie das) Holz des Weinstocks: außen ist es schwarz, trocken und ziemlich wertlos. Wer es nicht kennt, könnte meinen, es tauge nur dazu, ins Feuer geworfen und verbrannt zu werden. Im Inneren aber, im Herzen des Weinstocks, verbergen sich Adern voller Leben und großer Kraft, die die kostbarste und süßeste Frucht hervorbringen…

So ist es auch bei Leuten…, die sich an Gott festgemacht haben. Äußerlich… sind sie … auf der Verliererstraße …; sie gleichen dem schwarzen, trockenen Holz... keine Leute großer Worte, großer Werke, großer Taten. ... Wer aber die pulsierende Lebensader in ihrem Inneren kennen würde, … wo Gott an ihnen teilhat und ihr Halt ist – was für ein Glück wäre dem durch diese Erkenntnis beschieden!

Johannes Tauler – vor 700 Jahren in Straßburg über großartige Menschen

(in: Predigt Nr. 7, zum Sonntag Septuagesima – zitiert nach Evangelium Tag für Tag online www.evangeliumtagfuertag.org/main.php?language=DE&module=commentary&localdate=20140521

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18053

Oft begreifen wir die Großartigkeit nicht,  …weil wir das Große im Komplizierten suchen, weil wir die Bedeutung der Dinge an ihrem Schwierigkeitsgrad messen…

Ja tatsächlich: Um Tugend zu besitzen (und damit heilig zu sein), ist es nicht erforderlich, eine akademische Laufbahn hinter sich zu bringen oder sich geistreichen Studien zu widmen. … häufig genügt der einfache Wille dazu. Warum wohl besitzen wir manchmal keine Tugend? Weil wir nicht einfach sind, weil unsere Wünsche zu kompliziert sind … Wenn wir wollten, könnten wir heilig sein; es ist viel schwieriger, Ingenieur zu werden, als heilig zu sein.

… Sagt Rafael Arnáiz Barón, spanischer Zisterzienser im frühen zwanzigsten Jahrhundert; er hat über Heiligkeit nachgedacht und selbst heilig gelebt…

(Rafael Arnáiz Barón, Geistliche Schriften, 25.01.1937 – zitiert in: Evangelium Tag für Tag www.evangeliumtagfuertag.org/main.php?language=DE&module=commentary&localdate=20140715

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18052

Hubert von Goisern ist ein österreichischer Weltmusiker – er beschreibt sein Verhältnis zu Gott und Kirche zum Beispiel so:

Religion ist ein wichtiger Teil in meinem Leben. … Ich empfinde, um es provokant zu sagen, Kirche als ein 'notwendiges Übel'. Ich weiß, wie schwer es ist, ohne äußere Form zum inneren Kern zu kommen. …

In meiner Familie war eigentlich nur die Großmutter wirklich tief religiös. Es hat mich fasziniert, wie sie sich ins Gebet versenken konnte, daher habe ich sie auch aus Neugier immer wieder in die Kirche begleitet - auch wenn ich mich immer ein wenig vor … dem Pfarrer und auch vor Gott gefürchtet habe. Die Drohgebärden, die ich mit Gott verband, musste ich ihm erst in langer persönlicher Auseinandersetzung nehmen.

Jetzt sage ich auch schon „ihm“. Diese maskuline Form, die Rede vom „Herrn“, das ist es, was mich heute meist von Gottesdiensten fernhält.

 

(in: KNA  12.06.2014 - ID=140611-89-00082#5)

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Während der Fußball-WM hat eine NachrichtenAgentur den Theologie-Professor Eberhard Schockenhoff interviewt.

Frage:
Wenn wir zum Schluss mal ganz nach oben schauen - noch höher als Sepp Blatter und die FIFA: Schaut denn auch Gott selbst bei der WM zu, an den sich rund ums Stadion so viele wenden?

Dazu Schockenhoff:
Wenn Gott wirklich allwissend ist, weiß er ja schon, wer Weltmeister wird. Und dann sind die Spiele für ihn nicht mehr so wirklich spannend. Andererseits glauben wir ja an einen menschenfreundlichen Gott. Er freut sich mit den Menschen. Er gönnt uns die Freude am Spiel - und vielleicht schaut er deshalb doch von oben zu.

 (in: KNA 26.06.2014 / 140625-89-00158#8)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18050

Die Zeitung Christ in der Gegenwart zeigt auf die Glaubenskrise des Kapitalismus und der Bankenwelt:

Sichtbar wird der Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Wer wissen will, wie viel Geld er in einem Jahr (noch) hat, (wählt eine sichere Sparanlage und) muss Wertverluste hinnehmen. Glaubt man dagegen an ein innovatives Produkt, eine neue Dienstleistung und gewährt dem Unternehmer einen Kredit ([das kommt vom Wort] credere – glauben), kann dieser Glaube Berge versetzen. Allerdings mit dem Risiko der Enttäuschung, des Verlustes (für den Gläubiger – so heißt der Kreditgeber ja auch)…

Werte und Vertrauen entstehen erst wieder, wenn das Kapital den Kreativen und Innovativen dient, die sich der Entwicklung einer globalen, gerechten Welt verschreiben.

(in: Christ in der Gegenwart Nr. 24, 2014 – S. 269)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18049