Manuskripte

SWR3 Worte

"Heute wäre ein guter Tag, um etwas Außergewöhnliches zu tun.
Zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße tanzen.
Ein Instrument kaufen, das wir schon immer spielen wollten
Dem Chef gegenüber eine Idee vorbringen, mit der wir uns vielleicht lächerlich machen, an die wir jedoch glauben.
Wir können den Tag auch dazu benutzen, um alte Wunden zu lecken, die immer noch wehtun. Wir können aber auch jemanden anrufen, den nie wieder anzurufen wir uns geschworen haben - obwohl wir uns über eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter riesig gefreut hätten."
Der brasilianischer Schriftsteller Paulo Coelho

Autor: Paulo Coelho
Titel: Aus der Reihe tanzen
In: Unterweg. Der Wanderer. Gesammelte Geschichten ausgewählt von
Anna von Planta, Zürich: Diogenes 2007, S. 80

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Werdet wie die Kinder, hat Jesus gesagt. Wie er das gemeint hat, beschreibt der Religionspädagoge Dietrich Steinwede:

„Kinder können sich etwas schenken lassen – mit offenen Händen, einfach so.
… Kinder sind immer in Bewegung. Kinder haben Ideen. Kinder haben Phantasie.
Kinder können den Erwachsenen wichtige Dinge sagen. Die müssen nur zuhören.“

Autor: Dietrich Steinwede
Titel: Werden wie die Kinder
In: Und Zachäus stieg vom Baum. Biblische Geschichten für Kinder, Gütersloh:  Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 72.

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Sich lang im feuchten Gras ausstrecken – für den Schriftsteller Hermann Hesse war das ein berauschender Gedanke:

„Wenn die Stunde es gönnt und mein Herz guter Dinge ist,
leg ich mich lang ins feuchte Gras
oder klettere den nächsten tüchtigen Stamm hinauf, wiege mich im Geäst … und trete traumwandelnd als ein stiller Gast in den seligen Garten meiner Jugendzeit.
Das gelingt so selten und ist so köstlich, einmal sich wieder dort hinüber zu schwingen und die klare Morgenluft der ersten Jugend zu atmen
und noch einmal, für Augenblicke, die Welt so zu sehen, wie sie aus Gottes Händen kam.“

Autor: Herman Hesse
In: Hermann Hesse: Bäume. Betrachtungen und Gedichte. Frankfurt: Insel-Verlag 1984, S. 26.

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Neugierig auf das Leben, das ist Elisabeth Lutz. Die Studentin engagiert sich deshalb ehrenamtlich für Schülerinnen und Schülern und erzählt:

„Mich mit den Schülern auf den Weg machen,
meine Perspektive wieder wechseln,
einen Schritt zurück gehen und die Welt wieder mit Schüleraugen betrachten,
Fragen stellen, Fragen nachgehen, unausgesprochene Fragen zur Sprache bringen.
Antworten suchen, manchmal finden, manchmal gemeinsam mit Schülern Antwortlosigkeit aushalten.
Ja, fragen und Antworten suchen sind ein wesentlicher Teil meines Lebens.“

Autorin: Elisabeth Lutz
In: Warum ich mich in der Schülerarbeit engagiere. Antworten von Elisabeth Lutz, Teamerin bei den Tagen der Orientierung. In: Freundesbrief der Schülerinnen- und Schülerarbeit des Evangelischen Jugendwerk in Württemberg, Häberlinstraße 3-5, 70536 Stuttgart (www.schuelerarbeit.de), Juni 2014, S. 32.

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„Stay wild statt burn out“ - das meint die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler mit ihrem Team und sagt:

„Pass auf Dich auf! Entziehe Dich von Zeit zu Zeit den Aufgaben des Tages. Mach auch mal Pause.
Denn, wenn wir die Arbeit, den Alltag und das alltägliche Einerlei unterbrechen, kann der Blick wieder frei werden für die Menschen, die Natur und für das Leben um uns herum.
Das hält im Gleichgewicht.
Sich selbst Zeit schenken, um das zu tun, was der Seele gut tut, ist dringend nötig.  Man spürt das bei einem zweckfreien Spaziergang oder auch im Urlaub: Zeit haben für sich, Gedanken kommen und gehen lassen, sich ausruhen, die Seele baumeln lassen, damit sie keinen Schaden nimmt. Denn es ist die Seele, die uns lebendig und menschlich macht.“

Text: Achtsamkeit für sich selbst
In: Suanne Breit-Keßler, Norbert Dennerlein (Hg.) zusammen mit Wolfgang Breithaupt, Wolfgang Geilhufe, Friedrich Hörsch, Detlef Klar, Kerstin Lammer, Lothar Mischke, Klaus Pönnighaus, Ingrid Weiß: Stay wild statt burn out. Leben im Gleichgewicht, Göttingen: Gütersloher Verlagshaus, 3. Aufl. 2010, S. 53f.

 

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Der japanische Architekt Shigeru Ban entwirft preiswerte Notunterkünfte für Flüchtlinge und Menschen in Katastrophengebieten. Für sein Engagement bekam er unlängst den wichtigen Pritzker-Preis. Er erzählt, warum er sich in diesem Bereich engagiert:

„Das war ein Moment in meinem Leben, als ich von meinem Beruf enttäuscht war. Ich dachte, wir Architekten helfen nur den reichen Menschen, mit ihrer Macht zu prahlen. Ich hatte das Bedürfnis, der Menschheit zu dienen. Und dann hörte ich von diesen riesigen Flüchtlingslagern in Ruanda, wo Menschen unter den Wetterbedingungen litten, weil die Unterkünfte so schlecht waren. Aber gerade Menschen, die alles verloren haben, brauchen bequeme und schöne Häuser.“

Interviewter: Shigeru Ban
Text und Interviewerin: Ewa Hess
In: Wieder falsch geraten! Die Übergröße der Balken dient dem Feuerschutz, vom 16.09. 2012.
http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/sonntagsgespraech/sonntagsgespraech-detailseite/?newsid=229575

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Der Heilige Geist Gottes – was ist das? Die Bibel vergleicht ihn mit dem Wind und dem Atem. Der Theologe Hans-Martin Barth erklärt das so:

„Man sieht den Wind nicht, spürt ihn aber, nimmt wahr, was er bewegt. Er ist nicht zu steuern, weder hinsichtlich der Richtung noch hinsichtlich seiner Intensität. Er scheint immer irgendwie präsent, er verbindet in gewisser Weise alles, was Luft zum Atmen braucht, miteinander.
Gott im Wind, als Wind, als Atmosphäre – was für eine wundervolle Vorstellung! Der Atem, mein Atem, dessen Woher ich mir zwar naturwissenschaftlich erklären kann und das ich trotzdem nicht kenne, ist Gottes erster Zeuge in mir. Atemzug um Atemzug legt Gott sein stetes, meist kaum beachtetes und doch deutliches Zeugnis ab.“

Autor: Hans-Martin Barth
In: Ders.: Dogmatik. Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen. Gütersloh 20083, S. 417.

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