Manuskripte

SWR3 Worte

Die Rede von einem Fußball-Gott ist … irreführend. Fußball eignet sich nicht als Religionsersatz. Wer hier an Heilsversprechen glaubt oder Erlösung sucht, wird zumindest langfristig enttäuscht werden. Die Akteure auf dem Platz sind endlich, ihre fußballerischen Fähigkeiten begrenzt. Auch einer herausragenden Mannschaft kann es passieren, dass sie einmal mit 4:0 vom Platz gefegt wird. ... Um der ... Enttäuschung vorzubeugen, empfiehlt es sich daher, seine Helden nicht maßlos zu vergöttern.

 Der Philosoph Erik Zyber, Zwischen Abseits und Jenseits, in: ZEIT Online vom 19.02.2007

 

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Liebe macht nicht blind, Liebe macht in einem Maße sehend, dass andere mit ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten oft nicht mehr mit- und standhalten können. Wer liebt, ist Weltengründer, daher die Vermutung, Liebe sei etwas Göttliches.

 Friedrich Schorlemmer, zit. aus: „Bibel heute“. Heft 2/2014, Verlag Kath. Bibelwerk Stuttgart

 

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Es ist … mit dem Glück eine eigene Sache: Man kann es nicht einfach haben oder gar machen, aber man ist auch nicht unbeteiligt. Überhaupt kann man das Glück nicht direkt anpeilen und unmittelbar danach ergreifen. … Denker aller Zeiten haben darauf hingewiesen, dass das Glück indirekt, vor allem auf dem Rücken einer guten Tat kommt. Wir merken erst nachher, dass wir glücklich sind. Glück ist eine Sache der Aufmerksamkeit. Man merkt es meist erst hinterher.

Kardinal Karl Lehmann, in: B. Hirt (Hg.), Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit, Herder: Freiburg 2002, 157

 

 

 

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Jede Kultur muss sich mit dem Fremden auseinandersetzen. Wir wachsen immer auch an dem, was wir noch nicht kennen und was uns schließlich bereichert – auch wenn wir dies am Anfang noch nicht wissen. … Es gehört deshalb auch zur Kultur, dass man dem Menschen aus der Fremde gastfreundlich begegnet. Erst recht, wenn der Fremde in Not ist und des Schutzes bedarf.

Kardinal Karl Lehmann, in: B. Hirt (Hg.), Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit, Herder: Freiburg 2002, 138

 

 

 

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Knapp ein Viertel der 500 Millionen EU-Bürger leiden inzwischen unter Armut und Ausgrenzung. Man kann es drehen, wie man will: Es gibt nicht mehr Gerechtigkeit ohne mehr Geld für die Armen. Wer die Armut verringern und deren Zunahme verhindern will, muss den Reichtum antasten.

Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge, in: Publik Forum Nr. 11 (2014)

 

 

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Demokratie ist ein gesellschaftliches Betriebssystem - eines, bei dem alle, die in einem Land wohnen, etwas zu sagen haben, auch diejenigen, die nichts sagen können, weil sie eine Behinderung haben, die ihnen das Sprechen verwehrt. Demokratie heißt: Jeder hat eine Stimme, keiner ist mehr wert als der andere. [Demokratie und Sozialstaat gehören zusammen. Warum?] Die besseren Gene hat sich niemand erarbeitet, das unfallfreie Leben auch nicht. Das Schicksal teilt sie zu. Hier hat der Sozialstaat seine Aufgabe. Er ist, mit Maß und Ziel, Schicksalskorrektor.

Heribert Prantl, Soziale Stärke, in: Süddeutsche Zeitung vom 16.6.2014

 

 

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Arbeitslose, Flüchtlinge, Menschen mit Behinderungen. Oft fasst man sie unter dem Label "sozial Schwache" zusammen. Das ist ein törichter Begriff, weil die asozialen Reichen die eigentlich sozial Schwachen sind; viele Arme und Behinderte bringen dagegen ungeheure soziale Stärke auf, um ihr Leben gebacken zu kriegen.

 Heribert Prantl, Soziale Stärke, in: Süddeutsche Zeitung vom 16.6.2014

 

 

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