Manuskripte

SWR3 Worte

Manchmal braucht es nicht viel um Frieden zu stiften.

Der heilige Franz von Sales wurde einmal von einem Studenten gefragt: Was kann ich für den Frieden tun?
Franz von Sales gab die Antwort: Schlagen Sie das nächste Mal die Tür nicht so laut zu…“

Willi Hoffstürmer (Hg), Kurzgeschichten 3, Matthias-Grünewald-Verlag 1987, S.  97

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Ein Gedicht über das unverhoffte Glück von Joachim Ringelnatz

Und auf einmal merkst du äußerlich:
Wieviel Kummer zu dir kam,
Wieviel Freundschaft leise von dir wich,
Alles Lachen von dir nahm.
Fragst verwundert in die Tage
Doch die Tage hallen leer.
Dann verkümmert deine Klage...
Du fragst niemanden mehr.
Lernst es endlich, dich zu fügen,
Von den Sorgen gezähmt.
Willst dich selber nicht belügen
Und erstickst es, was dich grämt.
Sinnlos, arm erscheint das Leben dir,
Längst zu lang ausgedehnt. –
Und auf einmal – –: Steht es neben dir,
An dich angelehnt –
Was?
Das, was du so lang ersehnt.

Joachim Ringelnatz: Und auf einmal steht es neben dir, aus: Zwischen den Zeilen: Gott, Judith Sixel (Hg), Herder-Verlag, Freiburg 2003. S. 98.

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Kann ich meine Arbeit leiden? Hilft sie mir zu leben oder lebe ich für meine Arbeit? Gedanken von Frau Küfner (76), sie ist seit 25 Jahren Klofrau in Hamburg.

„Arbeiten ist meine Medizin“ sagt sie. Drei Jahre will sie noch arbeiten und so eine schmale Rente aufbessern – wenn die Knochen es mit machen, die operierten Schultern. Ihr kleiner Kurzhaar-Chihuahua Chila ist immer dabei, geht aufs Wort zurück ins Körbchen, guckt Frauchen mit großen Augen an. „Ich habe immer gearbeitet“, sagt Frau Küfner. Und wenn sie Urlaub hat? „Dann komm ich bei, den Keller auszumisten“, sagt sie.

Aus: Chrismon-Magazin 01/2013, hg.v. Johannes Friedrich, Katrin Göhring-Eckardt u.a., Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt am Main., S. 16

 

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Nicht jeder ist ein Maler oder begabter Fotograf. Und trotzdem meint die Grafikdesignerin Eva Jung.

„Ich bin zutiefst überzeugt: Jeder Mensch ist kreativ. Jeder auf seine Weise. Kreativität wird viel zu häufig an ein paar wenigen Fähigkeiten gemessen: Malen, Zeichnen, Musizieren… Aber das ist bestenfalls die Spitze des Eisberges. Ohne Kreativität wäre die Menschheit nicht auszudenken. Alles, was wir tun- und sei es noch so unscheinbar – wird befeuert von einer immensen, in uns pulsierenden Neugierde und Leidenschaft, von Entdeckertrieb und Wissensdurst.
Meiner Meinung nach hängt das schlicht damit zusammen, dass wir allesamt Kinder eines schöpferischen Gottes sind, dessen größte Lust zu sein schein, täglich neue Tage zu erfinden, die er auf jeden Menschen höchstpersönlich zugeschnitten hat.“

Eva Jung: Alltagstourist, An unscheinbaren Orten dem tieferen Sinn auf der Spur. Selbstverlag bei Eva Jung, Hammer Steindamm 62, 20535 Hamburg. S. 469

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Der Zweifel an Gott gehört zum christlichen Glauben fast notwendig dazu. Das hat die Grafikdesignerin Eva Jung auf einer Reise durch das hinduistische Indien entdeckt:

Die Existenz Gottes in Zweifel zu ziehen, ist für die meisten Inder absurd. So ein Gedanke ist in diesem Kulturkreis nicht vorgesehen. In der Bibel dagegen bekommt man den Zweifel an Gott sogar schriftlich präsentiert. Sinnfrage und kritische Weltanschauung begegnen einem darin auf Schritt und Tritt. Die Gottesfrage ist nicht rebellisch oder spektakulär, sie ist vielmehr zwangsläufig – in unserem westlichen Sinn sogar vernünftig.

Eva Jung: Alltagstourist, An unscheinbaren Orten dem tieferen Sinn auf der Spur. Selbstverlag bei Eva Jung, Hammer Steindamm 62, 20535 Hamburg. S. 512

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Erziehung hat ihre Grenzen vor allem im Jugendalter. Dann hilft nur noch Zusammenleben in Freiheit, meint der dänische Therapeut und Erziehungsexperte Jasper Juul.

Erziehung ist Manipulation. Wenn jemand sagt: ich bin dein Vater, ich kann über dich bestimmen, in Bezug auf Religion, Kultur, auf allen Gebieten. Diese Art der Erziehung ist mit der Pubertät vorbei. Entscheidend ist, was in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern geschieht. Eltern sollen sagen, was sie für richtig halten, wofür sie stehen. Dann können sich die Kinder entscheiden. Wenn ein 13-jähriger seine Eltern mit seinem Standpunkt konfrontiert und manches nicht mehr mitmacht und trotzdem Mitglied der Familie bleibt, das ist Freiheit.

Aus: Chrismon-Magazin 01/2011, hg.v. Johannes Friedrich, Katrin Göhring-Eckardt u.a., Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt am Main., S. 25

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Und wieder ist Sonntag. Eine gute Möglichkeit zur Ruhe zu kommen. In einem uralten Gebet entdeckt der Beter, dass ihm viel Gutes widerfahren ist.

Komm wieder zur Ruhe, meine Seele!
Denn Gott, der HERR hat dir Gutes getan.
Ja, du hast meine Seele gerettet.
Mein Auge muss jetzt nicht mehr weinen.
Mein Fuß kommt nicht mehr ins Stolpern.
So darf ich vor dem Herrn weiterleben –
überall im Land der Lebenden.
Wie kann ich nun dem HERRN danken
für alles, was er mir Gutes getan hat?
Den Becher, der meine Rettung bekräftigt,
will ich zum Dank erheben –
und dazu den Namen des HERRN anrufen.
Dir will ich mein Dankopfer darbringen –
und dazu den Namen des HERRN anrufen.
Was ich dem HERRN versprochen habe,
will ich in aller Öffentlichkeit erfüllen –
Halleluja!

Auszug aus Psalm 116 , Basis-Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2013

 

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