Manuskripte

SWR3 Worte

„Ich habe für dich die Natur erschaffen. Warum gehst du nicht raus?

Ich habe für dich Bücher und Gedichte schreiben lassen. Warum liest du nichts?

Ich habe dir Hände geschenkt. Warum wirst du nicht kreativ?

Ich habe dir eine Stimme geschenkt. Warum singst du nicht?

Ich habe für dich Filme drehen lassen. Warum gehst du nicht ins Kino?

Ich habe dir Gefühle geschenkt. Warum verdrängst du sie?

Ich habe dir Mitmenschen geschenkt. Warum verbringst du mit ihnen keine Zeit?

Ich habe für dich Quellen fließen lassen. Trinken musst du selber!“

 

Ein Text des Wiener Bischofs Helmut Krätzl

                                                                             

 

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17463

Der Schweizer Autor Kurt Marti denkt über den Tod nach. Er schreibt:

 

„Das könnte manchen Herren so passen

wenn mit dem Tode alles beglichen

die Herrschaft der Herren

die Knechtschaft der Knechte

bestätigt wäre für immer

 

Das könnte manchen Herren so passen

wenn sie in Ewigkeit

Herren blieben im teuren Privatgrab

und ihre Knechte

Knechte in billigen Reihengräbern

 

Aber es kommt eine Auferstehung

Die anders ganz anders wird als wir dachten

 

Es kommt eine Auferstehung die ist

der Aufstand Gottes gegen die Herren

und gegen den Herrn aller Herren: den Tod.“

                                                              

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17449

Die Autorin Andrea Schwarz macht sich Gedanken, wie Jesus auferstanden ist. Sie schreibt:

„Auferstehung habe ich mir anders vorgestellt

Ein Blitz, ein Donnerschlag, der Himmel holt ihn heim

Seltsam genug, dass keiner was mitbekommen hat

[…]

Er schien nicht in Eile gewesen zu sein als er aufstand

Das Schweißtuch ordentlich zusammengelegt […]

Nicht einfach so heruntergerissen und irgendwo hingeworfen […]

Hat man in so einer Situation dafür wirklich Zeit?

 […]

Irgendwie seltsam

Da geht einer vom Tod ins Leben und legt dabei das Tuch sorgfältig zusammen

War es wichtig? Oder hat ihm ein Engel hinterhergeräumt?

 

Irgendwie, ich glaube

Er war sehr einsam in diesem Moment

Und ich glaube er wollte keine Unordnung hinterlassen

Denn was wäre das für eine Auferstehung bei der andere noch aufräumen müssen?

Ich glaube er ging […] ganz still und leise um niemanden zu stören

Und legte das Tuch höchstpersönlich zusammen

 Könnte sein, dass das Auferstehung ist:

Ganz still und leise das Tuch zusammenlegen und gehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17448

Der Journalist Christian Modehn beschreibt ein Abschiedsritual zwischen ihm und seiner Mutter. Er erzählt:

„Ich hatte das Glück, in der Kindheit und Jugendzeit fast täglich ein kleines Abschiedsritual zu erleben. Meine Mutter war fest überzeugt: Ihren Kindern tue es gut, wenn sie uns vom Balkon aus nachwinkt. So drehte ich mich winkend um, auf dem Weg zur Schule oder auch nachmittags unterwegs zum Spielen oder Einkaufen. Das Winken war Tradition geworden, aber es war keine leere Geste, sondern Ausdruck der Verbundenheit. „Das Winken, diese sanfte Handbewegung, überwindet noch mal den Abstand“, sagte meine Mutter. „Wenn zwei Hände sich noch suchen und berühren wollen, entsteht eine Bewegtheit, etwas Lebendiges. Aber sofort müssen wir akzeptieren, dass wir uns schließlich aus den Augen verlieren. Wir müssen unseren Weg weitergehen, allein oder mit anderen.“

Aus: Vom Anfang im Ende. Ein Trostbuch für Tage in Moll, Andere Zeiten e.V., Hamburg 2012, S. 11.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17447

„Am dritten Tage auferstanden…

warum eigentlich erst am dritten Tag?

Vielleicht war er einfach müde vom Leben.

Vielleicht war er froh einfach schlafen zu dürfen.

Oder vielleicht ist es so:

Tod und Auferstehung gehören zwar zusammen,

sind aber doch nicht eins.

Auch das „und“ [dazwischen] braucht seine Zeit.“

 

Ein Text der Schriftstellerin Andrea Schwarz.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17446

Der Schweizer Schriftsteller Kurt Marti stellt sich einigen Fragen rund um Ostern und die Auferstehung. Er schreibt:

 

„Ihr fragt:

Wie ist die Auferstehung der Toten?

            Ich weiß es nicht.

 

Ihr fragt:

Gibt’s die Auferstehung der Toten?

            Ich weiß es nicht.

 

Ihr fragt:

Wann ist die Auferstehung der Toten?

            Ich weiß es nicht.

 

Ich weiß nur wonach ihr nicht fragt:

            Die Auferstehung derer die leben

 

Ich weiß nur wozu ER uns ruft:

            Zur Auferstehung heute und jetzt.“                                                     

 

Aus:Kurt Marti, in: Biblische Texte verfremdet 12, München 1990, S. 17.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17445

Mit diesem Bibeltext aus dem Johannesevangelium wünsche ich Ihnen frohe Ostern!

 1 Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung (…) Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. 4 Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.

5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt es ihnen. 8 Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

 

Aus: Die Bibel, Einheitsübersetzung, Katholische Bibelanstalt Stuttgart 1980, Mt 28,1-18.

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