Manuskripte

SWR3 Worte

Wann glaubt man spätestens an Gott?
Der Kabarettist Harald Schmidt meint:

„Ob man wirklich Atheist ist, wird sich später zeigen.
Denn auf dem Sterbebett werden viele noch fromm.
Diese Erfahrung habe ich auch selbst gemacht.
Denn ich war während des Zivildienstes in einer Pfarrei beschäftigt.
Da wurde der Pfarrer von sogenannten Atheisten
schreiend ins Krankenhaus geholt,
wenn der Krebstumor im Endstadium war.
Ich glaube, ob man Atheist ist,
kann man erst auf den letzten Metern sagen.“

Zitiert nach: „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf, Rowohlt-Verlag, Berlin 2013, S.92.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17357

Der Schauspieler Dominic Raacke, bekannt als Tatort-Kommissar,
findet das Sterben schön und schwer:

„Früher, als Kind, da bin ich gerne gestorben – immer wieder.
Das war ja das Schöne: die Wiederholung.
Das waren die Höhepunkte beim Cowboy- und Indianer-Spielen.
Immer wieder erschossen werden – ein letzter Seufzer – und tot.
Einen Moment liegen bleiben – tot sein –
aber dann wieder aufspringen und ganz schnell ein neues Leben beginnen.
Aber im wirklichen Leben? Wer will schon gerne sterben?
Wenn ich das Sterben wirklich planen könnte,
dann sollte es etwas Rituelles haben:
ein Abschiednehmen vom Hier und Jetzt.
Ein letzter Kuss, eine Umarmung, ein langer Blick in die Augen.
Das wird mir schwerfallen.
Ich werde meine Liebsten vermissen – bis wir uns wiedersehen.
Auch wenn es nur eine Hoffnung ist:
Ich möchte auf keinen Fall darauf verzichten.“

Dominic Raacke, Der letzte kühle Schluck; in:
Magazin „Cicero“, Januar 2012, Ringier-Publishing-GmbH Berlin, S.137.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17356

Der Rocksänger Peter Maffay hat eine Finca in Mallorca,
wo er sich um benachteiligte Kinder kümmert.
Dort hat er auch eine kleine Kirche gebaut

„Diese Kapelle ist für mich ein wichtiger Ort:
Er gibt mir ein Gefühl von Orientierung und Stärke.
Kumpels von mir haben da mitgebaut:
Die sind Christen und zum Teil auch Moslems.
Und ich fand das so bemerkenswert,
wie meine muslimischen Freunde gesagt haben:
Wir bauen mit an der Kapelle – auch wenn die ein Kreuz hat.
Na und? Wo ist das Problem? Das machen wir! Haben die gesagt!
Das finde ich großartig. So weit muss man gehen!“

ARD-TV-Dokumentation über Peter Maffay: „Auf dem Weg zu mir“,
gesendet am 03.02.14 um 01.35 Uhr.

 

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Gott ist global, glaubt der Schauspieler Ulrich Noethen,
ausgezeichnet mit dem deutschen Filmpreis
für seine Hauptrolle in den
"Comedian Harmonists":

„Im Laufe der Zeit bekam ich immer mehr Fragen und Zweifel.
In einer globalisierten Welt kann ich die Festlegung
auf ein bestimmtes Glaubensbekenntnis nicht mehr mitmachen.
Ich kann anderen Menschen die Wahrheit ihrer Religion nicht absprechen.
Übrig geblieben ist mir aber – und das ist durch nichts zu ersetzen –
ein Sich-angenommen-Fühlen und ein starkes Gefühl der Geborgenheit.
Ich fühle mich bei Gott aufgehoben:
im übertragenen und im wörtlichen Sinn.“

„Was man sich so sehr gewünscht hat …“, Ulrich Noethen im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; in: Magazin „Chrismon“ 3/2014, Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main, S.22.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17354

Glaube macht am meisten Spaß, wenn er praktisch wird,
meint die Journalistin Meike Winnemuth:

„Ich war eine Zeit lang ehrenamtlich tätig in einem „Raum der Stille“.
Das ist ein Projekt der Hamburger Bahnhofsmission.
Die haben einen Raum mitten im Getöse des Hauptbahnhofs,
wo man sich einfach mal hinsetzen und durchschnaufen kann.
Praktische Tätigkeiten sind mir lieber als Gebetszirkel.“

„Was will ich eigentlich?“, Meike Winnemuth im Gespräch
mit Ursula Ott und Dorothea Heintze; in: Magazin „Chrismon“ 3/2014,
Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main, S.31.

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Das Wichtigste ist unsichtbar
meint der chinesische Philosoph Laotse:

„Stell dir einen Tonkrug vor.
Man formt dieses Gefäß aus geknetetem Ton:
Den kann man sehen und fühlen und anfassen.
Doch der Sinn eines Tonkruges ist sein Hohlraum:
das, wo nichts zu sehen oder zu fühlen ist.
Der sichtbare Ton gibt dem Gefäß die äußere Form.
Das unsichtbare Nichts gibt dem Gefäß den inneren Sinn.“

Zitiert nach: „Werkstatt für Liturgie und Predigt“ 12/2013, Bergmoser&Höller Verlag, Aachen, S.534. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17352

Der Rockmusiker Henning Wehland,
bekannt als Juror bei „The voice of germany“, hat Gott gefunden:

„Gott hilft mir bei der Überwindung meiner Ängste.
Ich würde das auch so formulieren, dass Gott in uns allen steckt.
Dieses Urvertrauen, dass es Gott in mir und für mich gibt,
das ist mir immer geblieben.
Denn es ist nicht so, dass ich nur an die Liebe glaube
und an ihre spirituelle Kraft.
Sondern die Liebe ist etwas, das mich mit Gott verbindet.“

„Was will ich eigentlich?“, Henning Wehland im Gespräch mit Ursula Ott und Dorothea Heintze; in: Magazin „Chrismon“ 3/2014, Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main, S.30.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17351