Manuskripte

SWR3 Worte

„Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten“ – dazu ruft die evangelische Kirche auf. Susanne Breit-Kessler, die Münchener Regionalbischöfin, hat sich immer für eine handwerkliche Null gehalten. Doch dann begegnete sie einem Töpfermeister.

„Der holte mich ins Werken, ließ mich krumm und schief töpfern und sagte: ‚Warum müssen Teller immer rund und Tassen plan sein? Mach wie du denkst – das ist richtig toll!‘
Und ich fasste Mut, genierte mich nicht länger. Weg mit der falschen Gewissheit, eine kreative Null zu sein. Solche unhinterfragten Urteile engen ein, nehmen einem jede Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Ich bin längst kein handwerkliches Genie, aber ich traue mir Überraschungen zu.“

Autorin: Susanne Breit-Kessler
http://predigten.evangelisch.de/predigt/zdf-predigt-von-regionalbischoefin-susanne-breit-kessler

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17268

Wann legen Menschen ihren Panzer ab und fassen Vertrauen?
Die Antwort habe ich in einer Geschichte gefunden:

Ein kleiner Junge fand eine Landschildkröte und ging gleich daran sie zu untersuchen. Im selben Moment zog sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück. Vergeblich versuchte der Junge den Kopf der Schildkröte mit Hilfe eines Stöckchens herauszuholen.
Als der Großvater das sah, sagte er: "Das ist falsch, komm ich zeige dir, wie man das macht."
Sie nahmen die Schildkröte mit ins Haus und setzten sie an den warmen Kachelofen. In wenigen Minuten wurde das Tier warm, streckte seinen Kopf und seine Füße heraus und kroch auf den Jungen zu.
"Menschen sind manchmal wie Schildkröten", sagte der Großvater. "Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte und Geduld auf und er wird seinen Panzer verlassen können."

Autor: Unbekannt
Aus: private Weihnachtskarte. Quelle konnte nicht nachgewiesen werden.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17267

Diagnose Krebs – so schlimm das auch ist, für den 12-jährigen Ingo war es gut, die Wahrheit zu wissen. Er erzählt:

„Im Krankenhaus wurde mir klar, dass der Satz ‚Man wird Dir hier immer die Wahrheit sagen‘, so wirklich stimmte. Ich muss sagen, dass es wirklich ungemein hilft, wenn man weiß, was los ist.
Wenn ich nicht gewusst hätte, was da mit meinem komischen Organismus plötzlich nicht mehr stimmt, dass ich an dieser dummen Krankheit sogar sterben kann, wäre ich nach der zweiten Lumbalpunktion vollständig ausgeflippt.
Es ist lieb gemeint, wenn besorgte Eltern das kranke Kind nicht mit Gedanken an seinen möglichen Tod belastet wollen.
Und auch wenn es die Eltern viel Überwindung kostet, zugeben zu müssen, dass ihr Kind sich in einer lebensgefährlichen Situation befindet, so bin ich doch davon überzeugt, dass es das einzig Richtige ist, dem Kind immer die Wahrheit zu sagen.“

Autor: Ingo,  Nachname unbekannt
Aus:
Joachim Schröder, Ingeborg Hiller-Ketterer, Werner Häcker, Michael Klemm, Eva Böpple (Hg.), „Liebe Klasse, ich habe Krebs! Pädagogische Begleitung lebensbedrohlich erkrankter Kinder und Jugendlicher, Tübingen (Attempto-Verlag) 1996, S. 53.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17266

Wie kann man Kinder verstehen?
Der polnische Pädagoge Janusz Korczak versucht, die Perspektive eines Kindes einzunehmen und kommt zu dem Ergebnis:

„Ein Kind ist wie ein Fremdling. Es versteht die Sprache nicht. Es kennt den Verlauf der Straßen nicht, und auch die Gesetze und Bräuche sind ihm unbekannt.
Manchmal möchte das Kind selbst entdecken.
Wenn es schwierig wird, bittet es um Hilfe und Rat. Es braucht jemanden, der es leitet und seine Fragen beantwortet.
Wir sollten die Unwissenheit der Kinder achten!
Wir sollten ihre Wissbegierde achten!
Und wir sollten auch ihre Misserfolge und Tränen achten.“

Autor: Janusz Korczak
Aus: Janusz Korczak, Das Recht des Kindes auf Achtung, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 3. Aufl. 1979, S. 25f.

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17265

Heute feiert der Schriftsteller Milan Kundera seinen 85. Geburtstag.
Mit Rückblick auf das Leben stellte er fest:

„Alle Ereignisse liegen in Gottes Hand, und wir wissen nichts über das morgige Schicksal. Damit will ich sagen, das Leben mit allem Für und Wider anzunehmen bedeutet, auch Unvorhergesehenes anzunehmen. Und ein Kind ist das Unvorhergesehene selbst.
Wir wissen nicht, was aus ihm wird, was es bringen kann, und gerade deshalb müssen wir es annehmen.“

Autor: Milan Kundera:
Aus: Abschiedswalzer, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/M 1991. Zitiert nach http://www.kundera.de/Zitate/zitate.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17264

Wie kann der Alltag als große Patchworkfamilie gelingen?
Susan und Anno Bagdach-Lauten leben mit ihren fünf Kindern im Alter zwischen einem und siebzehn Jahren in ihrem Haus in Köln.
Gemeinsam haben sie sich fünf Familienregeln erstellt:

„1. Wir vermeiden Streit und denken daran, dass wir uns alle lieben. 2. Wir nutzen und genießen die Zeit, die wir zusammen haben.
3. Jeder hat das Recht auf Rückzug und Konfliktklärung. Wer während eines Streits Rückzug braucht, muss nach 30 Minuten auf seinen Kontrahenten zugehen und Frieden und Klärung anbieten.
4. Wir halten zusammen und können uns grundsätzlich vertrauen.
5. Wir unterstellen uns nur Gutes und versuchen, uns nicht angegriffen zu fühlen.“

Autoren: Susan und Anno Bagdach-Lauten
Aus: Kira Hanser, „Kein Mensch weiß ja vorher, wie es ist Kinder zu haben.“ Die kreativen Eltern Anno und Susan Bagdach-Lauten haben fünf Kinder und sind dennoch gut organisiert, in: bpb magazin, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 5. März 2014, S. 22.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17263

Die Sängerin Tracy Chapman feiert heute ihren 50. Geburtstag.
Mit ihren Liedern klagt sie als moderne Prophetin gegen Ungerechtigkeit.

Sag mir bitte: Warum müssen Kinder verhungern? In unserer Welt gibt es für alle genug zu essen!
Warum nennt man Raketen „Friedensbewahrer“? Ihr Ziel ist es zu töten!
Warum sind Frauen vor Gewalt nirgendwo sicher – nicht einmal in ihrem eigenen Zuhause?

Wir müssen Antworten finden!
Das wird geschehen, wenn die Nichtsehenden ihre Scheuklappen abnehmen und die Sprachlosen ihr Wort erheben!

Autorin: Tracy Chapmann
Aus: Why? Track 8 auf der CD „Tracy Chapman“, Elektra/Asylum Records, New York 1988 (Übersetzung Anke Edelbrock).

 

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17262