Manuskripte

SWR3 Worte

Die Medizinproffessorin Luise Reddemann über gelingende Freundschaft:

Zu einer Kultur der Freundschaft gehören Nähe und Distanz. Sie bedingen einander. Wem es nicht gelingt, das in die Balance zu bringen, ist auf Dauer kein guter Freund oder keine gute Freundin. Aus meiner Sicht macht das auch die Kultur der Freundschaft aus, dass man sich darum bemüht, sich so nahe zu sein, wie es jeder oder jede einzelne braucht. Und so viel Distanz zu halten, dass beide das Gefühl haben können, dass da genug Freiraum ist.

Freundschaften, in denen ein Anspruch auf Dauerhaftigkeit erhoben wir, zerbrechen wohl am ehesten, wenn der Freiraum des Einzelnen nicht geachtet wird. Das ist ein wichtiges Moment von gelingenden Freundschaften: Achtung vor der Unabhängigkeit und dem Freiraum der anderen Person.

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Die  Kommunikationsmanagerin Eva-Maria Zuhorst über die Ehe:

Jede dritte Ehe endet hierzulande vor dem Scheidungsrichter. All diese Menschen haben geheiratet, weil sie etwas gesucht haben und weil sie geglaubt haben, mit dem anderen genau das gefunden zu haben. Und sie haben sich scheiden lassen, weil sie dieses Etwas dann doch nicht bekamen. Der Partner kommt ihnen vor wie eine Mogelpackung, in der was anderes drin war, als vorher draufstand. […]

Aber die Ehe ist nicht die Geschenkverpackung für eine Romanze. Der wahre Sinn der Ehe ist immer, die inneren Konflikte der beiden Partner ins Gleichgewicht zu bringen*. Damit ist die Ehe ein Ort tiefer Heilung und Entdeckung wahrer, gebender Liebe.

Alltagsphilosphen behaupten immer, das Leben sei eine Schule. Wenn dem so ist, dann ist die Ehe eine Elite-Universität. Hier stehen Sie vor den schwierigsten Prüfungen, hier können Sie am meisten lernen und wachsen – aber auch am meisten empfangen.

 

 

 

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Es gibt Tage, an denen meine Sorgen und Probleme mich zuerdrücken scheinen und und ich frag mich,warum esdie anderen immer leichter haben als ich.Wenn dieseFrage in miraufsteigt,denke ich an folgendeGeschichte aus Indien:

 

Es stand einmal in einem Dorf ein uralter,starkerBaum.
Eines Tages wurden alle Dorfbewohner eingeladen, ihre Sorgen, Probleme und Nöte gut verpackt an diesen Baum zu hängen.Die Bedingung war allerdings, dafür ein anderes Paket, das schon an diesem Baum hing mitzunehmen.Zu Hause wurden die fremden Pakete geöffnet. Doch es machte sich Bestürzung breit, denn die Sorgen und Probleme der anderen schienen deutlich größer als die eigenen! Und so liefen alle wieder zurück zu dem alten Baum und nahmen statt der fremden schnell wieder die eigenen Pakete an sich und gingen zufrieden nach Hause.

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Herr Keuner ging durch ein Tal, als er plötzlich merkte, dass seine Füße in Wasser gingen. Da erkannte er, dass sein Tal in Wirklichkeit ein Meeresarm war und dass die Zeit der Flut herannahte. Er blieb sofort stehen, um sich nach einem Kahn umzusehen, und solange er auf einen Kahn hoffte, blieb er stehen. Als aber kein Kahn in Sicht kam, gab er diese Hoffnung auf und hoffte, dass das Wasser nicht mehr steigen möge.

Erst als ihm das Wasser bis ans Kinn ging, gab er auch diese Hoffnung auf – und schwamm.

Er hatte erkannt, dass er selber der Kahn war. 

 Bertolt Brecht: Herr Keuner und die Flut

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Was will ich eigentlich?

Ich will leben, auch wenn’s mal weh tut.
Ich will alles, was ich erlebe, auskosten.
Die Freude und das Glück.
Und den Schmerz und die Traurigkeit.
Und ich will fühlen und spüren.
Und wieder ruhig werden, wenn alles im Chaos versinkt.
Ich will immer wieder den Mut haben, neu anzufangen.
Ich will nach dem Leben suchen.
Auch, wenn ich das Gefühl habe, es ist irre weit entfernt.
Ich will leben, auch wenn es weh tut. 

Nicole Alps: was will ich eigentlich?

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Wichtig ist, die Zeitdiebe zu erkennen. Zeit wird uns ja tagtäglich gestohlen. Unsere Gesellschaft zeichnet sich ja gerade dadurch aus dass sie mit immer mehr Kommunikation, mehr Vernetztheiten, mehr Techniken und mehr Konsumgütern den Menschen von sich selbst abzulenken versucht. Wir werden angeleitet, ein vordergründiges Leben zu führen. Die Botschaft lautet: Gib viel Geld aus. Und das Versprechen dahinter: Kauf dir einen neuen Fernseher, kauf dir ein neues Handy, geh in die Disco und du bist frei.

Mein Rat ist ganz einfach: Lerne zu unterscheiden, was wesentlich ist und was dich davon nur ablenkt. Lebe bewusst, nimm dein Leben selbst in die Hand und handle.

 Dietrich Grönemeyer: Lebendigkeit

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Die Religionen sollten Erfahrungen der Gemeinsamkeit und der Solidarität ermöglichen. Und sich darum kümmern, dass der Mensch sich der Kürze der Zeit bewusst wird, die er auf dieser Erde weilt. Und erkennt, dass dieses wundersame Leben ein Geschenk ist, das er demütig und bewusst leben sollte. Dass er in seiner Lebenszeit Verantwortung für sich, aber auch für andere übernehmen sollte. So wie die Aufgabe des Therapeuten die Sorge um die Seele ihrer Patienten mit einschließt, so haben die Religionen eine wichtige Verantwortung für die ganzheitlich verstandene Gesundheit und damit für ein neues Bewusstsein der Ganzheitlichkeit. An die uralte Tradition Jesu anzuknüpfen, zusammenzuführen, was zusammengehört: Körper, Seele, Geist, dem Wort Heilung seine ursprüngliche Bedeutung wieder geben: (...) Ganzheitliches Heilsein. Das ist mehr als Wellness und Fitness. 

Dietrich Grönemeyer: Heilsein

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