Manuskripte

SWR3 Worte

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
betiteln mich "Euer Gnaden".
Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheurer Appetit
nach Frühstück und nach Leben.

Mit diesen Worten von Joachim Ringelnatz wünsche ich Ihnen ein gutes Frühstück und einen Samstag voller Leben.

Aus: Joachim Ringelnatz (1883-1934), Morgenwonne, http://www.sternenfall.de/Ringelnatz--Morgenwonne.html

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Heute vor 68 Jahren kamen die Mitgliedsländer der UNO zum ersten Mal zu einer Vollversammlung zusammen. Im Gebet der Vereinten Nationen heißt es:
Gott, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.
Verfasser unbekannt, Gebet der Vereinten Nationen (1942), aus: Katholisches Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob" (GL 31,1)

http://www.liturgie.de/liturgie/index.php?bereich=publikationen&datei=pub/oP/Frieden/GebetderVereintenNationenGL31-1

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Menschliche Nähe und Anziehungskraft ist etwas Faszinierendes – und dann kann sich auch schon mal die Frage nach einem Seitensprung stellen. Der Hamburger Pastor Thomas Hirsch-Hüffell erzählt:
„Es ist Freitag kurz nach Mitternacht  Mein Handy vibriert. Ich lese: ‚Thomas, was passiert eigentlich mit den verpassten Chancen im Leben? Die Absenderin hat gerade auf einen leckeren Flirt verzichtet zugunsten ihres Gemahls. Nun ist also etwas moralisch Gutes geschehen, aber wie so oft – es macht einen nicht gleich satt. Eher hört man den nachrückenden Hunger aus diesen paar Worten heraus. Was soll ich zurücksimsen? Ich schreibe: ‚Aus allen verpassten Chancen wird am Ende ein schöner Film!‘ Zwei Minuten später rüttelt es in meiner Tasche. Ich lese: ‚Toller Gedanke! Musste gleich weinen. Aber jetzt kann ich schlafen!“
Aus: Thomas Hirsch-Hüffel: Simmsen für die Seele, in: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr, hrsg. von Andere Zeiten e.V., Initiativen zum Kirchenjahr, Hamburg, (Druck: Wachholtz Druck, Neumünster), Heft 1/2008, S. 4.

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Was tun mit dem warmen Wintermantel, der nicht mehr passt, aber jemand anderem noch gute Dienste tun kann? Wenn nicht zum Second-Hand Laden, dann zu einer gemeinnützigen Sammlung, die eine sinnvolle und faire Verwertung garantiert. Denn es geht nicht nur um den einen Mantel, sondern um richtig große Kleiderberge. Anton Vaas, Geschäftsführer bei Aktion Hoffnung Rottenburg Stuttgart, kennt dazu eindrückliche Zahlen:
Wir haben einen unheimlichen Durchlauf in deutschen Kleiderschränken! In den letzten 20 Jahren hat die Menge an Altkleidern um etwa 20 Prozent zugenommen. In die Kleidersammlungen kommen rund 750000 Tonnen Alttextilien pro Jahr. Das sind rund 1,5 Milliarden einzelne Kleidungsstück. In Lastwagen gepackt ergäbe es mehr als 47 000 Lastwagen – aneinandergereiht eine Schlange von Kiel bis München.

Aus: Amancay Kapeller (über und mit Anton Vaas), Ein kolossaler Kleiderberg. Der Handel mit Alttextilien floriert. Schwäbisches Tagblatt, Samstag 30. November 2013, S. 43.

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Fröhliche Weihnachten wünsche ich heute allen russisch-orthodoxen Christinnen und Christen! Roswita Niemeyer, Tochter einer evangelischen Mutter und eines orthodoxen Vaters, erzählt:
Der erste Weihnachtstag, der 7. Januar, wird mit Sehnsucht erwartet. Geschenke gibt es zu Weihnachten nicht, auch in heutiger Zeit nicht. Die ganze Familie wartet auf den ersten Weihnachtsgast. Meistens ist es das jüngste Kind aus der weiteren Familie oder ein Nachbarskind. Dieser Gast wird allerdings reichlich beschenkt – in Form von Naturalien, selbstgestrickten Strümpfen, Handschuhen oder Westen. Der Gast bleibt den ganzen Tag bei der Familie, wo er reichlich verwöhnt wird. Begrüßt wird er mit den Worten: „Christus ist geboren“, und er antwortet mit dem Gegengruß „Er ist wahrhaftig geboren!“

Aus: Roswita Niemeyer, Mein orthodoxes Weihnachtsfest, in: Gemeindebrief der ev.-luth. Kirchengemeinde Jever, 28. November 2013. http://www.kirche-jever.de/mein-orthodoxes-weihnachtsfest/

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Heute geht die Weihnachtszeit zu Ende – aber das Licht von der Krippe bleibt erhalten und strahlt in die Welt. Der Liedermacher Jürgen Henkys beschreibt das so:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.
Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.
Er kommt mit Frieden – nie mehr Klage. Der Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf und ruft: „Uns ist ein Kind geboren.“ Die Liebe geht nicht mehr verloren.

Aus: Jürgen Henkys, Das Volk, das noch im Finstern wandelt, Evangelisches Gesangbuch. Antworten finden in alten und neuen Liedern, in Texten und Bildern. Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg, Stuttgart 1996, Lied 20, S. 83f.

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In der Kirche täglich ein sehr günstiges Mittagessen, Gespräche, Wärme, Lebenshilfe – das bieten Vesperkirchen. Morgen öffnen in Mannheim und Göppingen die Vesperkirchen ihre Türen. Andreas Weidle, der Göppinger Pfarrer, benennt zwei Seiten der Hilfsaktionen:
„Dass es Vesperkirchen gibt, ist ein Armutszeugnis, es zeigt ein Problem unserer Zeit und Gesellschaft, die es zu Armut kommen lässt.
Andererseits ist es ein Erfolg, dass viele in die Kirchen kommen und sich hier wohlfühlen. Auch ist toll, dass wir ein gemischtes Publikum haben: der Bänker von nebenan nimmt Platz neben jemanden, der Mühe mit seinem Ein- und Auskommen hat: das ergibt auch manchmal gute Konstellationen, die sich sonst nie ergeben würden.“

Aus: http://www.youtube.com/watch?v=l4UFRBrcoVo (transkribiert von Anke Edelbrock)

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