Manuskripte

SWR3 Worte

Die Schauspielerin Maria Schrader erzählt von ihrer vierjährigen Tochter, wie sie sich den Himmel vorstellt.

Gott und die Engel seien alle in flauschigen Hemden aus weiser Wolle gekleidet, damit sie sich in den Wolken verstecken könnten und wir Menschen sie nicht sehen. Alle Engel seien Frauen oder Mädchen, weil „Gott die Frauen liebt“. Sie würden wie die Vögel fliegen, aber außerdem hätten alle einen Extrapropeller auf dem Rücken, damit sie besonders schnell den Flugzeugen auswichen könnten.
Ich mochte die Kombination von Transzendenz  und technischen Hilfsmitteln. Ich wäre auch gern jemand, der darin nicht unbedingt einen Widerspruch sieht. Vernunft und Zweifel können einen ganz schön bremsen.

Aus: chrismon plus, 12/13, S. 52 
hg. Von Johannes Friedrich, Margot Käßmann, Nikolaus Schneider. Hansisches Druck und Verlagshaus, Frankfurt am Main. 2013.

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Ein Vater hat seinem Jungen zu Weihnachten einen Hund versprochen. Gemeinsam gehen sie zum Züchter, wo sich der Junge den Hund selbst aussuchen darf. Vater und Sohn betrachten den Wurf Hunde und der Vater fragt den Jungen, welchen von den Kleinen er haben möchte.
Der Junge schaut die süßen Winzlinge genau an. Einer ist herziger und knuffiger als der andere, einer ist so gefleckt der nächste anders. Er kann sich lange nicht entscheiden. Schließlich sieht er eines der Hündchen besonders heftig mit dem Schwanz wedeln. Spontan deutet der Junge auf diesen Hund und ruft: „Den mit dem glücklichen Ende, den nehmen wir!“

Aus:Axel Kühnert: Ein Lächeln macht die Runde, S. 74
Neukirchener aussaat, Neukirchen-Vluyn, 2011

 

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An Weihnachten fehlen viele Menschen. Die Schwester des Theologen Dietrich Bonhoeffer erzählt, wie sie in der Familie mit ihrer Trauer umgegangen sind.

Weihnachten 1918 ist alles schwer. Unser Bruder Walter fehlt. Er ist als achtzehnjähriger Fahnenjunker im Westen gefallen. Eine schreckliche Lücke ist nun da, und sie bleibt offen.
An diesem Weihnachtstag sagt unsere Mutter: „Wir wollen nachher hinübergehen.“ Das Hinübergehen heißt, wir gehen alle auf den Friedhof. Mama und Papa sind vorher noch einmal ins Weihnachtszimmer gegangen und haben einen Tannenzweig vom Baum geschnitten mit einem Licht und Lametta und nehmen diesen Weihnachtszweig für das Grab von Walter mit. Auch in den folgenden Jahren ist es zu Weihnachten bei diesem Friedhofsgang geblieben.

Aus: ach! Das kleine Buch vom großen Staunen, andere Zeiten e.V., Fischers Allee 18, 22763 Hamburg, S. 35

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An Weihnachten kommt Gott aus dem Himmel auf die Erde. Gott wird Mensch. Der Schöpfer aller Dinge geht hinein in die Welt, die er selbst geschaffen hat: in die Zeit in die Vergänglichkeit, das Glück, die Freundschaft, die Zärtlichkeit. Er lernt die Arbeit kennen, den Hunger, den Durst, die Armut, die Not, die furchtbarsten Schmerzen und die schönsten Gefühle, den Tod und die Liebe. Aber wird nicht Mensch, um den Himmel los zu werden, sondern um ihn in die Welt hinauszutragen.
Gott wird Mensch. Er wird sogar ein Kind, das uns braucht. Der allmächtige Gott, der Schöpfer aller Dinge.
Im Himmel muss man Gott respektieren und fürchten. Aber auf der Erde kann man ihn gern haben wie ein Kind. Und deshalb wird Gott so klein: Damit wir lernen ihn zu lieben.

Der Theologe Thomas Erne
Thomas Erne, Sabine Jocher: Wo geht’s hier zum Leben? Gabriel-Verlag (Thienemann Verlag GmbH) 2005

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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte aus der Bibel:
Zur Geburt von Jesus Christus kam es so: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Sie hatten noch nicht miteinander geschlafen. Da stellte sich heraus, dass Maria schwanger war – aus dem Heiligen Geist.
Ohne Aufsehen zu erregen, wollte Joseph sich von ihr trennen.
Ein Engel des Herrn erschien ihm im Traum und sagte: "Josef, habe keine Bedenken, deine Frau Maria zu dir zu nehmen! Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird sein Volk retten: Er befreit es von aller Schuld." Josef wachte auf. Er tat das, was ihm der Engel des Herrn befohlen hatte: Er nahm seine Frau zu sich. Und er gab ihrem Sohn den Namen Jesus.

Mt 2 nach der Übersetzung der Basis-Bibel
Basis-Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 2010.

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An Feiertagen steigt das Risiko, dass Familien sich streiten, vielleicht sogar gewalttätig werden. Die Psychologin Beate Minsel sagt:

Ich bin strikt gegen den Verzicht auf Feiertage.
Grundlage für einen friedlichen Feiertagsverlauf sind meist Handlungen, die durch die Religion vorgegeben sind. Man geht in die Kirche oder besucht die Gräber. Darüber hinaus identifiziert man sich mit den anderen die zur erweiterten Familie gehören, und mit den Vorfahren, die den Feiertag auch immer so verbracht haben. Das Jahr ist durch die Rituale strukturiert. Gleichzeitig haben alle frei, sodass sich eine der wenigen Möglichkeiten ergibt, die Verwandtschaft zu sehen.

Aus: Hans-Martin Lübking, Günter Törner (Hg): Beim Wort genommen, Gütersloher Verlagshaus 2002, S. 245

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Gott setzt sich für die Schwachen ein. Die Bibel erzählt, wie Maria – die Mutter von Jesus- sich freut, nachdem sie erfahren hat, dass sie mit Jesus schwanger ist.

Von ganzem Herzen preise ich den Herrn,
und mein Geist jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter.
Denn er hat mich, seine Dienerin, gnädig angesehen,
eine geringe und unbedeutende Frau.
Ja, man wird mich glücklich preisen –
jetzt und in allen kommenden Generationen.
Er, der Mächtige, hat Großes an mir getan.
Sein Name ist heilig,
und von Generation zu Generation gilt sein Erbarmen denen,
die sich ihm unterstellen
Mit starkem Arm hat er seine Macht bewiesen;
er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist.
Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt
und die Geringen emporgehoben.
Den Hungrigen hat er ´die Hände` mit Gutem gefüllt,
und die Reichen hat er mit leeren Händen fortgeschickt.

Lk 1, 46-53, Genfer Übersetzung, Genfer Bibelgesellschaft, CH-1032 Romanel-sur-Lausanne, 2009.

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