Manuskripte

SWR3 Worte

Morgen ist der 1. Advent. Die Lehrerin Inken Christiansen erzählt, wie sie sich darauf einstimmt:
Nach den stillen Novemberwochen hole ich heute die Kiste mit unserem Adventsschmuck herunter: Zuoberst liegt die kleine schwedische Lucia, die ich nach einem Konzert geschenkt bekam. Den hölzernen Adventskranz mit Elchen haben wir von einem Urlaub in Dänemark mitgebracht. Schon morgen kann die erste Kerze auf ihm leuchten.
Ja, unser Weihnachtskarton - jedes Stück schenkt mir Erinnerungen und jedes lässt die Vorfreude wachsen.
24 Tage Zeit. Weihnachten kann ich nicht schnell bestellen, Weihnachten kann ich nur erwarten. […] Ich stelle den leeren Stall auf. Dabei nehme ich mir vor, mir in den kommenden Wochen nicht nur für die Erledigungen Zeit zu nehmen, sondern auch für die Verheißung.

Aus: Andere Zeiten e.V. (Hg.), Der andere Advent 2012/2013, Hamburg, (ohne Seitenzahl), 1.12. Vorabend.

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Fremdheit und zwischenmenschliche Scheu überwinden – das ist gar nicht schwer, meint der Heilpädagoge Max Feigenwinter. Mit diesen Grundsätzen könnte es gehen:
Ich will den ersten Schritt tun,
Distanz überwinden,
die Hand anbieten,
Kontakt ermöglichen.
Ich will das Schweigen brechen,
Brücken bauen,
dir in die Augen sehen,
meine Bereitschaft zeigen.
Ich bin überzeugt,
dass wir miteinander Frieden schaffen,
wenn wir verstehend annehmen,
überlegt handeln
und neu beginnen.
Ich will das Positive sehen,
die Hand anbieten,
den ersten Schritt machen
neue Wege suchen
und leise Zeichen verstehen lernen.

Max Feigenwinter: Dem Glück auf der Spur. Aus: Heimfocus; Magazin, Nr. 14, August 2013, S. 17
http://issuu.com/heimfocus/docs/heimfocus_august-2013_druck/13?e=3419870/4257992

 

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Der 19jährige Weis Rassuli ist vor zwei Jahren aus Afghanistan geflohen. Als Asylbewerber lebt er in schwierigen Verhältnissen. Trotzdem lässt er den Mut nicht sinken, weil die Leute in seinem Dorf ihm freundlich begegnen. Er erzählt:
„Es geht mir besser, seitdem ich in der örtlichen Fußballmannschaft aufgenommen wurde, in der ich übrigens nicht der einzige Asylbewerber bin. Seither habe ich dort Freunde, auch der Trainer ist sehr nett und hilfsbereit. Wir haben auch außerhalb des Spielfeldes Spaß miteinander. Ich werde in die Familien eingeladen und man hilft mir mit Formularen und Anträgen. Sogar im Tennisclub nebenan konnte ich während der Fußball-Sommerpause spielen und fühlte mich auch dort sehr freundlich aufgenommen.“

Aus: Heimfocus; Magazin, Nr. 14, August 2013, S. 13

Vgl.: http://issuu.com/heimfocus/docs/heimfocus_august-2013_druck/13?e=3419870/4257992

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16480

Dom Helder Camara hat sich in Brasilien für arme Kinder und Jugendliche eingesetzt. Dabei sagte er einmal:
„Wenn ich könnte, gäbe ich jedem Kind eine Weltkarte.
Und wenn möglich einen Leuchtglobus,
in der Hoffnung, den Blick des Kindes aufs äußerste zu weiten
und in ihm Interesse und Zuneigung zu wecken
für alle Völker, für alle Sprachen und für alle Religionen.“

Aus: Helder Camara, Mach aus mir einen Regenbogen. Mitternächtliche Meditationen, Graz 1981, S. 77.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16479

Wenn jemand gestorben ist, vielleicht sogar ein Freund, dann ist es gar nicht so leicht, Worte zu finden. Der Psychotherapeut Roland Kachler versucht es so:
Ich glaub, man sollte direkt fragen, ‚Wie geht es Dir mit Deinem Schmerz oder mit Deiner Trauer?‘ Das signalisiert dem Trauernden: da interessiert sich jemand. Da darf ich meine Trauer zeigen.
Und wenn es ein weniger vertrautes Verhältnis ist, könnte man auch sagen: ‚Mir fällt es schwer – ich denke an Sie, aber mir fehlen die Worte.‘ Auch diese Worte signalisieren dem Trauerenden, dass der Kollege die Trauer zur Kenntnis nimmt. Dieses Signal ist wohl das Wichtigste.

Aus: Länger lieben ist erlaubt, Therapeut Roland Kachler über das Leben mit schweren Verlusten: beim Einzelnen, in der Familie und im Job, Schwäbisches Tagblatt, 11. November 2013.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16478

Roland Kachler ist Psychotherapeut und begleitet auch trauernde Menschen. Er meint:
Trauer ist nicht nur ein Abschiedsgefühl. Sie ist auch ein Beziehungsgefühl. Dem Verstorbenen einen guten Platz im Leben zu geben, und so etwas wie eine innere Beziehung zu ihm zu leben. Mit Gedenken, mit Erinnerungen, mit Ritualen. Ich kenne z. B. eine Witwe, die am Hochzeitstag das Bild ihres verstorbenen Ehemanns auf den Esstisch stellt. Ja, Liebe darf über den Tod hinaus weitergehen.

Aus: Länger lieben ist erlaubt, Therapeut Roland Kachler über das Leben mit schweren Verlusten: beim Einzelnen, in der Familie und im Job, Schwäbisches Tagblatt, 11. November 2013.

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Heute begehen Christinnen und Christen den Toten- oder auch Ewigkeitssonntag. Ein 10jähriger Junge meint dazu:
Ich stelle mir den Tod so vor, dass sich der Mensch im Grab erstmal ein bisschen ausruht. Vielleicht war der Mensch ja vor seinem Tod ganz krank, dass er sich davon erst mal erholen muss.
Und dann hält Gott seine Hand aus dem Himmel zum Grab. Und die Frau oder der Mann stellt sich halt auf die Hand. Und dann hebt Gott den toten Menschen zu sich in sein Reich, in seinen Himmel.

Autor: Unbekannt
Aus: Tod und Leben. Begleit-CD zum Titel: „Mit Kindern in der Grundschule Hoffnung gestalten“ Produktion des Südwestfunks Stuttgart, Auer Verlag Donauwörth 2002, Track 1 (11.03-11.30).

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