Manuskripte

SWR3 Worte

Ein Banker kam für ein Wochenende in das Kloster, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Er bedrängte den gastgebenden Mönch mit seiner Frage: „Was ist der Sinn des Lebens?" Der erfahrene Mönch antwortete knapp: „Ein Geheimnis." „Und Sie kennen das Geheimnis?" fragte der Manager. „Gewiss", antwortete der Mönch, „können Sie ein Geheimnis bei sich behalten?" Der Banker antwortete: „Natürlich, das habe ich in meinem Beruf gelernt."

Darauf ging der Mönch zum Chorgebet, drehte sich noch einmal kurz um, lächelte und meinte: „Ich auch..."

Geheimnis - von Roland Breitenbach

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Zwei Mönche erzählten sich was sie in der Nacht geträumt hatten. Der jüngere schien sehr erschrocken über seinen Traum. Darin war er durch alle Himmel geführt worden. Nirgends hatte er einen Platz für sich gefunden.

Da erzählte auch der Ältere seinen Traum: „Ich kam in den Himmel und fragte: Gibt es hier Mönche? Nein! Wurde mir geantwortet. Oder gibt es Priester und Bischöfe? Nein!, war die Antwort. Gibt es wenigstens Christen hier? Die Antwort: Nein!"

Schließlich sagte ich: „Wenn es keine Christen hier gibt und keine Bischöfe und nicht einmal einen Papst, wer kommt dann in den Himmel?" „Menschen", wurde mir beschieden. „Nur Menschen."

 Nur Menschen - von Roland Breitenbach

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Zwei Mönche machten sich an die schwere Arbeit Holz für den großen Klosterofen zu sägen. Der Winter stand vor der Türe.

Der eine sägte den ganzen Tag mit großem Fleiß. Der andere machte nach jeder Stunde ein paar Minuten Pause. Trotzdem hatte er am Abend weit mehr Holz gesägt als sein Mitbruder. Auf dessen verwunderte Frage wie das sein könne, antwortete er: „Ich habe mich in den Pausen nicht nur erholt, ich habe auch meine Säge geschärft."

  Die Erholung - von Roland Breitenbach

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Der Abt legte seinen Mönchen ein Wort des Mystikers Meister Eckhardt zur Meditation vor: „Besser im Arbeitskittel rein sein, als mit dem höchsten Titel gemein sein."

„Dann frage ich mich nur", flüsterte ein junger Mönch, „warum es in der Kirche so viele Titel gibt, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann!" Darauf ein älterer Mönch verschmitzt: „Gott will schließlich auch was zu lachen haben."

 Titelsucht - von Roland Breitenbach

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Zwei Mönche beobachteten in einem entlegenen Tal Indiens mit Staunen, wie sich die Dorfbewohner gegen räuberische Affen wehrten, die ihre Bananenfelder verwüsteten. Sie füllten Lederbeutel mit einer Süßspeise, deren Öffnung genau so groß war, dass eine ausgestreckte Affenhanddurchlangen konnte. Die geschlossene Faust mit der Süßspeise ließ sich aber nicht mehr zurückziehen.

Die Affen konnten gefangen werden, weil sie nicht bereit waren, auf die Speise zu verzichten. Da sagte der eine Mönch zum anderen: „Nur wer loslassen kann, ist wirklich frei."

Loslassen befreit - von Roland Breitenbach

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Zwei Mönche waren in der Zeit ihres Klosterlebens Freunde geworden. Da wurde der eine überraschend zum Abt gewählt. Der andere bekam zu seinem Ordensjubiläum von seinen Verwandten eine wertvolle Uhr geschenkt. Pflichtgemäß zeigte er seinem Freund, dem Abt, das Geschenk.

Der befahl: „Lege die Uhr dorthin! Du brauchst sie nicht!" Wütend ging jener weg, und auch in der Kapelle legte sich seine Verbitterung nicht. Als er nach vielen Stunden endlich seine Zelle aufsuchte, noch immer dunklen Groll im Herzen, lag auf seinem kleinen Tisch die Uhr des Abtes.

 Die Prüfung - von Roland Breitenbach

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Zwei Mönche wollten genau wissen, wo Gott wohne. Der eine meinte: „Im Himmel." Der andere sagte: „In seiner Schöpfung." „Gott ist überall", überlegte der eine, und der andere entgegnete : „Nein, er ist im Menschen."

So redeten und stritten sie miteinander, bis der Bruder Pförtner ihnen die einzig richtige Antwort gab: „Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt."

 Die Wohnung Gottes - von Roland Breitenbach

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