Manuskripte

SWR3 Worte

Wir sind äußerst empfindliche Menschen geworden und der Auffassung, uns stünde ungeheuer viel zu, ja, wir hätten sogar ein Recht darauf. Daher bläht sich das kleine Ich [...] gewaltig auf; denn es ahnt, dass hinter ihm nichts wirklich Ansehnliches steckt. 

[...]

Ich glaube, man kann [...] sagen, dass Menschen grundsätzlich entweder aus der Grundhaltung der Dankbarkeit oder einer Grundeinstellung des Grolls leben. Dankbarkeit stellt das "Mystische Minimum" dar: Sie anerkennt, dass alles Gegebene - selbst die Tatsache, dass ich atme - reines Geschenk ist. Niemand von uns hat es sich verdient, niemand hat ein Recht darauf. 

 Der Franziskanermönch Richard Rohr  

Aus: Jeder Tag ist ein Geschenk, Herder, Freiburg 2013. S. 85

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Jesus hat einen langen Atem und empfiehlt mit unseren Mitmenschen auch einen langen Atem zu haben. Er sagt:  

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht, und wenn er sein Unrecht einsieht, vergib ihm. Selbst wenn er siebenmal am Tag gegen dich sündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will es nicht mehr tun. sollst du ihm vergeben. 

 Lk 17, 3b-4 Neue Genfer Übersetzung, Genfer Bibelgesellschaft, Deutsche Bibelgesellschaft, 2011.

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Gibt es Wunder? Die Dichterin Hilde Domin hat dazu ihre eigene Haltung. In ihrem  Gedicht "Nicht müde werden" schreibt sie: 

Nicht müde werden

sondern dem Wunder

leise

wie einem Vogel 

Die Hand hinhalten. 

 

Aus: Zwischen den Zeilen: Gott, hg. v. Judith Sixel, Herder Freiburg, Basel, Wien, 2003. S. 159

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Gott, 
manchmal musst Du mich anschieben, 
gelegentlich stützen oder sogar tragen. 
Oft spüre ich, wie Du mich sanft zu bremsen versuchst, 
oder mich auf den richtigen Weg lenkst. 
Ich weiß, dass Du da bist, sicher. 
Deshalb vertraue ich Dir und fühle, 
dass Du mein Vertrauen erwiderst. 
Lieber Gott, ich danke Dir, 
dass Du mich so nimmst wie ich bin.  

Ein Gebet von Romy, 19 Jahre
Aus: Beten, Oliviero Toscani und Fabrica, Pattloch 2000, s. 58

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Malu Dreyer, Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, meint, dass das Leben zu leben eben der Sinn des Lebens sei. Trotzdem soll man sich immer wieder fragen, ob man auf dem richtigen Weg ist.  Sie erzählt:

"Ich weiß nochgenau, als ich dreißig wurde, habe ich gedacht: Jetzt muss ich nicht mehr über den Sinn des Lebens philosophieren und nicht mehr meine Kindheit aufarbeiten und was weiß ich. Doch das hörte nie auf. Will man sich weiterentwickeln, muss man sich immer wieder hinterfragen, sich Gefühlen stellen. Zu wachsen ist etwas Schönes, selbst wenn man erwachsen ist." 

 Chrismon 7/13 hg.v. Johannes Friedrich, Katrin Göhring-Eckardt u.a., Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt am Main. S. 32 

 

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Ein Arabisches Sprichwort sagt: Bevor man streitet soll man durch drei Tore gehen. Das eine Tor fragt: "Ist es wahr, was du sagst?" das zweite "ist es notwendig?" und das dritte "ist es auch freundlich?" 

Gefunden in: Chrismon 7/13 hg.v. Johannes Friedrich, Katrin Göhring-Eckardt u.a., Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt am Main. S. 25

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Wie kann man mit Kindern streiten? Die Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler erinnert sich an ihren Vater:  

Er hat... mir erlaubt, mit ihm zu streiten. Ich durfte alles sagen. Auch als 13-jährige, als ich Marx gelesen habe, durfte ich ihm sagen: Du hast keine Ahnung vom Leben, ihr wart alle Nazis. Er hat dann dagegengehalten, genauso hart wie ich. Am Ende der hitzigen Debatten sagte er jedes Mal: "Schaust du mal, ob noch Schokolade da ist?" Danach durfte nicht mehr gestritten werden, und alles war gut. Beim nächsten Mal ging es wieder von vorne los.  

Chrismon 7/13 hg.v. Johannes Friedrich, Katrin Göhring-Eckardt u.a., Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt am Main. S. 25

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