Manuskripte

SWR3 Worte

„Freunde sind mir die, mit denen ich essen und trinken und reden kann. Die mich in meiner Küche kennen, und denen ich sage: Komm, setz Dich ran.

Mit denen gemeinsam ich in den Jahren meine und ihre Lasten abtrug: Krankheit der Kinder und Weltüberdruss.

Mit denen ich die Nächte zerrede.

Und doch kommt es niemals zu einem Schluss.

Das kann auch über Fernen bestehen.

Auch wenn man sich lange Zeit nicht sieht:

Halten wir nur aneinander fest,

was immer sonst auch mit uns geschieht.

Freundschaften sind wie Abenteuer,

an die man sich sein ganzes Leben setzt.

Versagt man oder wird man verraten,

hat man sich mehr als die Haut verletzt.

 Eva Strittmatter

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Es ist gar nicht einfach, das Verhältnis von Gott und Mensch zu beschreiben! Beim Schweizer Sänger und Liedermacher Stephan Sulke klingt das so:

„Ich fühle mich als Teil der Schöpfung. Ich sage das ganz bescheiden, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass der göttliche Funke nicht draußen ist, sondern drinnen, also dass das Göttliche in einem drin ist. Das Leben ist das Göttliche und man selbst ist ein Teil des Gesamtwunders. [...] Ja, ich habe das Gefühl, dass Gott auch mich braucht. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich sage das in einer totalen Bescheidenheit. Es braucht ja irgendeine Figur auf der anderen Seite. Wenn die Natur nicht jemanden hat, der da sitzt und sieht, wie schön das Alles ist, dann ist ja alles für die Katz."

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Heute wäre er 92 Jahre alt geworden: Paul Watzlawick, Psychotherapeut. Mit seinen Geschichten hält er uns mit viel Humor einen Spiegel vor:

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Unser Mann beschließt, sich ihn auszuborgen. Doch [...] was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig.. [...] Vielleicht hat er was gegen mich. [...] Aber, ich habe ihm nichts angetan, das bildet der sich ein! Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. [...] Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? [...] Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. [...] - Und so stürmt er hinüber und läutet beim Nachbarn. Dieser öffnet die Tür, doch bevor er ‚Guten Tag' sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ‚Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!'".

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Juden, Christen, Muslime, Buddhisten, Hinduisten - gehören die Religionen eigentlich zusammen?

Georg Schwikart, freier Schriftsteller und Publizist, formuliert seine Antwort mit einem Bild:

„Gottes Haus hat viele Türen. Eine davon ist für Juden, eine andere für Christen, wieder eine andere Tür für Muslime; und es werden wohl noch mehr Türen in Gottes Haus führen. [...] Von außen gibt es also mehrere Eingänge in dieses Haus.

Im Haus selber ist aber nur eine Tür: sie führt zum Festsaal von Gottes Herrlichkeit, in den einst alle Menschen gemeinsam hineingehen werden."

 

           

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Was ist wichtig im Leben? Der Schweizer Heilpädagoge Max Feigenwinter findet:

 „Nicht die Gruppe, zu der du dich zählst, ist entscheidend. [...]

Nicht die Macht, die du erkämpfst;
nicht das Wissen, das du Dir erwirbst;

nicht das Ansehen, das dir entgegengebracht wird.

Entscheidend ist,

dass du auf andere Menschen zugehst,

sie wahr- und annimmst,

deinen Teil zum Leben beiträgst,

liebst,

verantwortungsvoll handelst, [...]

dein Leben lebst und Menschlichkeit förderst."

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Heute vor 135 Jahren wurde der polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak geboren. Was Gott für ihn bedeutet, erzählt er mit einer Geschichte: 

„Gott finden und herbeischaffen, das war das Ziel der Menschen. Doch Gott entwischte.  [...] Er stand am Zaun und schaute den Kindern beim Spiel zu. Da hätte ihn einer der Detektive fast am Wickel gehabt. Aber Gott machte einen Satz in die Höhe und schon regnete es Rosenkranzperlen, dass es nur so klingelte. Der Fänger fiel auf die Knie, versuchte sie aufzusammeln. - Aaaaber! Normale Perlen flutschen ja schon weg, aber wie erst die göttlichen! Die Perlen hüpften [...] und verteilten sich auf alle Kinder. Sie lachten und riefen: ‚Jetzt werden wir den Herrgott immer im Herzen tragen. Jeder hat eine Perle, damit es keinem zu schwer wird.'" 

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Der Sonntag ist eine Ausnahme, meint die Lübecker Pfarrerin Susanne Richter, und darum wichtig gegen Verkrampfungen:

„Ausnahmen sind das beste Mittel gegen Verstockung und Verkrampfung im Kopf. Macht man eine Ausnahme, gibt man damit zu verstehen: Ich versteife mich nicht auf mein Tun, sondern bleibe biegsam.

Der Sonntag ist der Inbegriff einer Ausnahme: Nach der Bibel ist er der allwöchentliche Feiertag, an dem wir nicht arbeiten, sondern unsere Befreiung feiern. Nicht, weil Arbeit schlecht ist, sondern weil eine genussvolle Pause ein Vorgeschmack darauf ist, was Leben auch sein kann: Fülle." 

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