Manuskripte

SWR3 Worte

Der österreichische Autor Arno Geiger über das „Spiel des Lebens":
An kalten oder verregneten Tagen Ende der siebziger Jahre saßen wir in der Küche am Tisch und spielten das „Spiel des Lebens", ein harmloses, auf ökonomischen Erfolg ausgerichtetes Brettspiel für Kinder (...). Das Spielbrett war bedeckt mit bunten Zeichnungen, die sich auf Lebensalter und Lebensstationen bezogen, man drehte ein Glücksrad und folgte der Route, zu der einen das Glücksrad zwang: Ausbildung, Reisen, Heirat, Erfolg, mangelnder Erfolg, Häuser, die gebaut wurden, brannten wieder ab, berufliche Rückschläge, ein Ölfund, Fehlspekulationen, silberne Hochzeit, Pensionierung. Wir ahnten damals nicht, dass der Weg durch das Spiel ein Klacks war gegen das, was uns im Leben bevorstand. Auch hatten wir keine Vorstellung, wie sehr es tatsächlich oft Glücksache ist, ob einer zurückfällt oder nach vorne kommt.

Aus dem Buch „Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger. dtv-Verlag München, 2012, S. 95

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Eine Geschichte von Aesop, griechischer Dichter um 600 vor Christus:
Ein reicher Athener machte mit anderen eine Seefahrt. Als ein heftiger Sturm aufkam und das Schiff kenterte, suchten sich alle anderen durch Schwimmen zu retten. Der Athener aber, der bei jeder Gelegenheit die Athene anrief, gelobte ihr wunder was, wenn sie ihn rette. Da sagte einer von den Schiffbrüchigen, der in der Nähe schwamm: „Beten kannst du zu Athene, aber du musst auch schwimmen!"

Hubertus Halbfas: Ser Sprung in den Brunnen, Patmos Verlag Düsseldorf, 1996, S. 175

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Ein Text des Theologen und Kabarettisten Fabian Schwarz:
Ich fahre im Zug am liebsten vorwärts.
Nicht weil mir schlecht wird, sondern weil ich dann sehe, wo ich hinfahre.
Einmal war kein Platz in Fahrtrichtung mehr frei.
Weil ich nicht stehen wollte, setzte ich mich - wohl oder übel - rückwärts.
Der Zug fuhr los und ich war sehr überrascht:
Plötzlich sah ich, wo ich herkam.

Bischöfl. Jugendamt der Diözese Rottenburg-Stuttgart u.a.: Rückwärts Vorwärts
(WernauerAdventskalender), Verlag Kath. Bibelwerk Stuttgart, 2012, S. 19 (1. Januar)

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Heute ist der Gedenktag des Apostels Thomas. Er wird auch der „ungläubige" Thomas genannt, weil er von Jesus Beweise verlangte. Jesus ist den Jüngern nach seinem Tod erschienen und Thomas wollte als Beweis, dass es auch wirklich Jesus ist, seine Kreuzigungswunden sehen. Nicht schlimm, findet der Autor Christian Feldmann, und wendet sich an all diejenigen, die Thomas als „ungläubig" bezeichnen:
Es ist dumm von euch, wenn ihr Thomas irgendwie als Apostel zweiter Klasse behandelt, weil er erst mal gezweifelt hat. Denn er ist ja haargenau so ein Typ wie ihr modernen Menschen, die ihr so skeptisch seid und euch so schwer tut mit Entscheidungen, die das ganze Leben gelten sollen. Seid doch froh, dass Jesus die Zweifel von Thomas akzeptiert hat, dass er sich auf die Probe stellen ließ! (...) Er hat Thomas seine Liebe jedenfalls nicht entzogen. (...) Er verlangt nichts Menschenunmögliches - nicht von Thomas und auch nicht von euch. Ist das nicht tröstlich?

Christian Feldmann: Kämpfer, Träumer, Lebenskünstler, Herder Verlag Freiburg, 2007, S.306

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Heute begeht die katholische Kirche das Fest „Mariä Heimsuchung". An diesem Tag wird daran gedacht, wie Maria ihre Cousine Elisabet besucht hat. Beide Frauen sind schwanger: Maria mit Jesus und Elisabet mit Johannes dem Täufer. Als Maria das Haus betritt, ahnen Elisabet und ihr Ungeborenes schon, welche Sensation Maria in sich trägt. In der Bibel heißt es:
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus ihrer Cousine und begrüßte sie. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. (...) In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Bibel, Evangelium nach Lukas, Kapitel 1, Vers

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Gott gebe dir
für jeden Sturm einen Regenbogen,
für jede Träne ein Lachen,
für jede Sorge eine Aussicht
und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit.
Für jedes Problem, das das Leben schickt,
einen Freund, es zu teilen,
für jeden Seufzer ein schönes Lied

und eine Antwort auf jedes Gebet.
Erwin Grosche, Dagmar Geisler: Kindergebete, Carlsen-Verlag Hamburg, 2008, S. 8

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Albert Einstein hat seine theoretischen Erkenntnisse immer wieder relativiert. Unter anderem hat er gesagt:
Die Quantenmechanik ist sehr achtung-gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das doch nicht (alles) ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis (Gottes) bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt.

Albert Einstein: Internet (Wikiquote) URL: http://de.wikiquote.org/wiki/Albert_Einstein

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