Manuskripte

SWR3 Worte

Muss man den Tod fürchten? Die Opernsängerin Cecila Bartolli antwortete auf diese Frage im Interview:
Nein! Weitaus fürchtenswerter ist ein stumpfes Leben ohne Gefühle. Ich weiß nicht, ob ich mutig bin, aber ich liebe die Vorstellung, mutig zu sein und ohne Angst auf andere Menschen zuzugehen. Einfach die Hand eines anderen zu ergreifen und ein Stück mit ihm zu gehen und mich ihm zu öffnen.

Chrismon, 06.13, Das Hansische Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main. S. 56

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Warum suchen wir - ob Mann oder Frau- immer nach einer „besseren Hälfte"? Der Philosoph Platon der etwa 4000 Jahre vor Christus gelebt hat, erklärt das so:
Die Menschen hatten einst eine Kugelgestalt und zogen den Zorn der Götter auf sich, weil sie zu übermütig wurden. Zur Strafe wurden sie entzwei gehauen. Seither irren wir halben Menschen durch das Leben und such unsere andere Hälfte, um wieder ganz zu werden.
Nichts Wunderbareres als das Gefühl, tatsächlich „seine Hälfte" gefunden zu haben, ganz und vollendet zu sein.

Anton Lichtenauer: Hol dir einen Stern vom Himmel, Herderverlag, Freiburg. S. 151

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Ein Mann, der sehr stolz auf seinen Rasen war, stand plötzlich vor einer mit Löwenzahn übersäten Wiese. Er versuchte alles nur Denkbare, um den Löwenzahn loszuwerden, aber der kam immer wieder.
Schließlich schieb er an das Landwirtschaftsministerium. Er zählte auf, was er alles versucht hatte, und schloss mit der Frage: „Was soll ich jetzt tun?"
Zu gegebener Zeit kam die Antwort: „Wie wär's, wenn Sie versuchten, ihn schön zu finden und den Löwenzahn zu lieben?"

Anthony de Mello: Weisheit kommt aus dem Herzen, Herderverlag, Freiburg. S. 60

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Manche Menschen mutieren zum Eichhörnchen. Sie sammeln Geld um möglichst unabhängig zu sein. Der Kolumnist und Autor Axel Reimann meint:
Unser persönlicher Wohlstand in der Zukunft hängt mehr davon ab, wie tragfähig unsere Beziehungen sind und was wir dafür an Zeit und Geld und Überzeugung einsetzen, als daran, ob wir den optimalen Riestervertrag unterschreiben oder welche Eigentumswohnung wir erwerben. „it's your neighbour, stupid." Wer das kapiert hat, findet auch wieder das richtige Maß fürs Schätze sammeln. Und mutiert nicht zum Eichhörnchen.

Chrismon 05.13, S. 22, Das Hansische Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main., S. 27

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Die Not in der Welt ist so groß! Gerade zur Zeit bei uns in den Überschwemmungsgebieten. Wie damit umgehen? Der Geigenbauer und Autor Martin Schleske meint:
Es ist Unsinn, die vielen Menschen in Not zu sehen und zu glauben, es sei eine riesige Not, als könne man Not aufsummieren zu einem Haufen. Es gibt nur die Not des Einzelnen. Und einem Einzelnen ist geholfen, wenn man ihm hilft."

Martin Schleske, Geigenbauer: Der Klang, Vom unerhörten Sinn des Lebens, Kösel Verlag, München. S. 144

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Nicht perfekt, sondern wirklich werden ist wichtig, meint der Geigenbauer Martin Schleske. Das hat er durchs Geigenbauen gelernt. Er meint:
Das Perfekte lässt einen kalt. Eine gute Geige hat ihren anmutigen Ausdruck nicht durch ihre perfekte Gestalt. So hat auch sein Mensch seinen Ausdruck nicht dadurch, dass er keine Fehler macht oder an ihm nichts auszusetzen wäre, sondern dadurch, dass sein Leben deutlich macht, worum es ihm eigentlich geht. Ist es nicht an der Zeit, die eigenen Idealvorstellungen - also letztlich sich selbst - etwas weniger wichtig zu nehmen, dafür aber umso inniger sich der Hand Gottes anzuvertrauen?

Martin Schleske, Geigenbauer: Der Klang, Vom unerhörten Sinn des Lebens, Kösel Verlag, München. S. 111

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