Manuskripte

SWR3 Worte

Der Autor Ulrich Schnabel sagt, warum Meditation glücklich machen kann. 

Das Glück der Meditation besteht in der ebenso schlichten wie wunderbaren Erfahrung, einmal ganz da und sich selbst genug zu sein. Und vermutlich ist es genau das, was uns im hektischen Alltag am meisten fehlt. Vor lauter Terminen, Anforderungen und Sehnsüchten kommen wir kaum dazu, das Leben als das zu sehen, was es im Grunde ist: Ein einmaliges Geschenk, dessen Wert wir meist erst dann zu schätzen lernen, wenn es zu Ende geht. Um sich daran immer wieder zu erinnern, sind kleine Übungen des einfachen In-der-Welt-Seins Gold wert. Allein die Tatsache, dass man von der Außen- auf die Innensteuerung umschaltet und sich einmal von den ständigen äußeren Taktgebern - Arbeit, Familie, Geld, Angst, Erwartungen - unabhängig macht, kann unsere Sicht auf das Alltagsgetriebe verändern.

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Der Kolumnist Harald Martenstein über falsche Moralvorstellungen

„Immer wieder stelle ich fest, dass Leute, die andere bei kleinen Missetaten ertappe daraus das Recht herleiten, ihrerseits noch größere Missetaten zu begehen. Zum Beispiel fährt jemand relativ langsam auf der Überholspur der Autobahn, was man nicht tun sollte. Und ein anderer fährt mit hohem Tempo hinten auf und blinkt und hat dabei auch noch das Gefühl, im Recht zu sein. (...)

Ein moralisches Überlegenheitsgefühl als Haltung: im Alltag, in der Politik, tausendmal gefährlicher als das Bewusstsein, gelegentlich ein Tunichtgut zu sein. Deswegen versuche ich nach Kräften, dieses Bewusstsein, ein fehlbarer Mensch zu sein, in mir lebendig zu halten.

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Sei gut zu dir! (...) Gut zu sich selber sein, das heißt nicht, sich immer und überall zu entschuldigen und seine eigenen Fehler nicht zu sehen. Aber auch nicht das Gegenteil: Es tut keinem gut, sich immer nur selber zu beschuldigen, sich in Schuldgefühlen zu zerfleischen und an sich immer nur das Schlechte zu entdecken. Lerne zu akzeptieren, dass du kein Held bist. Lass dich nicht lähmen durch deine Fehler und Schwächen. Schau sie an, verdränge sie nicht, akzeptiere, dass du fehlbar bist - und arbeite an deinen Schwächen. Aber verbeiße dich nicht in sie. Lass sie los. Wenn Gott dir vergibt, dann darfst auch du dir vergeben. Sei barmherzig mit dir selber. 

Anselm Grün: Sei gut zu dir

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Wie wichtig Auszeiten sind, ist allgemein bekannt. Der Buchautor Ulrich Schnabel warnt aber vor zu großen Erwartungen an diese Auszeiten. Er schreibt: 

Man darf nur nicht den Fehler machen, diese Auszeiten mit großen Erwartungen aufzuladen. Denn genau die sind es, die häufig zwischen uns und dem Glück des reinen Daseins stehen. Egal, ob man das stille Sitzen praktiziert, das Singen, Malen, Pilzesuchen oder Marathonlaufen - letztendlich geht es bei all diesen Tätigkeiten nur darum, ganz in ihnen aufzugehen, sich nicht ständig ablenken zu lassen und so die tiefe Erfahrung zu machen, wie flüchtig und wertvoll jeder Moment unseres Lebens ist. Und egal, ob man dafür 10 Minuten oder eine Stunde pro Tag erübrigen kann - Hauptsache, man schafft es, solche Ruhephasen regelmäßig in den Alltag zu integrieren.

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In vielen Firmen müssen die Abteilungsleiter ihrem Vorstand innerhalb von zwei Jahren eine Erfolgsbilanz vorlegen. Doch ob diese Erfolge auf Dauer gut tun oder nur ein kurzes Strohfeuer sind, das interessiert die Vorstände meistens nicht. Wenn man die Bilanz nüchtern zieht, wird man erkennen, dass dieses kurzfristige Erfolgsdenken das Unternehmen langfristig viel Geld kostet.

(...) Große Menschen haben nie den kurzfristigen Erfolg gesucht. Sie haben Bäume gepflanzt, deren wahre Größe sie nie gesehen haben. Sie haben Kathedralen gebaut, deren Vollendung sie nie erlebt haben. Aber sie haben einen Traum gehabt, der die Zukunft veränderte. Die Früchte ihrer Arbeit haben Generationen nach ihnen geerntet.

 Anselm Grün: Nachhaltigkeit

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Arbeit gehört zum Leben. Wer gerne arbeitet, empfindet Freude oder Befriedigung durch das, was entsteht - aus Ideen oder aus der körperlichen Anstrengung. (...) Etwas zu leisten tut gut.

Aber Arbeit tut nicht gut, wenn sie das Leben ganz und gar bestimmt. Es tut uns nicht gut, wenn wir uns ständig überfordern. Es gibt Menschen, die nur die Arbeit kennen, die keine Zeit mehr haben für Erholung oder für andere Menschen. Wer sich ständig überarbeitet, schadet sich. Stress mag für viele als Statussymbol gelten. Aber die Wahrheit ist: Stress zeigt meistens, dass einer nicht gut mit sich umgehen kann. Es führt ihn nicht weiter, hart gegen sich selbst zu sein und sich an die Überlastung zu gewöhnen.
Wer hart gegen sich selber ist, ist in Gefahr, sein Herz auch gegenüber den anderen zu verhärten. 

Anselm Grün: Sei nicht hart zu dir.

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Oft renne ich im Alltagsstress durch die Welt, ohne zu merken, wie schön sie eigentlich ist. Das folgende Gedicht von Martin Auer erinnert mich daran, etwas genauer hinzusehen. 

Du kannst doch den Weg mit deinen Zehen sehen.
Auch das Wasser und den Wind. Sollst mit deinen Sohlen die Steine berühren, mit ganz nackter Haut. Dann wirst du spüren, dass dir die Erde vertraut.
Spür das nasse Gras unter deinen Füßen und den trockenen Staub.
Lass dir vom Moos die Sohlen streicheln und küssen und fühl das Knistern im Laub.
Steig hinein, steig hinein in den Bach und lauf aufwärts dem Wasser entgegen. Halt dein Gesicht unter den Wasserfall. Und dann sollst du dich in die Sonne legen.
Leg deine Wange an die Erde. Riech ihren Duft und spür, wie aufsteigt aus ihr eine ganz große Ruh.
Und dann ist die Erde ganz nah bei dir. Und du weißt: Du bist ein Teil von allem.
Und gehörst dazu.

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