Manuskripte

SWR3 Worte

Glaube für Unreligiöse

Wie würden Sie einem religionsfernen 25-Jährigen den Kern des Glaubens erklären? Der Zeit Journalist Jan Roß meint:
Ich würde ihm die Frage stellen: "Wie willst du leben und wer willst du sein?" Und ihm versuchen zu zeigen: Religion ist das, was dir ermöglicht, in großen Horizonten und mit größerer Tiefe zu leben. Sie gewährt dir Zugang zu etwas Unausschöpflichem. Sie ist Nahrung gegen die geistige Verkümmerung....
Lass dir deine Unersättlichkeit nicht ausreden! Werde nicht genügsam. Die Suche nach Gott ist Ausdruck einer Menschlichkeit, die sich nicht billig abspeisen lässt.

http://aktuell.evangelisch.de/artikel/83367/jan-ross-wir-brauchen-ein-christentum-das-nicht-labert

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15370

Ich verbringe das Wochenende mit mehreren Freundinnen und einem Haufen Kinder auf einem Bauernhof in der Eifel. Die Kinder spielen auf dem Hof, wir Mütter sitzen in der Sonne und trinken Kaffee.
Als ich mir ein Springseil schnappe und beginne, Seil zu hüpfen, sieht mich plötzlich die zweijährige Valentina, reißt die Augen auf und sagt: „Das darfst du nicht!"
Ich frage: „Warum denn nicht?"
Sie, ganz ernst: „Da bist du noch zu groß für!"

Angela Sinne, Bonn, http://blog.zeit.de/zeit-der-leser/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15369

Die Pfarrerin Sylvia Bukowski hat ehrenamtlich in Sri Lanca gearbeitet. Und dabei viel über die Opfer des Tamilenkrieges erfahren.
Zum Beispiel über Stephen:
Stephen war 15 Jahre alt
und die Nummer 15
im Gefängnis des Militärs.
Jeden Tag mordeten sie einen Menschen
vor seinen blinden Augen.
Jeden Tag sah er
mit sehendem Herzen das Grauen.
„Du bist der Jüngste",
sagten sie ihm,
„Du kommst zuletzt dran."
Als sie Stephen holten
fanden sie in seiner Tasche
ein Bild von Jesus.
Sie ließen ihn gehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15368

Brandanschläge von Rechtsextremisten erschüttern immer wieder die Öffentlichkeit. Heute vor 20 Jahren starb in Solingen eine türkische Familie. Vor wenigen Jahren brannte die Synagoge in Worms. Die Wormser Pfarrerin Erika Mohri erzählt:
Es war ein sehr berührender Moment für mich, als wir am Abend eine Mahnwache vor der Synagoge organisiert hatten und alle zusammen standen.
Die Christen, die jüdische Gemeinde und die Muslime.
Und die Begründung der Muslime hieß:
Dies ist ein Gotteshaus und ein Ort des Gebets. Wenn jemand dieses Haus anzündet, ist das genauso als würde jemand unsere Moschee angreifen. Deshalb stehen wir hier zusammen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15367

Vieles was schief geht an Beziehungen zu anderen Menschen zu meinem Ehepartner, zu Freunden und auch in der Beziehung zu Gott liegt daran, dass wir unsere Verletzungen ausklammern, dass wir sie abkapseln in Enttäuschungen, die wir uns nicht eingestehen.
Uneingestandene Enttäuschungen lassen das Herz erblinden. Wir werden blind im Herzen, weil wir nicht mehr verletzt werden wollen. Du musst bereit sein, dich verletzen zu lassen. Denn das ist die Grundvoraussetzung, um lieben zu können. Und der Mensch, der nicht mehr verletzt werden will, hat aufgehört zu lieben.
Der Geigenbauer Martin Schleske

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Der Schauspieler Markus Majowski, bekannt durch seine urkomische Werbung für das schnurlose Telefon, ist privat nicht immer lustig. Jahrelang hat er gegen seine Alkohol- und Drogensucht gekämpft und darüber ein Buch geschrieben. Darin steht:
Ich tappe mein halbes Leben lang im Dunkeln. Die ganze Mühe, die
ich mir gebe, um Erfolg und Anerkennung zu erlangen, ist für die Katz.
Wahres Glück liegt im Geschmack eines salzigen Windes. Oder im
dankbaren Lächeln eines Menschen, wie zum Beispiel dem von Julius,
meinem Filius!
Oder in der Veränderung, die aus einer Krise erwächst.
Gott hat wirklich alles geschaffen. Und er hat mich und alle anderen
Menschen in sein Licht gestellt. Er hat die Schlüssel zu allem. Alle
Informationen, die ich benötige, schenkt er mir, wenn ich mit ihm in
Resonanz stehe.

Aus. Markus Majowski: Markus, glaubst du an den lieben Gott?
Neukirchener Aussaat, 2013, S. 3

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Martin Schleske ist von Beruf Geigenbauer und was für ihn „Glauben" bedeutet, hat er so zusammengefasst:
Glauben heißt für mich: erlauben. Ich gebe Gott die Erlaubnis, mir etwas zu werden. Ich erlaube Gott, dass er zu mir spricht.
Wenn ich mir das bewusst mache, werde ich richtig aufmerksam und horche in die Welt hinein. Weil ich erlaube, dass mir die Liebe begegnet. Wenn wir in der Liebe sind, werden Dinge zu uns sprechen, werden Menschen zu uns sprechen, werden Situationen zu uns sprechen und Gott wird ständig zu uns sprechen. Weil wir es erlauben durch die Liebe. Das ist das Tor, das sich öffnet.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15364