Manuskripte

SWR3 Worte

Guter Geist
Der Schriftsteller Andrzej Stasiuk über geistlichen Trost:
„Ich habe begonnen, auch an einen Geist zu glauben.
Also nicht an die dummen Gespenster aus Gruselfilmen,
sondern an den guten Geist- wenn man das so sagen kann.
Als meine Großmutter starb, hat ihr Tod mich nicht erschreckt.
Denn ich sah eine schwarze Fahne mit einem Kreuz,
die über der Schwelle ihres Hauses wehte.
Natürlich bin ich Christ,
aber da gehört diese andere, diese geistliche Welt doch dazu.
Ich kultiviere meinen Geistglauben,
aller Modernität oder Postmodernität zum Trotz."

 Andrzej Stasiuk im Gespräch mit Marta Kijowska;
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 58, 09.03.13, S. 40.

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Wer ist eigentlich Jesus? Jan, ein 16jähriger Schüler, meint:
„Jesus Christus ist für mich eine interessante Figur.
Denn jemand, der für die Menschen stirbt
und sie nicht beherrschen will,
ist eine gute Vorstellung.
In anderen Religionen gibt es so etwas nicht.
Wenn man also den friedlichen Jesus
mit zum Beispiel römischen Götterbildern vergleicht,
finde ich Jesus eindeutig besser.
Ich glaube, dass Jesus ein gutes Vorbild ist.
Aber ich kann nicht wirklich glauben,
dass er selber wie ein Gott ist."

Zitiert aus dem Schulbuch „Elf-Zwölf-Religion",
Vandenhoeck&Ruprecht-Verlag, Göttingen 2008, S. 90.

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Der Tod gehört zum Leben dazu, meint der Schriftsteller Andrzej Stasiuk:
„Irgendwann erlebt jeder den Tod von jemandem,
der ihm wirklich nahestand.
Nicht irgendein fremder Mensch,
von dessen Existenz er kaum wusste,
sondern jemand aus deiner eigenen Welt.
Jemand, mit dem du das Leben geteilt hast.
Und das ist der Moment, in dem du merkst:
Aha, nun gehört auch der Tod zum Leben.
Denn der Tod ist in dein Haus gekommen,
in deinen Alltag, eben in dein Leben.
Und zwar nicht mehr als weiße, knochige Gestalt
aus den Märchen, sondern ganz real.
Und du lernst den Tod immer besser kennen."

Andrzej Stasiuk im Gespräch mit Marta Kijowska;
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 58, 09.03.13, S. 40.

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Wie wichtig sind Fairness und ein gerechtes Miteinander?
Der Neurobiologe Joachim Bauer meint:
"Unser Gehirn besitzt einen Fairness-Messfühler.
Menschen, die krass bevorzugt wurden
zeigten im Gehirn keine messbare positive Reaktion.
Stattdessen protestierte das Gerechtigkeitszentrum im Gehirn:
das sogenannte schlechte Gewissen.
Wenn es dann aber doch zu einem fairen Ausgleich kommt,
meldet sich im Gehirn das Glückszentrum.
Also: Kleine Ungerechtigkeiten nimmt unser Gehirn zwar hin,
aber grundsätzlich liebt das Gehirn des Menschen die Fairness."

Joachim Bauer im Gespräch mit Evi Simeoni und Michale Horeni;
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 56, 07.03.13, S. 23.

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Der indische Musiker Ravi Shinkar
hat schon mit den Beatles Musik gemacht. Er meint:
„Musik, Rhythmen und Melodien
sind wichtig für unsere Seele.
Jedes Kind sollte ein Instrument lernen.
Aber nicht am Computer,
sondern von einem Lehrer,
der eine Seele hat und Leidenschaft für Musik.
Ganz wichtig: Musik muss rein bleiben.
Man darf sie niemals mit Drogen mixen.
Das habe ich den Beatles auch immer gesagt,
aber die haben sich nicht immer daran gehalten."

Ravi Shankar im Gespräch mit Andreas Renner;
in: Zeitschrift „Stern" Nr. 51/2012, Gruner&Jahr-Verlag Hamburg, S. 154.

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Die Profi-Tennis-Spielerin Andrea Petkovic hat viel Erfolg in ihrem Beruf. Aber sie hat auch gelernt, ihre Grenzen zu erkennen.
„Früher habe ich mich selber fertig gemacht.
Das geht aber nicht.
So kann ich vielleicht ein Jahr überleben oder zwei,
aber so kann ich nicht zehn Jahre auf der Tour spielen.
Die Verletzungen waren ein Zeichen,
dass ich etwas ändern muss.
Die Knieverletzung war die dritte Warnung und auch die letzte.
Ich denke, dass ich ein falsches Bild von mir hatte.
Ich erwarte nicht mehr so viel von mir,
und ich gebe mir Zeit.
Ich versuche, stabiler zu leben.
Ich will nichts mehr erzwingen.
Und ich bin gespannt, wohin Gott mich führen wird."

Zitiert nach: Doris Henkel, „Die dritte und letzte Warnung" ;
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 56, 07.03.13, S. 23.

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Wie wichtig sind für Sie Kinder?
Moderator Harald Schmidt hat da einen ganz realistischen Blick:
„Ich war bei zwei Geburten dabei.
Es waren die schönsten Momente meines Lebens,
glaube ich jedenfalls.
Und trotzdem bleibt Rotze an Kindernasen eben einfach Rotze.
Aber wenn ich dann im Fernsehen eine Reportage sehe,
wo Bomberpiloten in ihrem Flugzeug-Cockpit
auf dem Computer-Bildschirm das Foto ihres Babys haben
und dann losfliegen und Bomben auf andere Babys werfen -
wenn Sie sich da reinvertiefen,
dann werden Sie doch bekloppt
und müssten sich eigentlich die Kugel geben.
Und tun das dann doch nicht wegen der Kinder."

Harald Schmidt, „Gefühl ekelt mich"; in:
„Was macht das leben lebenswert?", hg.v. Hanns-Bruno Kammertöns u.a., Fischer-Verlag, Frankfurt/M. 2010, S. 209f.

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