Manuskripte

SWR3 Worte

Kriminalkommissar Gunnar Barbarotti trauert um seine gerade verstorbene Ehefrau; sein Therapeut macht einen Vorschlag:
„Ich glaube, Sie müssen versuchen, wieder ganz zu Ihrem Glauben zu finden... Ein halber Glaube ist kein Glaube, zwei Drittel reichen auch nicht."
„... es ist ... nicht vorgesehen, dass ich über so etwas mit meinen Patienten spreche. Aber wenn sie tatsächlich ein Mensch sind, der glauben kann ..., dann sollten Sie sich bedingungslos der Gnade unterwerfen."
„Bedingungslos der Gnade unterwerfen?", wiederholte Barbarotti.
„Ja. Auf eine Kraft vertrauen, die stärker ist als Sie, vertrauen und nochmals vertrauen. ... Aber das ist eine Sache zwischen Ihnen und Gott."

„Als wüssten Sie, wovon Sie sprechen" - eine Krimi-Szene von Håkan Nesser. 

(in: Håkan Nesser, Am Abend des Mordes, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt 2012, S. 153/154).

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15230

Als er noch Bischof in Argentinien war, hat der heutige Papst Franziskus auf den ökumenischen Weg der Kirchen geschaut: als Kirche gemeinsam auf dem Weg zu bleiben, mit allen Unterschieden... Das hat er geschrieben:

Wir fühlen uns als Katholiken und Protestanten heute einander näher, wir leben miteinander, mit den Unterschieden. Man sucht nach einer versöhnten Verschiedenheit...

Ich halte nichts davon, dass man heute in den Kategorien der Einheitlichkeit oder der vollständigen Einheit denkt; vielmehr geht es um eine versöhnte Verschiedenheit, zu der gehört, dass man gemeinsam unterwegs ist, gemeinsam betet und arbeitet und miteinander die Begegnung mit der Wahrheit sucht.

Wie gesagt: Bergoglio, als er noch nicht Papst Franziskus war.

 (in:  Papst Franziskus. Mein Leben, mein Weg, Herder Verlag Freiburg 2013, S. 181)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15229

Schaut beim Loben nicht immer nach oben - auch mal zur Seite: da seht ihr die Pleite ...

"Bleibt der Erde treu!" Das ist der Auftrag von Christi Himmelfahrt. Man kann nicht Christ sein auf Kosten der Erde, sich von ihr absetzen wollen in ein besseres Jenseits. Solche Schleichwege sind Irrwege. Der Himmel liegt nicht über uns, sondern vor uns, als Aufgabe, als Möglichkeit schon hier in dieser Welt. Das heißt nicht, daß wir das Paradies auf Erden erwarten. Der Himmel fällt nicht mit dieser Welt zusammen, heute nicht und in Zukunft nicht. ...

Aber gerade dieser Erde in ihrer Zerrissenheit und Dunkelheit, mit ihren Kalamitäten und offenen Fragen, (dieser Erde) gilt Gottes Verheißung. Darum dürfen wir uns nicht einfach mit den Verhältnissen hier abfinden. Wir müssen alles tun, sie zum Besseren zu verändern. ... (und) in der Treue zu Christus der Erde treu bleiben.

Bischof Franz Kamphaus richtet den Blick auf die Erde - heute, am Himmelfahrts-Tag. 

 (in:  Franz Kamphaus, Zwischen Tag und Nacht. Österliche Inspirationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1998, / hier zitiert nach www.predigtforum.at ).

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15228

Steht nicht da und schaut nach oben, sagen die Engel den Freunden von Jesus - aber wo ist denn der Himmel sonst!? ... 

Als ich ein Kind war,
suchte ich Gott im Himmel hoch oben über den Wolken.
Unverwandt blickte ich ins Licht, das von oben kam.

Als ich heranwuchs,
suchte ich ihn in den Schwestern und Brüdern,
die um mich herum waren.

Als ich in der Mitte des Lebens war,
suchte ich ihn auf den Pisten der Wüste.

Nun, da mein Weg dem Ende zugeht,
genügt es mir, die Augen zu schließen,
und ich finde Gott und den Himmel in mir.

(Der italienische Schriftsteller und Mystiker Carlo Carretto - auf der Suche nach Gott und nach dem Himmel; morgen ist das Fest Christi Himmelfahrt...)

 (zitiert nach Gottes Geist schenkt Leben. Pfingstnovene 2013, herausgegeben von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa; Kardinal-Döpfner-Haus, Domberg 27, 85354 Freising www.renovabis.de © Renovabis, Februar 2013 Abteilung Kommunikation und Kooperation ).

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15227

„Auch ein prominenter Täter darf nicht als Person zerstört werden. Der öffentliche Pranger, den ich im Fall Hoeneß mitunter erlebe, ist auch Ausdruck von Selbstgerechtigkeit - als seien wir anderen grundsätzlich die besseren Menschen."

„Ja, schon (ich habe Mitleid mit Hoeneß). Und mit der Bibel sage ich: Wir müssen zwischen Tat und Täter trennen. Das heißt aber nicht ,Schwamm drüber', sondern zielt darauf, unrechtes Verhalten klar zu benennen."

Zugleich bleibt für Hoeneß „die Zusage Gottes bestehen: Auch als Täter bist Du immer mehr als deine Tat! Diese Erfahrung wünsche ich Uli Hoeneß und uns allen von Herzen." 

Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, warnt vor der öffentlichen „Zerstörung" von Uli Hoeneß.

(in: BILD, Montag, 29.4.2013 - hier zitiert aus KNA - Meldung 130428-89-00026#1).

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15226

Kommissar Barbarotti lehnt sich (im Taxi) zurück und schließt die Augen. Versucht irgendeine Art von Kontakt zum Herrgott zu bekommen und fühlt sich nach einer Weile tatsächlich ein wenig umschlossen. Keiner von ihnen sagt etwas. Gott ist an diesem Nachmittag genau so schweigsam wie Henning  (der Fahrer), aber das spielt keine Rolle. (Gott) weiß, worum es geht, natürlich weiß er das. Das braucht nicht durch die schwergängige Mühle der Formulierungskunst gedreht zu werden.

(Ein Satz aus einem Psalm fällt ihm ein:) Bevor das Wort mir auf der Zunge liegt, weißt du, o Herr, alles, was ich dir sagen will.
Besser so, denkt Barbarotti. Besser so.
Håkan Nesser hat Kommissar Barbarotti nach Lappland geschickt; ein wenig entdeckt der dort auch seine Beziehung zu Gott wieder. Im Taxi...

 (in: Håkan Nesser, Am Abend des Mordes, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt 2012, S. 315/316)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15225

Papst Franziskus hatte ein Vorleben - und einen Blick auf Arbeit und Freizeit und ihre Rolle für die Menschen-Würde... 

Die Muße hat zwei Bedeutungen: Sie kann als faules Nichtstun und als Wohltat verstanden werden. Zusammen mit der Kultur der Arbeit bedarf es einer Kultur der Muße im Sinn einer erfüllenden Tätigkeit.

Oder, anders ausgedrückt: Ein Mensch, der arbeitet, muss sich Zeit für Erholung nehmen, um mit seiner Familie zusammen zu sein, Freude zu haben, zu lesen, Musik zu hören und Sport zu treiben. Aber genau diese Zeit wird langsam vernichtet. Das geschieht schon in großem Maß durch die Abschaffung der Sonntagsruhe.

Jorge Bergoglio - heute Papst Franziskus - macht aufmerksam auf die Vernichtung der Freizeit.

(in: Papst Franziskus. Mein Leben, mein Weg, Herder Verlag Freiburg 2013, S. 38/40)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15224