Manuskripte

SWR3 Worte

Ostermenschen leben aus der Auferstehung.
Gottesbegegnung ist möglich!
Möchten Ostermenschen rufen.
Jede einzelne von uns ist aufgehoben, wertvoll, beim Namen genannt,
kostbar und würdig.
Menschen, die das wissen, die das in die Welt tragen,
werden die Kirche der Zukunft tragen.
Ostermenschen halten für uns alle den Zugang zu Gott offen.
Ostermenschen halten das Wissen davon wach, wie Gott ist.
Ostermenschen wissen auch,
wo Gott ist ...
Unter den Leiden ist Gott verborgen -
und wenn Kirche in Zukunft SEIN will,
dann braucht sie Ostermenschen, die dort hinschauen.
die nicht auf die eigenen Leiden der schwindenden Finanzen und der Alterung schauen,
sondern auf die Leiden Gottes,
denn dort ist die Zukunft verborgen,
weil dort die Glaubwürdigkeit verborgen liegt.

Dr. Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages
(bei einem Frauenmahl in Marburg)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15089

Hannah Ahrend war eine jüdische Philosophin,
sie schreibt darüber, was es bedeutet ein Gegenüber zu haben im Leben:
Könnten wir einander nicht vergeben,
d. h. uns gegenseitig von den Folgen unserer Taten wieder entbinden,
so beschränkte sich unsere Fähigkeit zu handeln
auf eine einzige Tat,
deren Folgen uns bis an unser Lebensende
im wahrsten Sinne des Wortes verfolgen würden;
im Guten wie im Bösen ...
Ohne uns durch Versprechen für eine ungewisse Zukunft zu binden
Und auf sie einzurichten, wären wir niemals imstande,
die eigene Identität durchzuhalten
wir wären hilflos ausgeliefert
verirrt in einem Labyrinth einsamer Stimmungen
aus dem wir nur erlöst werden können durch den Ruf der Mitwelt...
Niemand kann sich selbst verzeihen
und niemand kann sich durch ein Versprechen gebunden fühlen
das er nur sich selbst gibt...

(Vita activa oder Vom tätigen Leben. Piper München 1996)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15088

Was tut wohl die Rose zur Winterszeit?
Sie träumt einen hellroten Traum.
Wenn der Schnee sie deckt um die Adventszeit,
träumt sie vom Holunderbaum,
Wenn Silberfrost in den Zweigen klirrt,
träumt sie vom Bienengesumm,
vom blauen Falter, und wie er flirrt...
Ein Traum und der Winter ist um!
Und was tut die Rose zur Osterzeit?
Sie räkelt sich bis zum April.
Am Morgen, da weckt sie die Sonne im Blau,
Und am Abend besucht sie der Frühlingstau
Und ein Engel behütet sie still.
- Der weiß ganz genau was Gott will!
Und dann über Nacht, wie ein Wölkchen, ein Hauch,
erblüht sie zu Pfingsten am Rosenstrauch.
Mascha Kaleko

(Die paar leuchtenden Jahre. Deutscher Taschenbuch Verlag 2010, 9.Aufl., S. 108)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15087

Als Yves Montand, begleitet von seiner Gattin Simone Signoret, in den Vereinigten Staaten weilte, um mit Marilyn Monroe zu filmen, meldete sich eines Tages telefonisch ein Multimillionär und ersuchte den Künstler, gegen ein Honorar von tausend Dollar auf seiner Geburtstagsparty zu singen. Montand war einverstanden. Und der reiche Mann schloss etwas hochnäsig: „Ich möchte sie nur gleich bitten, Mister Montand, nach ihrer Darbietung mein Haus wieder zu verlassen. Es ist in meinen Kreisen nicht üblich, mit Leuten von der Bühne oder vom Film zu verkehren."„Das ändert natürlich die Sachlage", antwortete Yves Montand.
„Wenn ich nicht gezwungen bin mich mit Ihren Gästen zu unterhalten, will ich mich gerne mit 500 Dollar begnügen..."

(Riskier was Mensch! 7 Wochen ohne Vorsicht, edition chrismon, 21.2.2013)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15086

Religionskritiker sagen:
die Frommen sehen die Wirklichkeit nicht
Aber: macht Glaube wirklich blind?
Der Journalist Jan Roß meint:
Der Glaube sieht nicht weniger sondern mehr.
Es ist mit ihm wie mit der Liebe.
Auch von ihr heißt es dass sie blind macht
Und in gewisser Weise trifft das zu.
Doch letztlich in einem tieferen Sinn ist es umgekehrt:
Die Liebe macht sehend,
sie entdeckt was der Gleichgültigkeit ewig verborgen bleibt;
nur dem liebevollen Blick enthüllt sich das Wesen des Menschen.
Die Liebe kann sich täuschen,
aber die Lieblosigkeit ist die fundamentalere Unwahrheit:
eine Welt ohne Licht, seelische Finsternis.
So wäre auch die Religion in ihrem Kern kein Weniger-,
sonder ein mehr-Sehen,
eine Offenheit für Überraschung und Geheimnis,
ein komplexerer Begriff von Wirklichkeit.
Wie der Unterschied von ... Schwarzweiß und Farbe.

(Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird. Rowohlt 2013, S. 19-20)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15085

Die Liebe kann Menschen verändern - als wäre es ein neues Leben
So erzählt es der Philosoph Khalil Gibran:
Gestern, meine Geliebte, stand ich allein auf dieser Welt
Und mein Alleinsein war erbarmungslos wie der Tod.
Ich glich einer Blume,
die im Schatten eines mächtigen Felsens wächst...
Doch heute erwachte meine Seele
Und ich sah dich an meiner Seite stehen.
Ich stand auf und ward beglückt;
Gestern schien die Berührung der Luft rau zu sein.
Und die Strahlen der Sonne wärmten nur schwach;
Ich schaute mich überall um
doch sah ich nichts als mein eigenes Leid.
Heute erscheint die Natur in Licht gebadet
Und die Nebel sind verschwunden.
Wohin ich auch blicke sehe ich
die Geheimnisse des Lebens offen vor mir liegen.
Gestern war ich ein tonloses Wort
Im Herzen der Nacht
Heute bin ich ein Lied auf den Lippen der Zeit.

(Das große Osterbuch. Hrg Günter Stolzenberger, dtv München 2013, S.158) 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15084

Ich hege den kindischen Wunsch ewige Ostern zu genießen.
Ich möchte eine unaufhörliche Kette von Auferstehungen erleben.
Und den tröstenden Gesang der Osterglocken in einen Dauerchoral verwandelt wissen.
Ich möchte ein ganzes Leben lang sehen, wie die schüchternen Knospen der Weidenruten ihre Miederleibchen sprengen und wissen, dass morgen oder übermorgen die weißen Kastanienkerzen sich entzünden und der goldene Goldregen zu blühen anfängt dem die Sonne ihre glühende Farbe verleiht.
Ich wünschte, dass die große Natur eine Ausflugsgegend bliebe.
Dass die Büsche an den Zäunen die Verbotstafeln verhüllten, die uns das Betreten der schönsten Wege unmöglich machen.
Ich weiß dass eine Anzahl Menschen so lebt, als gäbe es immer Ostern und dass es ihnen gut geht. Sie haben den ewigen Glockenklang in den Ohren. Sie kümmern sich nicht um Verbotstafeln...
Wunderbar ist die Legende von der Auferstehung der Lebendigen...
Der Schriftsteller Joseph Roth

(Das große Osterbuch. Hrg Günter Stolzenberger, dtv München 2013, S.162)

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