Manuskripte

SWR3 Worte

Mir ist beim Umzug ein großes Kruzifix heruntergefallen,
und der eindrucksvolle Corpus aus Ton
(ist) zersplittert, nicht mehr restaurierbar.
Nun, habe ich nach einem ersten Schock gedacht:
dann hängt eben in Zukunft keiner mehr dran,
dann eben nur noch die leeren groben Balken,
- dann ist eben jetzt Ostern...

(Winfried Pilz, Crucifixus - ein durchkreuztes Weltbild)

(in: Apropos Credo, Düsseldorf 1982, Verlag Haus Altenberg, S. 40)

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sie grinsten
ER
hatte nichts
zu lachen

sie wuschen
sich in unschuld
die hände
IHM
stand das wasser
bis zum hals

sie standen
mit beiden beinen
auf der erde
ER
hing in der luft

sie bezahlten
aus der westentasche
und gingen
ER
bezahlte mit seinem leben
und blieb

sie waren
heil froh
ER war
tot traurig

sie sind tot
ER lebt

 

Der Priester und Dichter Wilhelm Willms
stellt den Karfreitag vor zweitausend Jahren neben selbstverständliches Leben heute...

(in: lichtbrechung - geistliche lyrik, Kevelaer - Butzon&Bercker 1982 - S. 138)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15003

Eine alte ... Frau kam auf mich zu, weit über achtzig. Ich habe sie angesprochen: „Großmutter, ... wollen sie etwa beichten?" - „Ja" - „Aber sie haben doch nicht gesündigt." - „Wir haben alle gesündigt." „Aber vielleicht vergibt Gott Ihnen nicht?" - „Der Herr vergibt alles, ganz sicher," hat sie  gesagt. „Aber woher wissen sie das, meine Dame?" - „Wenn Gott nicht alles vergeben würde, gäbe es die Welt nicht mehr."

Fast hätte ich sie gefragt, ob sie in Rom (Theologie) ... studiert hat. Denn das ist die Weisheit des Heiligen Geistes: Die innere Weisheit von Gottes Barmherzigkeit. Vergessen wir das nie: Gott wird nie müde, zu vergeben. „Eh, Pater, was ist dann das Problem!?"

Papst Franziskus erzählt aus seinem früheren Leben - und von Gottes Liebe und Barmherzigkeit...

(in: Angelus am 17.3.2013 - radiovaticana.va - in eigener Übersetzung

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... als ... der Papst gewählt war... umarmte, küsste (mein Nachbarkardinal) mich und sagte mir: „Vergiss die Armen nicht!"
Und da setzte sich dieses Wort in mir fest: die Armen, die Armen.
Dann sofort habe ich ... an Franz von Assisi gedacht. Dann habe ich an die Kriege gedacht... Und Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen: Franz von Assisi. Er ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. Gegenwärtig haben auch wir eine nicht sehr gute Beziehung zur Schöpfung, oder?
(Franziskus gibt) uns diesen Geist des Friedens ..., (er ist) der Mann der Armut. ... Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!

Der frühere Kardinal Bergoglio erzählt, wieso er sich als Papst den Namen Franziskus gegeben hat - ein Zeichen für eine neue katholische Kirche?!

(in: Copyright 2013 - Libreria Editrice Vaticana)

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Am dritten Tag im Amt hat Papst Franziskus die Journalistinnen und Journalisten empfangen
und ihnen für Ihre Arbeit gedankt.
Am Schluss sollte er ihnen eigentlich den Segen geben -
aber da steht er vor Menschen mit anderer oder ohne Religion;
der Papst nimmt einen anderen Weg. Das hat er gesagt
:

Von Herzen gern würde ich Ihnen meinen Segen geben.
Da aber viele von Ihnen nicht der katholischen Kirche angehören
und andere gar nicht gläubig sind,
segne ich von Herzen und in Stille jeden von Ihnen
mit Respekt vor dem Gewissen jedes einzelnen,
aber im Wissen,
dass jeder von Ihnen ein Kind Gottes ist.
Gott segne Sie.

... und dann ist er gegangen, ohne das Kreuzzeichen über alle zu machen.

(in: Copyright 2013 - Libreria Editrice Vaticana)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15000

Für mich bedeutet apostolischer Mut ein Säen, das Wort säen. Es jenem Mann oder jener Frau vermitteln, für die es gegeben ist. Ihnen die Schönheit des Evangeliums geben, das Staunen der Begegnung mit Jesus ... und zulassen, dass der Heilige Geist den Rest macht.

Die frühen Theologen haben gesagt, dass die Seele wie eine Art Segelboot ist und der Heilige Geist der Wind, der in die Segel bläst, um das Boot voranzutreiben. Die Impulse und Windschübe sind die Gaben des Geistes. Ohne sein „Anschieben", ohne seine Gnade kommen wir nicht voran.

 

Jorge Mario Bergoglio, damals Erzbischof von Buenos Aires,
heute Papst Franziskus - über den Heiligen Geist, der weht wo und wohin er will

(in: Was ich beim Konsistorium gesagt hätte)

(in: Meldung KNA vom 14.3.2013, 12:21 h)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14999

Heute, am Palmsonntag, reitet Jesus auf einem Esel nach Jerusalem hinein - wie die Liebe in diesem Gedicht von Eva Zeller.

Die Liebe ist lächerlich
Sie reitet auf einem Esel / über ausgebreitete Kleider
Man soll sie hochleben lassen / mit Dornen krönen
und kurzen Prozeß mit ihr machen
... Eine Klagesache von Weltruf ...

Sie stellt sich nicht ungebärdig / sondern quer zur Routine der Machthaber
Die Behauptung / sie ließe sich nicht verbittern
hat sie im Selbstversuch / eindrücklich bestätigt
Sie ballt nicht die Faust
Sie steigt nicht herab
Sie hilft sich nicht selbst
Sie dient als Kugelfang

Nun aber bleibt
Glaube Liebe Hoffnung / diese drei
Aber die Liebe / ist das schwächste
Glied in der Kette
die Stelle / an welcher
der Teufelskreis / bricht

 (in: „Nach Erster Korinther 13": Eva Zeller, Sage und Schreibe. Gedichte, DVA Stuttgart 1971 S. 68-78 - hier zitiert nach Riskier was, Mensch!, Sieben Wochen ohne Vorsicht. edition chrismon, 2013, S. 47).

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14998