Manuskripte

SWR3 Worte

Der Schauspieler und Familienvater Moritz Bleibtreu erzählt, wie sein 4- jähriger Sohn ihm dabei hilft, ein guter Vater zu sein.
Kürzlich hatten wir eine typische Situation. Sein T-Shirt war nass, er sollte es ausziehen, aber das wollte er natürlich nicht. Ich stand davor und dachte: Alter, das kann doch nicht wahr sein! Aber als ich ihm in die Augen guckte, verstand ich ihn... Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel schlauer ist, mit ihm über die Sache zu reden - ungefähr so: "Zeig mal das T-Shirt, das ist ja voll nass. Merkst du das am Bauch? Ist das kalt? Was können wir denn jetzt machen?" Dann findest du innerhalb von 20 Sekunden eine Lösung.

Chrismon, 02.13, Das Hansische Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main. S. 36

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Der mischt sich in mein Privatleben ein.
Der Schauspieler Axel Milberg, der den Tatort-Kommissar Borowski spielt über den Tod:
Ich würde am liebsten auf einem Flughafen sterben. Unterwegs, sozusagen auf dem Sprung. Ich leide unter der Vorstellung, dass wir sterben müssen, ich empfinde das als Einmischung ins Privatleben. Vor allem aber ist der Tod eine Mahnung, das Leben zu genießen: Lass nichts anbrennen! Liebe! Packe zu! Wähle den anstrengenden Weg statt den Leichten. Geh ein Risiko ein.

Chrismon 01.13, Das Hansische Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main. S. 42

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Gott ist ein Gentleman, ein geduldiger
Der Krimiautor Haakan Nesser über seinen Glauben:
Glauben ist eine Art Kampf. Es ist anstrengend und kostet Energie. Man glaubt Dinge, die man nicht prüfen kann, deshalb kann man sich dabei auch nie sicher sein. Das bringt einen immer wieder ins Grübeln. Aber Gott hat zum Glück Geduld. Er übt keinen Druck aus. Auch wenn man nicht glaubt, drängt er einen nicht. So ist Gott eben, wie ein Gentleman, der warten kann.

Chrismon 10.12, Das Hansische Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main. S. 43

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Eine andere Art der Selbstwahrnehmung
Es treffen sich zwei reiche Damen. "Wie geht es Ihnen und was macht eigentlich ihr Sohn?" "Oh, mir geht es gut und mein Sohn ist Rechtsanwalt in einer der größten Kanzleien der Stadt. Er verdient viel Geld und kümmert sich rührend um mich. Er ruft mich jede Woche an und erfüllt mir alle meine Wünsche!
Und wie geht es Ihnen? Was macht denn Ihr Sohn so?"
"Oh, mir geht es auch sehr gut, und mein Sohn ist ein richtiger Lebenskünstler. Er geht zweimal die Woche zum berühmtesten Psychiater der Stadt. Und was meinen Sie, worüber er für einhundert Dollar die Stunde mit ihm spricht: über mich!"

Aus Axel Kühner, Ein Lächeln macht die Runde, Neunkirchener Verlagsgesellschaft 2011, S. 61

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Doofe Erfahrungen helfen zum Fingerspitzengefühl
Wir sprechen einzelnen Menschen zu, "Gespür" zu haben: Ein soziales Gespür, ein Gespür für die Zeit, für Unscheinbare Kleinigkeiten, die von großer Bedeutung sind.
Bei Menschen, denen viel Gespür nachgesagt wird, fällt eines auf: Dass sie reich an Erfahrung sind. Es kommt also darauf an, Erfahrungen offensiv aufzunehmen und sie nicht etwa zu fliehen. Selbst wenn es sich um schlechte oder schmerzliche Erfahrungen handeln sollte, und sogar dann, wenn Dummheiten gemacht werden, kommt dies letztendlich dem Gespür zugute.
Der Philosoph Wilhelm Schmid

Schmid, die Fülle des Lebens S. 165, Inselverlag Frankfurt am Main und Leipzig, 2006.

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Das macht man nicht - lieber lachen
Wie kann man Krieg verhindern? Lotta, acht Jahre alt, meint:
Man muss den Leuten sagen: Mit einem Krieg macht ihr die ganze Welt kaputt, und das ist gar nicht gut! Wenn sich die Chefs der Länder mal streiten, dann müssen die sich eben immer wieder vertragen. Manchmal, wenn meine Freundin Smilla und ich uns zanken, dann passiert kurz darauf durch Zufall was Witziges. Dann lachen wir beide und sind wieder Freunde. Wenn nichts Lustiges von selbst passiert, erzähle ich ihr einen Witz: Dick und Doof gehen zum Bäcker. Doof wartet draußen. Dick geht rein und sagt: ich möchte bitte hundert Brötchen. Der Verkäufer sagt: Sind sie doof? Und Dick anwortet: Nein, Doof wartet draußen vor der Tür.

Chrismon 10.11, S. 22, Das Hansische Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main.

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Bankrott war schon immer
Man befürchtet im Augenblick nichts mehr als den totalen Bankrott, dem, wie es scheint ganz Europa entgegengeht. Darüber vergisst man aber die weit gefährlichere Zahlungsunfähigkeit in geistiger Hinsicht, die vor der Tür steht.
Zitat aus dem Jahr 1836, von Sören Kierkegaard Theologe und Philosoph

Sören Kierkegaard, Geheime Papiere, Eichborn Verlag 2004, S. 5

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