Manuskripte

SWR3 Worte

Ein erfolgreicher Geizhals quält sich
es geht ihm richtig schlecht.
Die Ärzte sagen zwar wenig,
aber der Krankenhausseelsorger versteht ihre ernsten Blicke,
der Mann liegt im Sterben.
Er nimmt sich Zeit ihm zuzuhören
„Ach," stöhnt der, „könnte ich doch mein Geld dorthin mitnehmen
wohin ich jetzt gehe."
Der Pfarrer schüttelt den Kopf.
„Ich fürchte es wird schmelzen..."

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14752

„Nee, Tabletten gegen Erkältung nehme ich nicht.
Ich war schon mit 10 Jahren psychisch krank.
Ich kenne alle Medikamente.
Ich hab mich manchmal quasi davon ernährt.
Jetzt halt ich einfach mal was aus
Und will möglichst normal leben.
Aber ohne Job geht das nicht,
deswegen hab ich mich beworben.
Ist mir egal ob ich nur ganz wenig verdiene
Dann mach ich eben zwei oder drei Jobs.
Ich hab schon Angebote,
Regale einräumen und so ein Telefonjob
Und im Lager
Und wenn ich das Alles mache,
dann kann ich mir sogar wieder eine eigene Wohnung leisten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14751

Immer wieder haben wir Sie dazu aufgefordert
Bewährtes außer acht zu lassen und Alltag mal ganz anders aufzuziehen.
Dieses Jahr, so mag der ein oder die andere meinen
Haben wir's wirklich übertrieben.
„Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht"
das klingt wie der Auftrag
zu Leichtsinn und Rabaukentum.
Wir wissen uns damit aber in bester Gesellschaft.
In der Bibel wimmelt es von unvorsichtigen Männern und Frauen.
Da sind Leute die von jetzt auf gleich Job, Haus und Hof verlassen,
mittellose Witwen die reichen Richtern auf den Wecker gehen,
und ein unstudierter Wanderprediger,
der es sich mit Staat und Klerus gleichzeitig verscherzt.
Wir laden Sie ein, sich von den Hasardeuren der Bibel
inspirieren zu lassen.
Einmal freihändig balancierend etwas Neues ausprobieren
Ein offenes Wort wagen und  ...Streit riskieren
Festhalten an dem, was ihnen wichtig ist

(7 Wochen ohne Vorsicht. Riskier was, Mensch! Die Fastenaktion der evangelischenKirche 13. Februar bis 31. März 2013, ecition chrismon, Hansisches Druck und Verlagshaus, Vorwort)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14750

Es geschieht nichts Neues und Besonderes
ohne eine gewisse Naivität und die Bereitschaft,
am Schluss dumm dazustehen.
Wer liebt, macht sich verwundbar;
Wer dichtet, kann zerrissen werden;
Wer für die Freiheit kämpft,
wird vielleicht ein Paar Jahre nach dem Sieg
über Diktatur und Fremdherrschaft
auf ein korruptes Land blicken und sagen müssen:
Es hat sich nicht gelohnt.
Uncoolness ist das Herz des Großen und Guten.
Und die Religion ist der Gipfel der Uncoolness,
der Inbegriff der Blamage- und Enttäuschungsmöglichkeit:
Was, wenn es keinen Gott gibt,
wenn er das Gebet nicht erhört
wenn mit dem Tod doch alles aus ist
und das ewige Leben nicht stattfindet?
Es ist eine Wette und sie kann verloren werden.
Aber eine Menschheit,
die solche Wetten nicht mehr abschließt,
die nicht mehr Kind sein will
und auf keine Fall Don Quijote, wird arm, eng und kalt.

Jan Roß
(Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird, Rowohlt 2012, S15-16)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14733

Schwimmen zwei junge Fische des Weges
Und treffen zufällig einen älteren Fisch,
der in die Gegenrichtung unterwegs ist.
Er nickt ihnen zu und sagt:
„Morgen, Jungs.
Wie ist das Wasser?"
Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter,
und schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt:
„Was zum Teufel ist Wasser?"

David Foster Wallace
(Das hier ist Wasser. Kiepenheuer und Witsch, 2012, S. 9)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14748

Der Herr hat mich erhört,
auf ihn baue ich mein Leben lang.
Darum will ich nicht mehr dumm ins Dasein dösen
Und so stumm sein wie ein Fisch.
Der hat mich geführt, er hat geholfen.
Darum will ich seinen Namen preisen
und groß an den Himmel schreiben.
Du hast meine Klage verwandelt in Melodie und Tanz.
Denn aus der Tiefe rief ich zu dir,
und du hast mich aus der Tiefe gezogen.
Du hast meine Hoffnungslosigkeit verwandelt
In eine grenzenlose Zuversicht.
In deiner Güte hast du mich beschützt
Und niemand kann mir etwas antun.
Du bist mein Gott
auf dich kann ich mich verlassen.
Hanns Dieter Hüsch

(Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alletage, tvd-Verlag Düsseldorf, 1996, S.33)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14747