Manuskripte

SWR3 Worte

Schweigend saß der alte Indianer mit seinem Sohn am Lagerfeuer. Die Bäume standen wie dunkle Schatten, das Feuer knackte und die Flammen züngelten in den Himmel. Nach einer langen Weile sagte der Sohn:
„Manchmal fühle ich mich als ob zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere aber ist liebevoll, sanft und mitfühlend." Welcher der beiden wird den Kampf um mein Herz gewinnen?", fragte der Sohn. „Der den Du fütterst", antwortete der Alte.

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Freunden kann auch mal der Kragen platzen, wenn sie mit dir reden, aber nur weil ihr Herz für dich bis zum Halse schlägt.
Freunde stört es nicht, bei dir fernzusehen, auch wenn du schon längst ins Bett gegangen bist.
Freunde kämpfen für Dich nächtelang im Gebet und sagen dir: „Ich habe neulich an dich gedacht!"
Freunde möchten deine Welt kennen lernen und entdecken immer neue Erdteile.
Freunde erleben dich mit verklebten Augen, ungewaschenen Haaren und sehen dahinter deine Einzigartigkeit und Schönheit.
Freunde können es sich leisten, bei einem Witz den du erzählst, nach der Pointe zu fragen.
Bei Freunden kannst du nachts um halb drei klingeln und sie fragen dich: „Kaffee oder Tee?"
Freunde reden manchmal blödes Zeug, weil sie wissen, dass du keine Goldwaage im Keller hast.
Freunde kennen sich nicht in deiner Brieftasche aus, dafür aber in deinem Kühlschrank.
Freunde machen es ähnlich wie Gott: sie mögen dich so wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich verändern kannst. 

Echte Freunde von Albrecht Gralle

 

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Zum Valentinstag ein Liebesgedicht von Erich Fried:

Dich

Dich nicht näher denken
dich denken wo du bist
weil du dort wirklich bist

Dich nicht älter denken
nicht größer nicht kleiner
nicht hitziger und nicht kälter

Dich denkenund mich nach dir sehnen
dich sehen wollen und dich liebhaben
so wie du wirklich bist

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Der einzige Überlebende eines Schiffsunglücks wird an den Strand einer einsamen und unbewohnten Insel gespült. Tag für Tag hält er Ausschau nach Rettung - vergeblich. Schließlich baut er für sich und seine wenigen Habseligkeiten eine kleine Hütte aus Holz. Eines Tages aber geht seine Hütte in Flammen auf. Nun hat er alles verloren, er schreit und klagt vor Ärger und Verzweiflung. Am nächsten Morgen hört er ein Motorboot. Er springt auf, und tatsächlich, man will ihn retten: „Woher wusstet ihr, dass ich hier bin?", fragt er glückstaumelnd seine Retter. „Wir haben Ihr Rauchsignal gesehen." 

Alles verloren? - von Imre Kertész

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Lebe, als gäbe es kein Morgen.
Es gibt so viel zu Entdecken, strecke einfach die Arme aus, und versuche es zu greifen. Mache die Augen auf, und versuche es zu sehen. Atme ein und aus, und versuche es zu riechen.
Machen deine Ohren auf und versuche es zu hören.
Versuche es zu fühlen, es zu genießen.
Jede einzelne Sekunde des Tages, ist etwas Besonderes, und die aller kleinste Sache, kann einen glücklich machen.
Du musst nur daran glauben, es versuchen zu greifen und  schaffen es festzuhalten - und es ist für immer dein.
Lebe, als gäbe es kein Morgen, denn alles was wir haben, ist genau hier und jetzt.

Selena Gomez - Lebe als gäbe es kein Morgen

http://www.superweb.de/anntonia/leben,_als_gebe_es_kein_morgen/index.htm

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Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sind weiß Gott zwei paar Stiefel: die folgende Geschichte zeigt das beim Thema Älterwerden:

„Als ich das erste Mal im Wartezimmer meines neuen Zahnarztes saß, sah ich auf einer Urkunde an der Wand seinen vollständigen Namen. Ich erinnerte, dass ein schlanker, fleißiger Junge gleichen Namens vor gut 30 Jahren in meiner Klasse war. Doch als ich den Arzt sah, verwarf ich diesen Gedanken. Dieser glatzköpfige Mann mit den tiefen Falten war viel zu alt um in meiner Klasse gewesen zu sein. Nachdem er meine Zähne untersucht hatte, fragte ich ihn trotzdem, ob er das örtliche Gymnasium besucht hätte. „Ja", antwortete er. „Wann haben Sie Abi gemacht?" fragte ich weiter. „1972, warum?" fragte er zurück.

„Sie waren in meiner Klasse." sagte ich. Er betrachtete mich aufmerksam und fragte: "Und was haben Sie unterrichtet?"

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Das richtige Maß zwischen Nehmen und Geben zu finden ist eine zeitlose Kunst. Vor rund 900 Jahren hat der heilige Bernhard von Clairvaux einem Freund folgendes geraten: 

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal. Denn der Kanal empfängt und gibt fast gleichzeitig weiter. Aber die Schale wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen ...Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss ... Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.  Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich."

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