Manuskripte

SWR3 Worte

Abbas Joseph fragte Abbas Nisteroos: „Was soll ich mit meiner Zunge anfangen? Ich kann sie einfach nicht beherrschen! "Der Alte antwortete:" Hast du Ruhe, wenn du redest?" Auf das Nein des anderen sagte er: „Wenn du keine Ruhe hast, was redest du dann? Schweige doch lieber. Und wenn es zu einem Gespräch kommt, dann höre zu!"
Die Wüstenväter: Sag mir ein gutes Wort. Gedanken für jeden Tag. Ausgewählt und

herausgegeben von B. Müller OSB, Topos: Kevelaer 2012, 58

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14551

Wenn jemand die Kleider eines anderen stiehlt, nennen wir ihn einen Dieb. Sollten wir nicht auch den einen Dieb nennen, der die Nackten kleiden könnte und es nicht tut? ... Der Mantel, der unbenutzt in deinem Schrank hängt, gehört dem, der ihn braucht; die Schuhe, die in deinem Schrank vermodern, gehören dem, der keine Schuhe hat; das Geld, das du anhäufst, gehört den Armen. 

Basilius der Große (*330 - †379)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14550

Gleichheit ist Glück. Und Geld allein macht nicht glücklich. Das haben die Forscher Kate Pickett und Richard Wilkinson jetzt nachgewiesen. Besitz muss einigermaßen gerecht verteilt sein, erst dann sind auch die mit dem vielen Geld glücklich. Je ungleicher der Wohlstand verteilt ist, desto schlechter geht es allen, nicht nur den Habenichtsen, sondern auch den Überfluss-Habenden. Sie sind kränker, depressiver, haben größere Ängste, nehmen sich in höherer Zahl das Leben als in egalitären Gesellschaften. 

Silke Niemeyer, Selig sind die Gleichen, in: Publik-Forum Dossier „Gefährlicher Reichtum", Publik-Forum Nr. 21 vom 09.11.2012, Publik-Forum Verlagsgesellschaft, Oberursel, S. 6

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14549

Wir sind wie kommunizierende Röhren. Wir sind wie Quellen von Licht. Wir sind wie Wärmequellen. Gemeinsam stärken wir uns durch das Gute, gegenseitig ersticken wir uns durch das Böse. Also hängt von deiner Heiligkeit die Heiligkeit der Menschen ab, die mit dir verbunden sind. ... Wie stark ist das Licht in dir? Wie groß der Kreis der Menschen, die aus deiner Wärme schöpfen? ... Du willst dich von deiner Größe überzeugen? Schau auf die Menschen, die neben dir leben.

 Mieczysƚaw Malinski, Brot für jeden Tag, Herder: Freiburg 1976, 168

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14548

Das Teuerste für jeden Menschen ist die Zeit. Und um nichts zittern wir so wie um die Zeit. Und mit nichts sparen wir gegenüber anderen so wie mit der Zeit.  Und es gibt kein größeres Geschenk, das wir einem anderen geben können, als die Zeit. Einem anderen Menschen Zeit widmen, das heißt versuchen, in ihn hineinzuhören, ihn zu verstehen, ihm zu helfen - teilzunehmen an seinem Leben.

Maß für die Klugheit eines Menschen ist es, wie er seine Zeit einteilt. Maß für die Liebe ist es, wie er einem anderen Menschen seine Zeit schenkt. 

Mieczysƚaw Malinski, Brot für jeden Tag, Herder: Freiburg 1976, 174f

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14547

Wenn du auf keine Kritik stößt, so beweist das noch nicht, dass du vollkommen und unfehlbar bist. Es kann nur davon zeugen, dass die Menschen nicht den Mut haben, dir gegenüber Kritik zu äußern, weil sie sich überzeugen mussten, dass du sie nicht annimmst. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass du dich für vollkommen und unfehlbar hältst. Wenn niemand dir mahnende Worte sagt, so heißt das: Es steht sehr schlimm um dich.

 Mieczysƚaw Malinski, Brot für jeden Tag, Herder: Freiburg 1976, 117

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14546

Wo endet Erholung und beginnt Trägheit?
Wo endet Standhaftigkeit und beginnt Starrsinn?
Wo endet Wahrheitsliebe und beginnt Naivität?
Wo endet Kritik und beginnt Boshaftigkeit?
Wo endet Loyalität und beginnt Kriechertum?
Wo endet Geradheit und beginnt Brutalität?
Wo endet Güte und beginnt Schwäche?
Das ist der Zwiespalt, der dein tägliches Brot ist. 

Mieczysƚaw Malinski, Brot für jeden Tag, Herder: Freiburg 1976, 96

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14545