Manuskripte

SWR3 Worte

Dir nahe sein und mich doch nicht verlieren
Mich dir hingeben aber mich nicht aufgeben
Von dir gehalten sein und dich doch nicht festhalten
Dir verbunden sein und doch Freiheit atmen
In dir geborgen sein und doch auf dem Weg bleiben
zu dir gehören aber dich nicht besitzen
Dich lieben und doch lassen
Weggefährte bei der Suche auf Heimat hin. 

Andrea Schwarz, Mit dir auf dem Weg, in: Auf all unseren Wegen. Worte, die begleiten, Hg. v. S. Müller u. U. Sander, Herder: Freiburg 2008, 39

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Es gibt ein Gedächtnis, das hängt mit dem Kopf zusammen. Der eine behält leichter, der andere vergisst schneller. Und es gibt ein Gedächtnis, das hat viel tiefere Wurzeln. Die Wurzeln dieses Gedächtnisses sitzen im Herzen. Das Gedächtnis des Herzens heißt Dankbarkeit. Danken heißt erkennen, was dir alles Gutes getan wird.

 Phil Bosmans, Das Gedächtnis des Herzens, in: Jeder Tag ist ein Geschenk. Atempausen für die Seele, Herder: Freiburg 2011, 59

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Zwei Brüder lebten lange zusammen in der Wüste, aber sie hatten fortwährend Streit. Da sagte der eine: „Wie lange wollen wir so weitermachen?" Darauf der andere: „Tu mir einen Gefallen: Ertrage mich, wenn ich dir auf die Nerven falle! Und wenn du mir auf die Nerven fällst, will ich dich auch ertragen."  So taten sie und lebten den Rest ihres Lebens in Frieden. 

Die Wüstenväter: Sag mir ein gutes Wort. Gedanken für jeden Tag. Ausgewählt und herausgegeben von B. Müller OSB, Topos: Kevelaer 2012, 40

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Auf die Fragen: „Wie kann ein Mensch Gott finden? Durch Fasten? Durch Werke? Durch Wachen? Durch Barmherzigkeit?" antwortete ein Altvater: „Mit Hilfe all dieser Dinge, vorausgesetzt, sie sind mit Einsicht und Discretio verbunden, sonst geht man leer aus. Unser Mund trieft vor Gebeten, und unsere Haut dörrt vor Hunger, und mit dem Mund sagen wir die ganzen Psalmen Davids her, aber das, was Gott verlangt und was notwendig ist, das haben wir nicht, nämlich: ein gutes Wort füreinander." 

Die Wüstenväter: Sag mir ein gutes Wort. Gedanken für jeden Tag. Ausgewählt und herausgegeben von B. Müller OSB, Topos: Kevelaer 2012, 31

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Am schlimmsten wird Gott ... nicht durch antireligiöse Hetzer beleidigt, sondern durch jene, die ausgerechnet im Namen Gottes Gewalt ausüben, Menschen quälen oder vernichten. Die übelste Blasphemie kommt seit jeher von innen, von dort, wo es die „frömmsten" Gottesverteidiger, die dafür zum Gottesterror greifen, nicht vermuten.

Johannes Röser, Wehret den Anfängen, in: „Christ in der Gegenwart" Nr. 39 (2012) vom 23.09.2012, Verlag Herder: Freiburg, 428

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Erst wenn wir Geld nicht mehr als Tauschmittel, sondern als Medium eines sozialen Netzwerks begreifen, werden wir mit seinen Möglichkeiten angemessen umgehen. Dann könnte sich zeigen, dass die drei Gs - Geld, Gemeinschaft, soziale Gerechtigkeit - die moderne Form der Dreieinigkeit sind. 

Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, in: „Die Tageszeitung"  vom 1./2.9.2012, taz Verlags- und Vertriebs GmbH Berlin, 26

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Ich  bin immer ein wenig traurig, wenn man sagt: Es gibt keine andere Lösung als Gewalt. Ich glaube, es gibt eine Alternative: Gerechtigkeit. ... Gerechtigkeit, das heißt vielleicht auch dem zuzuhören, was die Globalisierungsgegner zu sagen haben, die zeigen, dass eine andere Welt möglich ist und dass es nicht sein darf, dass einige wenige das Schicksal der Welt bestimmen. ... Wir leben in einer Kultur der Herrschaft. Schon in der Grundschule bringt man uns bei, dass nur der Stärkere gewinnt: derjenige, der die anderen ausschaltet. Darum muss man immer der Erste sein. Ich halte das für den falschen Weg. Man kann nicht gewinnen, indem man andere zerstört. So fabriziert man nur Verlierer. 

Bischof Jaques Gaillot, in: WahlBekanntschaften. Stephan Wahl im Gespräch mit Menschen aus Showbuisness, Politik und Gesellschaft auf der Suche nach dem Sinn, Hg. von Norbert Sommer, Wichern-Verlag: Berlin 2002, 36

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