Manuskripte

SWR3 Worte

Was haben Kinder den Erwachsenen voraus? Auch wenn sie enttäuscht werden, lassen sie nicht locker. Sie wollen geliebt werden und lieben dürfen. Und Erwachsene? Der Geigenbauer Martin Schleske meint:
Wir geben uns weltklug, abgeklärt, verblendungsfrei, ernüchtert.
Weil wir das Wesentliche verloren haben: die Fähigkeit, uns allen Widrigkeiten zum Trotz, der Liebe anzuvertrauen.
Der Liebe, von der wir kommen, aus der wir leben und in die ...wir unser Leben ....am Ende zurückgeben werden.
Wenn ich die Erfahrungen mit meinen Kindern zusammenfassen will, dann wäre es wohl die Erkenntnis:
Kinder lassen sich selbstverständlich lieben!
Das ist ihr Kind sein. Darin sollen sie uns zum Vorbild werden. Die Wahrheit Jesu soll uns...provozieren...
Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen (Mt 18,3.)

Martin Schleske, Der Klang, vom unerhörten Sinn des Lebens, Kösel Verlag 2012, S.54

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Sylvia Bukowski, Pfarrerin aus Wuppertal, hat nach ihrer Pensionierung eine Zeitlang als Lehrerin in den Slums von Manila gearbeitet.
Dort hat sie Hernando getroffen und schreibt
Hernando fehlt Manches:
Eine behütete Kindheit,
eine imposante Erscheinung
und etliche Zähne.
Nicht aber das Lachen.
und nicht die Gewissheit, berufen zu sein
seinem Gott zu dienen
Unter den Ärmsten.
Und reich ist Hernando
an Verstand, an Weisheit und an Güte.
Ich kann mir vorstellen,
wie Menschen durch ihn
ihre Würde entdecken,
und ihre Aufgabe in Gottes Plan,
obwohl auch ihnen
so Vieles fehlt.

Rechtefrei, da unveröffentlichtes Manuskript

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14232

Es gibt die stürmische Liebe auf den ersten Blick und die auf den zweiten Blick, meint der Theologe Fulbert Steffensky und erklärt das so:
Um die erste kreative Liebe braucht man sich kaum zu kümmern.
Sie überfällt einen und man kann sich kaum gegen sie wehren.
Am zweiten alltäglichen Blick..., der die Geliebte schön findet,
muss man arbeiten. Wir müssen auf den Reichtum eines anderen Menschen achten und ihn sehen lernen. ...Der zweite Blick, ist Arbeit.
Ein schönes Wort: Arbeit... Wir werden Subjekte in der Liebe, Gestaltende, Schaffende....
Es gibt übrigens nicht nur die Arbeit, den Geliebten schön zu finden. Eine ebenso große Arbeit ist es, sich schön finden zu lassen. ...

Fulbert Steffensky, Gewagter Glaube, Radius- Verlag 2012, S. 111f.

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Sie ist sehr erfolgreich, Donata Wenders, Ehefrau von Regisseur Wim Wenders, international anerkannte Fotografin. Sie meint:
Wenn ich fotografiere und nachher Bilder dabei rauskommen, wo ich sage: „Da! Das ist es jetzt!" Dann ist es nie so, dass ich sage: Das hab ich so hingekriegt.
So kann ich gar nicht denken. Sondern für mich ist es immer so:
Dadurch dass ich in diesem Fluss war oder in diesem kreativen Prozess, ist es mir geschenkt worden. Ich kann da eigentlich nur sagen: danke!
Und dieses „Danke" richtet sich immer an- Gott und es richtet sich auch an den Anderen, den ich da vor der Linse hatte.

http://www.erf.de/index.php?PHPSESSID=eitq97g2ajm8784uuvv9pb8si5&node=4940&content_item=4#4940/4

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Was passiert, wenn auf einmal alles zusammenbricht? Etwa durch Liebeskummer? Marsi, 17 Jahre alt, schreibt in einem Blog:
Wochenlang bist du stark. Nur leider nicht ganz du selbst.
Du umgehst Liebesfilme. Konsequent bleibt das Radio aus, denn du willst ja nichts riskieren.
Nach der Arbeit lenkst du dich mit sinnlosen Beschäftigungen ab.
Am Wochenende tanzt du durch. Der Verdrängungsmechanismus kann tatsächlich funktionieren. Und das sogar ziemlich gut.
Dachtest du. Bis zu dem einen scheinbar unbedeutenden Moment.
Ein Kind lächelt dich an. Ein Lächeln so ehrlich und unvoreingenommen, dass es dich trifft. Tief. Im Innersten deines Herzens. Und auf einmal bricht alles zusammen.
Und das Taschentuch, das dir dann jemand reicht, macht alles nur noch schlimmer.
Aber es gibt Schlimmeres, sagst du dir.

http://www.neon.de/artikel/fuehlen/liebe/und-auf-einmal-bricht-alles-zusammen/947177

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14229

Aus welchem Holz sind sie geschnitzt, diese besonderen Geigen, die unsterbliche Musik zum Klingen bringen? Aus dem Holz von Bäumen, für die man gefährlich hoch klettern muss bis an die Baumgrenze, erzählt der Geigenbauer Martin Schleske in seinem Buch „der Klang".

Ohne Leidenschaft hätten wir damals wohl bereits im fetten Flachland gesagt: Lass uns doch diesen Baum hier nehmen. Er wird zwar nicht wirklich klingen, aber er steht nun mal am Wegesrand. Sein einziger Wert besteht darin, dass er keine Mühe macht.
Wenn ich Gott finden will, muss ich manch eine Mühe auf mich nehmen. Ich darf die liebende Suche nicht durch ein religiöses Bekenntnis ersetzen. Was ist ein Bekenntnis wert, wenn dem Menschen die suchende Liebe verloren ging?

Martin Schleske, Der Klang, vom unerhörten Sinn des Lebens, Kösel Verlag 2012, S.18

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14228

Es gibt Menschen, die sagen: bleib ruhig! Denn sie halten Harmonie bereits für Frieden und halten eine ungetrübte Stimmung bereits für Stimmigkeit.
Es gibt Antworten, die nehmen uns den Glauben, denn sie schläfern unsere Visionen und Leidenschaften ein....
Es ist ein inneres Gebot..., dass wir Suchende bleiben... Unsere Fragen sollen uns zu Suchenden machen... unsere Sehnsucht zu Liebenden.
Um den Augenaufschlag des Lebens zu sehen und ihn zu erwidern, braucht man einen liebenden und suchenden Geist.

Der Geigenbauer Martin Schleske
Martin Schleske, Der Klang, vom unerhörten Sinn des Lebens, Kösel Verlag 2012, S.17


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