Manuskripte

SWR3 Worte

Welche Bedeutung eine Grabstätte haben kann, wird in den Worten der Krankenschwester Jutta Ouvens deutlich:
Dein Grab, [mein Liebster] ist ein lebendiger Ort.
Über Dir tanzen die Jahreszeiten in berauschenden Farben.
Hörst Du meine Schritte?
Mit Armen voller Astern eile ich durch nasses Gras.
Sehnsucht treibt mich, Schmerz und Verzweiflung.
Wie soll es gehen ohne Dich an den langen Abenden?
Ohne Deine Umarmung, Dein Lachen und Dein Schweigen?
Meine Liebe schütte ich auf Dein Grab, habe viel zu erzählen.
Mein Tag war erträglich.
Neben Dir die Schlafenden, über Dir die Wachenden.
Noch eine Kusshand bevor ich gehe
Am Tor raucht die Gärtnerin eine Zigarette.
Sie lächelt mir zu und nimmt Dich in ihre Obhut.

Jutta Ouvens, Fachkrankenschwester für Psychiatrie und Autorin, Titel: Dein Grab, http://www.women-edition.de/html/schreibesraus/lyrik/JO.htm

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Wonach lohnt es sich zu streben?
Die Bibel bringt es mit einfachen Worten auf den Punkt:
Besser wenig mit Gerechtigkeit als großes Einkommen mit Unrecht.
Besser demütig sein mit Gebeugten, als Beute teilen mit Stolzen.
Besser ein Gericht Gemüse mit Liebe, als ein gemästeter Ochse mit Hass.

Die Sprüche Salomos, Kapitel 16, 8 und 19 und Kapitel 15, 17.
Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, Zürcher Bibel, Stuttgart 1970.

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Das Wort Gnade erscheint altmodisch. Susanne Breit-Kessler, Münchener Regionalbischöfin, sagt, warum wir sie trotzdem unbedingt brauchen:
"Kein Mensch auf dieser Welt schafft es, vollkommen zu sein. Vieles gelingt einem - nicht nur, weil man sich anstrengt, sondern auch, weil man mit erfreulichen Gaben und Fähigkeiten beschenkt wurde. Anderes geht voll daneben - man ist eindeutig selber schuld daran oder man wollte es wirklich nicht.
Gnade ist großherzig. Sie macht es möglich, neu anzufangen und sich zu verändern - in Richtung auf das, was in einem an Gutem angelegt ist.
Das Bewusstsein von einem Mensch gewordenen Gott begnadet zu sein, beflügelt zu neuen Taten. Liebe ohne verlangte Vorleistung macht Lust - zeitlose Lust, für sich und andere zu leben."

Susanne Breit-Kessler, Titel: Gnade: http://www.e-gnade.de

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Arno Geigers Vater ist an Alzheimer erkrankt. Als er versucht, die Welt mit den Augen seines Vaters zu sehen, wird das Zusammenleben für ihn leichter. Er erzählt:
"Eines Tages erkannte der Vater sein eigenes Haus nicht mehr. [... Seit diesem Zeitpunkt trieb ihn eine tiefe Heimatlosigkeit umher. ... Ich begriff:]  Wenn er sagte, dass er nach Hause gehe, richtete sich diese Absicht in Wahrheit nicht gegen den Ort, von dem er weg wollte, sondern gegen die Situation, in der er sich fremd und unglücklich fühlte. Gemeint war also nicht der Ort, sondern die Krankheit. Als Heilmittel gegen ein erschreckendes, nicht zu enträtselndes Leben bezeichnete der Vater einen Ort, an dem Geborgenheit möglich sein würde, wenn er ihn erreichte. Diesen Ort des Trostes nannte er Zuhause, der Gläubige nennt ihn Himmelreich."

Arno Geiger, In: Der alte König in seinem Exil, München (Carl Hanser Verlag) 2011, S. 53 und 55f.

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Die Sängerin Tracy Chapman schreibt berührende Texte. Wie eine Prophetin stellt sie darin große Fragen unserer Gegenwart:
Warum sterben Kinder am Hunger, wenn es doch genug Nahrung auf dieser Welt gibt?
Warum leben Menschen in Einsamkeit, obwohl so viele Menschen auf diesem Erdball sind?
Warum sagt man, Raketen sichern den Frieden, wenn sie doch dazu bestimmt sind, Menschen zu töten?
Inmitten all dieser Fragen und Widersprüche, gibt es manche, die nach Wahrheit suchen!

Tracy Chapman, Titel: Why?, Lied auf der CD: Tracy Chapman 1988, Elektra Records, übersetzt von Anke Edelbrock

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Was beseelt und beglückt eigentlich Menschen, die mit Gottvertrauen durchs Leben gehen? In einem Lied, welches von Generation zu Generation weitergegeben worden ist, heißt es:
Betet, und ihr sollt es nicht vergeblich tun.
Suchet, und ihr werdet finden.
Klopft an, und Euch wird die Tür aufgetan.
Freut euch, [...] nehmt wahr, was Gott verheißt,
dass wir nicht im Dunkel treiben,
sondern mit Wahrheit, Licht und Kraft durch Gottes Geist
in seiner Liebe bleiben.

Autor: unbekannt, mündlich überliefert, Titel: Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt, Evangelisches Kirchengesangbuch, EG 182, Strophe 2 und 9

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Was für ein schöner Tag heute: Sonntag. Was das Besondere daran? Die Theologin Christa Spilling-Nöker meint:
„Einen Tag in der Woche nicht unter dem Zwang von Aufgaben stehen,
sondern sich hingeben dürfen in Liebe und Lebenslust.
Einen Tag in der Woche der tickenden Uhr einen Streich spielen,
sich der Tyrannei ihrer Zeiger entziehen
und sich Zeit schenken für das Gespräch und das Schweigen,
für den Spaß und das Spiel.
Einen Tag in der Woche nicht des Morgens früh aufstehen müssen,
sondern auferstehen dürfen,
schon hier, heute und jetzt,
in eine Gegenwart voller Hoffnung und Licht."

Christa Spilling-Nöker, Sonntäglich leben. Von der Muße und anderen Künsten des Lebens, Eschbach (Verlag am Eschbach) 2001, S. 4.

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