Manuskripte

SWR3 Worte

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen.Diese Hand da fällt.
Und sieh dir Andere an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Werke I, 400, Herbst. Rainer Maria Rilke, Insel Verlag Berlin 2012, S. 70-71)

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David Foster Wallace, amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, sagte zu einer Highschoolabschlussklasse
SIE entscheiden, was sie glauben.
In den alltäglichen Grabenkämpfen der Erwachsenendaseins
Gibt es keinen Atheismus.
Es gibt keinen Nichtglauben.
Jeder betet etwas an.
Aber wir können wählen, was wir anbeten.
Und es ist ein äußerst einleuchtender Grund
sich dabei für einen Gott oder ein höheres Wesen zu entscheiden -
ob das nun Jesus ist, Allah, Jahwe...
die ‚vier edlen Wahrheiten'
oder eine Reihe unantastbarer ethischer Prinzipien - ,
denn so ziemlich alles was sie anbeten
frisst sie bei lebendigem Leibe auf
Wenn sie Geld und Güter anbeten -
Dann können sie davon nie genug kriegen.
Wenn Sie ihren Körper, die Schönheit und erotische Reize anbeten,
dann werden Sie sich immer hässlich finden.
Wenn sie die Macht anbeten,
werden Sie sich immer schwach und ängstlich fühlen.
Wenn Sie Ihren Intellekt anbeten
Und als schlau gelten wollen,
werden Sie sich am Ende dumm vorkommen, als Hochstapler,
dem man jeden Augenblick auf die Schliche kommen kann.

(Das hier ist Wasser. David Foster Wallace, Kiepenheuer & Witsch, 2005, S. 30-31)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13980

Sitzen zwei Männer in einer Bar.
Irgendwo in der Wildnis von Alaska.
Der eine ist religiös, der andere Atheist,
die beiden diskutieren über die Existenz Gottes
mit dieser eigentümlichen Beharrlichkeit,
die sich nach dem, sagen wir mal, vierten Bier einstellt.
Sagt der Atheist: „Pass auf, es ist ja nicht so,
dass ich noch nie mit Gott oder Gebeten experimentiert hätte.
Letzten Monat erst bin ich weit weg vom Camp
in so einen fürchterlichen Schneesturm geraten,
hab mich total verirrt,
vierzig Grad unter null,
und da hab ich's probiert:
Ich bin im Schnee auf die Knie und hab geschrien:
„Gott, wenn es dich gibt,
ich sterbe wenn du mir nicht hilfst."
Der religiöse Mann an der Bar
schaut den Atheist verdutzt an:
„Na dann musst du jetzt doch an ihn glauben,
schließlich sitzt du quicklebendig hier."
Der Atheist verdreht die Augen,
als wäre der religiöse Typ der letzte Depp.
„Quatsch, Mann,
da sind bloß zufällig ein paar Eskimos vorbei gekommen
und haben mir den Weg zurück ins Camp gezeigt.

(Das hier ist Wasser. David Foster Wallace, Kiepenheuer & Witsch, 2005, S. 12-13)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13979

Im Oktober 1984 wird Desmond Tutu der Friedensnobelpreis zuerkannt. Weil er als Bischof der anglikanischen Kirche gegen die Unterdrückung der Schwarzen in Südafrika gekämpft hat. Er sagte:
Gott schuf uns als Gemeinschaft.
Gott schuf uns, damit wir eine Menschenfamilie schaffen,
die zusammen existiert, weil wir füreinander geschaffen sind.
Wann werden wir lernen,
dass menschliche Wesen von unendlichem Wert sind,
weil sie nach dem Abbild Gottes geschaffen wurden,
dass es Blasphemie ist, sie so zu behandeln,
als wären sie von geringerem Wert
und dass es letztlich auf diejenigen zurückfallen wird, die so verfahren?
Wir brauchen einander, um wirklich frei zu sein,
um menschlich zu werden.
Gott ruft uns an, mit ihm zu arbeiten,
so dass wir sein Reich von Gerechtigkeit und Versöhnung vergrößern,
so dass die Reiche dieser Welt
zum Reich unseres Gottes und seines Christus werden,
und er auf alle Ewigkeit regiert.

(www.dadalos-d.org/deutsch/vorbilder/vorbilder/tutu/nobelpreis.htm)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13978

Im Oktober1964 wurde Martin Luther King der Friedensnobelpreis zuerkannt, dazu sagte er:
Ich nehme heute diese Auszeichnung an.
im kühnen Glauben an die Zukunft der Menschheit.
Ich glaube daran,
dass unbewaffnete Wahrheit und bedingungslose Liebe
das letzte Wort haben werden.
Ich glaube daran, dass die verwundete Gerechtigkeit,
emporgehoben werden kann,
um die höchste Herrscherin unter den Menschen zu sein.
Ich besitze die Kühnheit, daran zu glauben,
dass alle Menschen drei Mahlzeiten täglich für ihren Körper,
Bildung und Kultur für ihren Geist und Würde,
Gleichheit und Freiheit für ihre Seele haben können.
Ich glaube immer noch daran,
dass die Menschheit sich eines Tages
vor dem Altar Gottes verneigen wird,
um gekrönt zu werden für den Sieg über Krieg und Blutvergießen.
Und der Löwe und das Lamm werden nebeneinander liegen,
und jeder Mensch wird in seinem Garten sitzen,
und niemand wird sich fürchten.

http://www.dadalos.org/deutsch/vorbilder/vorbilder/mlk/zitate.htm

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13977

Im Oktober1964 wurde Martin Luther King der Friedensnobelpreis zuerkannt, dazu sagte er:
Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem Schluss,
dass diese Auszeichnung,
eine große Anerkennung der Tatsache ist,
dass Gewaltlosigkeit die Antwort
auf die zentralen politischen und moralischen Fragen
unserer Zeit darstellt:
die Notwendigkeit für die Menschheit,
Unterdrückung und Gewalt zu überwinden,
ohne auf Gewalt und Unterdrückung zurückzugreifen.
Zivilisation und Gewalt sind gegensätzliche Konzepte.
Früher oder später werden alle Menschen auf der Welt
einen Weg finden müssen, in Frieden zusammenzuleben.
Wenn das erreicht werden soll, muss die Menschheit
für alle menschlichen Konflikte eine Methode entwickeln,
die Rache, Aggression und Vergeltung zurückweist.
Heute komme ich nach Oslo als ein Sachwalter,
inspiriert und mit erneuerter Hingabe an die Menschlichkeit.
Ich nehme diesen Preis an im Namen aller Menschen,
die Frieden und Brüderlichkeit lieben.

http://www.dadalos.org/deutsch/vorbilder/vorbilder/mlk/zitate.htm

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13976

Ein Tag sagt's dem anderen
und eine Nacht flüstert's der anderen zu:
So groß ist Gott!
Die Sonne lässt ihre Freude strahlen.
Bis an die äußersten Enden der Welt
schreit sie ihr Loblied heraus
und alles, was ist, lebt davon.
Der Mond umkreist die Erde
Und sein Jubel bringt das Meer zum Schwingen.
Aus seinem Rhythmus wächst die Zeit
Und alles, was ist, lebt danach.
Die Erde tanzt ihre Bahn
Und ihr Gesicht strahlt.
In vielen Farben leuchtet ihr Kleid.
Und alles, was ist, lebt darin.
Die Luft strömt ein und aus
Bei Menschen und bei Tieren lässt sie das Herz schlagen
Und alles, was ist, lebt davon.
Die Zeit tickt ihre Stunden und Minuten
Mit leisen feinen Tönen durch die Welt.
Mal dehnt sie sich wird lang, mal kurz
Und alles, was ist, lebt darin.
Ein Tag sagt's dem anderen
und eine Nacht flüstert's der anderen zu:
So groß ist Gott! (Ps 19)

(Sagt Gott, wie wunderbar er ist. Neue Psalmen für Gottesdienst und Andacht. Verlag Junge Gemeinde, Leinfelden-Echterdingen, 2005, S. 16)

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