Manuskripte

SWR3 Worte

Niemand ist nutzlos, niemand ist überflüssig, jeder ist für etwas gut, jeder wird für irgendetwas gebraucht - Wenn er sich nur dessen bewusst ist. Das Glück ist nicht, dass jemand sagen kann: „Mir geht es gut." Das Glück ist, wenn jemand sagen kann: „ich bin für etwas gut". 

Elisabeth Lukas - Niemand ist nutzlos

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13867

Du kannst dir nicht ein Leben lang alle Türen offen halten, um keine Chance zu verpassen. Auch wer durch keine Türe geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen eine nach der anderen zu. Wer selber leben will, der muss entscheiden: Ja oder Nein - Im Großen und im Kleinen.
Wer sich entscheidet, wertet, wählt, und das bedeutet auch Verzicht. Denn jede Tür, durch die er geht, verschließt ihm viele andere. Man darf nicht mogeln und so tun, als könne man beweisen, was hinter jener Tür geschehen wird. Ein jedes JA - auch überdacht, geprüft -  ist zugleich Wagnis und verlangt ein Ziel.
Das aber ist die erste aller Fragen: Wie heißt das Ziel, an dem ich messe Ja und Nein? Und: Wofür will ich leben? 

Ja oder nein  von Paul Roth

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13866

Ich traf einen jungen Mann,
kerngesund, modisch gekleidet, Sportwagen,
und fragte beiläufig, wie er sich fühle:
Was 'ne Frage, sagte er, Beschissen! 

Ich fragte, ein wenig verlegen,
eine schwerbehinderte ältere Frau
in ihrem Rollstuhl, wie es ihr gehe:
Gut, sagte sie, es geht mir gut. 

Da sieht man wieder, dachte ich
bei mir,
immer hat man mit den falschen Leuten Mitleid. 

Begegnungen von Lothar Zenetti

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13865

„Abschiednehmen ist immer auch ein bisschen Sterben" - so sagt ein französisches Sprichwort. Dieses Sprichwort erinnert uns daran, dass mit einem Abschied etwas Neues beginnt, aber dass wir dabei auch etwas zurücklassen müssen. Das kann wehtun. Jeder Abschied ist mit Schmerzen verbunden, und es gibt kein Menschenleben, das von solchen Schmerzen nicht betroffen wäre. Aber es ist wie bei einer Reise: Wir sollen nicht nur zurückschauen auf das, was wir hinter uns zurücklassen, wir dürfen auch erwartungsvoll nach vorne schauen. 

Abschied nehmen - von Helga Kohler Spiegel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13864

Wussten Sie schon, dass die Nähe eines Menschen gesund machen, krank machen und lebendig machen kann?
Wussten Sie schon, dass die Nähe eines Menschen gut machen, böse machen, traurig machen und froh machen kann?
Wussten Sie schon, dass die Stimme eines Menschen einen anderen Menschen wieder aufhorchen lässt, der für alles taub war?
Wussten Sie schon, dass das Zeithaben für einen Menschen mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen mehr als eine geniale Operation?
Wussten Sie schon, dass das anhören eines Menschen Wunder wirkt, dass das Wohlwollen Zinsen trägt, dass ein Vorschuss an Vertrauen hundertfach auf uns zurückkommt?
Wussten Sie schon, dass tun mehr ist als reden?
Wussten Sie das alles schon? 

Wussten Sie schon? - von Wilhelm Wilms

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13863

Kinder gehören (...) zu den natürlichen Gegnern der Beschleunigungsgesellschaft. Statt sich von der Uhr hetzen zu lassen, folgen sie ihren natürlichen Bedürfnissen und ihrem eigenen Takt. Gerade deshalb werden sie in der Erwachsenenwelt oft als so störend und irritierend empfunden. Sie widersetzen sich jäh jeder Art von Zeitdruck und erinnern uns daran, dass wir früher selbst einmal so waren. [...] Statt uns ein Beispiel an unseren Kindern zu nehmen, pressen wir häufig schon die Jüngsten in ein enges Raster aus Terminen und Verpflichtungen, um sie fit für die spätere Karriere zu machen. Dabei sind Kinder von Haus aus kreativ genug, sich eigene Herausforderungen zu suchen und sich selbst zu beschäftigen. Wir sollten uns daher lieber öfter die Kinder zum Vorbild nehmen und uns auf ihr Tempo einlassen. Das kann ebenso fröhlich wie entspannend sein. 

Das Tempo der Kinder - von Ulrich Schnabel

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13862

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind, den Vogelflug
und das Gras und die Schmetterlinge,
[Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert]
für die Luft, die wir geatmet haben,
und den Blick auf die Sterne
und für alle die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen;
bitte die Rechnung.
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen, sagt der
und lacht, soweit die Erde reicht:
[ich habe euch eingeladen]
Es war mir ein Vergnügen!

 Am Ende die Rechnung von Lothar Zenetti

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13861