Manuskripte

SWR3 Worte

Manche Menschen schauen schon im Leben dem Tod ins Auge. Wie Bundefinanzminister Wolfgang Schäuble. Er meint:

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich gehalten wurde. Ich beschreibe das gern mit der Erfahrung, als ich nach dem Attentat im Krankenhaus auf der Intensivstation lag. Ich befand mich in einem ziemlich trostlosen Zustand. Ich wurde künstlich beatmet, ich konnte nichts essen, der Kiefer war verletzt. Aus eigener Kraft kann man das nicht überstehen.
Es gibt eine schöne Fassung des Glaubensbekenntnisses von Dietrich Bonhoeffer: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen." Das verstehe ich unter „gehalten werden": Dass man solche Situationen überstehen kann, dass man nicht so ganz allein ist, dass man hoffentlich auch nicht allein ist, wenn das Leben zu Ende geht.

Aus: Dirk von Nayhauss, Maggie Riepl: Ich glaube. Gedanken zu Gott und Religion. Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main

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Im Film verkörpert der Schauspieler Armin Rohde oft komische Typen. Im richtigen Leben kann er aber richtig ernste Dinge sagen:

Ob ich zuweilen die Nähe Gottes spüre? Ja. Es ist doch physikalisch erwiesen, dass wir ständig von Teilchen aus dem Weltall durchdrungen werden.
Ich bin kein Metaphysiker, ich bin kein Spinner, aber ich empfinde das als eine Quelle der Energie: Eigentlich brauche ich bloß die Arme ausbreiten, tief einatmen - und ich kriege Kraft. Für mich zeigt sich Gott in dieser Energie und in der Schönheit und Sinnfälligkeit dieser Welt.

Aus: Dirk von Nayhauss, Maggie Riepl: Ich glaube. Gedanken zu Gott und Religion. Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main

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Der Comedian Michael Mittermeier outet sich als Jesus-Fan:

Jesus war bestimmt ein cooler Typ. Der hatte ein Charisma, das war so groß, dass du kaum durch die Tür kommst. Ich glaube nicht, dass er dieser Oberverklärte war, der muss auch kein Wasser in Wein verwandelt haben. Vielleicht war Jesus einer von den Jungs, die immer wissen, wo man noch was auftreiben kann, wo noch ein paar Fässer Wein versteckt sind.
Ich bin eigentlich Jesusfan. Seine Maxime ist die beste, die je hingelegt wurde: Handle so, wie du auch selbst behandelt werden willst, sei kein Egoist.

Aus: Dirk von Nayhauss, Maggie Riepl: Ich glaube. Gedanken zu Gott und Religion. Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main

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Der Arzt und Bestsellerautor Eckart von Hirschhausen ist überzeugt, dass Glaube glücklich macht:

Ich glaube an das Leben vor dem Tod und an himmlische Momente, in denen wir uns glücklich fühlen. Es gehört zu den ganz großen Irrtümern zu glauben, dass materielle Dinge wirklich glücklich machen.
Gott ist wichtig in persönlichen Krisen. Bei aller Ungewissheit gibt er einem das Gefühl, dass die Welt einen Sinn hat. Ich habe ein Urvertrauen, das ist für mich Gott.
Es heißt, immer weniger Menschen glauben an Gott. Ich hoffe, das beruht nicht auf Gegenseitigkeit.

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Der Journalist und Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow spürt manchmal Gottes Nähe:

Ich rede ungern darüber, aber: Ja, manchmal spüre ich die Nähe Gottes. Nicht wenige Menschen sagen: „Gott spricht nicht mit mir." Bei mir ist das umgekehrt: Er versucht die ganze Zeit, mit mir zu sprechen, aber ich höre zu selten hin. Nicht sein Schweigen ist das Problem, sondern meine Taubheit.
Ich erlebe seine Nähe als Geschenk: Es kann über Natur gehen, es kann ein Windhauch sein; es kann aber auch mitten in der Stadt passieren, mitten im Verkehr. Aber es geht eben nicht auf Knopfdruck, dass man sagt: „Jetzt habe ich Zeit, jetzt will ich dich hören."

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Der Berliner Kunstmaler Norbert Bisky überlegt, ob er sich taufen lässt:

Religion ist spätestens in den letzten zehn, 15 Jahren ein wahnsinnig wichtiges Thema geworden. Viele Menschen haben gemerkt, dass man an die bunten Auslagen im Warenhaus nicht glauben kann. Man muss irgendwie anders einen Sinn im Leben herstellen als nur über sein Bankkonto, das hinterlässt bloß Leere.
Ich selbst bin atheistisch groß geworden, ich bin nicht einmal getauft. Vielleicht werde ich mich taufen lassen. Vielleicht ist ja was dran. Ich glaube jedenfalls, dass es ein größeres Prinzip gibt als den Egoismus von jedem kleinen Wesen, das hier rumkräucht.

Aus: Dirk von Nayhauss, Maggie Riepl: Ich glaube. Gedanken zu Gott und Religion. Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main

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Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, erzählt von ihrem Glauben:

Ich glaube an einen gutmütigen Gott, der Wärme gibt und Halt. Wenn ich bete, beginne ich meistens mit dem Vater Unser und schiebe dann noch ein paar Sachen nach, die ich loswerden will. Ich gehe auch gerne in Kirchen, ich mag die Atmosphäre.
Gottes Nähe spüre ich besonders in dramatischen Situationen wie den Verlust meines Vaters. Ich war dabei, als er an seinem 50. Geburtstag starb, er hatte Krebs. Er hatte noch einmal alle zusammengerufen, und als sein letzter Bruder kam, ist er gestorben. In diesem Moment fühlte ich mich getragen.

Aus: Dirk von Nayhauss, Maggie Riepl: Ich glaube. Gedanken zu Gott und Religion. Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main

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