Manuskripte

SWR3 Worte

In der Wochenzeitung „Die Zeit" wurde der Berliner Kardinal Woelki gefragt, ob es in der katholischen Kirche einen Reformstau gibt. Seine Antwort:  

„Mahatma Gandhi ist einmal von zwei Missionaren gefragt worden, warum ihre Botschaft so schwer ankommt.
Und Gandhi hat gesagt: Ihr duftet zu wenig nach der Bergpredigt.
Man könnte auch sagen: Ihr schmeckt zu wenig nach Jesus Christus. Das ist der wahre Reformstau!"

 

 

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Der Künstler Joseph Beuys beschreibt in einem Gedicht, wie wir alle Künstler sein können.

 „Lache eine Menge
Bade im Mondlicht
Träume wilde phantastische Träume
Zeichne auf die Wände
Lies jeden Tag
Stell Dir vor Du wärst verzaubert
Kicher mit Kindern
Höre alten Leuten zu
Öffne Dich, tauche ein, sei frei
Preise Dich selbst
Lass die Angst fallen
Spiele mit allem
Unterhalte das Kind in Dir
Du bist unschuldig
Baue eine Burg aus Decken
Werde nass
Umarme Bäume
Schreibe Liebesbriefe." 

Joseph Beuys, How to be an artist.

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„Jeder Mensch ist ein Künstler". Das hat der Künstler Joseph Beuys gesagt. Und wie jeder von uns ein Künstler sein kann, beschreibt er in einem Gedicht. 

„Lass Dich fallen
Lerne Schlangen zu beobachten
Pflanze unmögliche Gärten
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein
Mache kleine Zeichen, die „ja" sagen
Und verteile sie überall im Haus
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit
Freue dich auf Träume
Weine bei Kinofilmen
Schaukel so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht
Pflege verschiedene Stimmungen
Verweigere Dich „verantwortlich zu sein". Tu es aus Liebe.
Mache eine Menge Nickerchen
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen
Glaube an Zauberei." 

Joseph Beuys, How to be an artist.

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Heute ist der Feiertag Maria Himmelfahrt.

In der Bibel gibt es ein beeindruckendes Gebet von Maria. Sie ist schwanger und ahnt, dass ihr Kind etwas Besonderes sein wird, dass Gott da seine Finger im Spiel hat. Sie kann sich noch nicht genau erklären, was da eigentlich passiert, aber sie traut Gott zu, durch dieses Kind die Welt zu verändern. Ihr Gebet klingt so:

 „Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen." 

Aus dem Lukasevangelium.

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In dem Roman „Die souveräne Leserin" denkt die englische Königin über das Lesen nach. Für sie hat lesen etwas mit Freiheit zu tun: 

„Büchern war es egal, wer sie las oder ob sie überhaupt gelesen wurden. Vor ihnen waren alle Leser gleich, auch sie selbst.
Bücher buckelten nicht. Alle Leser waren gleich, und das erinnerte sie an ihre frühen Lebensjahre. [...], als sie und ihre Schwester sich aus dem Palast geschlichen und unerkannt unter die feiernde Menge gemischt hatten. Etwas Ähnliches geschah beim Lesen, spürte sie. Es war anonym, gemeinsam und allgemein. Und da sie ein Leben hinter Schranken verschiedenster Art geführt hatte, verlangte es sie nun genau danach. Auf diesen Seiten, zwischen diesen Buchdeckeln konnte sie unerkannt umherschweifen."

 Alan Bennett

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Heute ist Internationaler Linkshändertag. Linkshänder haben es in unserer Gesellschaft immer noch schwer: erst kämpfen sie mit dem Schreiben, dann mit dem Besteck und manchmal auch mit dem Ruf, ungeschickt zu sein. In der Bibel wird von einem Linkshänder erzählt, der Großes leistet: Er befreit sein Volk von einem grausamen König und wird als Retter gefeiert. Im Buch der Richter steht:

 „Als aber die Israeliten zum Herrn schrien, gab ihnen der Herr einen Retter: Ehud, den Sohn Geras, aus dem Stamm Benjamin, einen Linkshänder."

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 Ein Gedicht zum heutigen „Internationalen Tag der Jugend" von Urs Boller:

„Meine Mutter sagt: Du bist zu klein.
Der Lehrer meint: Du bist schwer von Begriff.
Der Pfarrer schimpft: Du bist verdorben.
Meine Kameraden lachen: Du hast verloren.
Der Berufsberater weiß: Du bist nicht geeignet.
Der Leutnant brüllt: Du hast keine Haltung.
Gott sagt: Du bist mir ähnlich. Gott sei Dank!"

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