Manuskripte

SWR3 Worte

Der Benediktinermönch Anselm Grün versucht zu erklären, warum die Bibel voll von Hass und Liebe steckt: 

(Die Bibel beschreibt) in vielen Geschichten, wie der Mensch sich (...) verhält. Dabei beschönigt sie den Menschen nicht, sondern schildert ihn, in seiner ganzen Abgründigkeit. Aber immer wieder lesen wir auch in der Bibel, wie dieser in sich zerrissene, von Neid und Hass sich nährende Mensch verwandelt wird, wenn er sich auf Gott einlässt. Gott ist die eigentliche Therapie des Menschen. So zeigt es uns das Alte Testament. Das Neue Testament nimmt dieses Thema auf. Da ist es Jesus selbst, der die Kranken heilt. In der Begegnung mit ihm werden sie frei von krank machenden Lebensmustern, von Dämonen, von zwanghaften Größenfantasien, von inneren Komplexen und Ängsten.

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Am 3. August 1935 wurde die Großglockner-Hochalpenstraße eröffnet. Vielleicht war es eine Fahrt auf dieser Straße, die den Theologen Lothar Zenetti zur folgenden Geschichte inspiriert hat. Eine Geschichte über das Glauben: 

Einen ganzen Tag lang im Sommer warteten 50 Urlauber eines Busses aus Flensburg am Großglockner, um diesen zu sehen. Sie sahen indessen nur Nebel und Wolken und graues Geröll (...). So sehr sie auch schauten mit Augen und Gläsern, es war nichts zu sehen. (...) Jedoch zu zweifeln an diesem Berg, an seinem realen Vorhanden-Sein, sah keiner sich abends genötigt (...). Selbst Herr Koch, der ansonsten nur glaubt, was er sieht (mit eigenen Augen), sonst nichts, hatte 5 Ansichten des großen Glockners in Farbe gekauft und schrieb hinten drauf von unvergesslichen Eindrücken. Und hatte selber gar nichts gesehen als Nebel. Und zweifelte doch nicht an dem großen Werk. Und vertraute dem österreichischen Alpenverein."

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Stell dir vor, du packst in deinen Koffer nichts außer einer Handvoll Träume. Und dann: einfach los. Kein Ziel vor Augen. Nur so.

Stell dir vor, die Landschaft zieht im Schneckentempo an dir vorbei. Du musst nirgends ankommen. Du bewegst dich so schnell, so langsam, wie du magst.

Stell dir vor, du lebst in jeden neuen Tag hinein. Ohne Pläne, mit einem Lachen. Du musst nichts schaffen. Du darfst einfach sein. 

Ein Text der Theologin Ulrike Berg

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Das jüdische Mädchen Anne Frank wurde am 4. August 1944 in ihrem Versteck in Amsterdam von den Nazis verhaftet. Drei Tage zuvor, also am 1. August, schreibt sie ihren letzten Tagebucheintrag. Dort heißt es:

 ... und (ich) suche immer wieder nach einem Mittel, so zu werden, wie ich so gern sein möchte, und wie ich sein könnte, wenn..., ja wenn keine anderen Menschen auf der Welt lebten."

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Das Gedicht „Der Kobold" von Wilhelm Busch 

In einem Häuschen sozusagen -

(den ersten Stock bewohnt der Magen - )

in einem Häuschen war´s nicht richtig.

Darinnen spukt und tobte tüchtig

ein Kobold, wie ein wildes Bübchen,

vom Keller bis zum Oberstübchen.

Fürwahr, es war ein bös Getös.

Der Hausherr wird zuletzt nervös,

und als ein desperater Mann

steckt er kurzweg sein Häuschen an

und baut ein Haus sich anderswo

und meint, da ging es ihm nicht so.

Allein, da sieht er sich betrogen.

Der Kobold ist mit umgezogen

und macht Spektakel und Rumor

viel ärger noch als wie zuvor.

Ha, rief der Mann, wer bist du, sprich.

Der Kobold lacht: Ich bin dein Ich.

 

Wilhelm Busch

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Unsere Zellen bilden einen Staat mit zehn Billiarden Bürgern, von denen jeder auf ganz gezielte Weise zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Sie tun wirklich alles für uns. Sie lassen uns Freude empfinden und erzeugen Gedanken. Sie versetzen uns in die Lage zu stehen, uns zu strecken oder Luftsprünge zu machen. (...) Sie sind dafür verantwortlich, dass die Haare wachsen, dass die Ohren mit Ohrenschmalz geschmiert werden, dass unser Gehirn reibungslos funktioniert. (...) Sobald wir bedroht werden, verteidigen sie uns, und sie geben ohne Zögern für uns ihr Leben - jeden Tag sterben viele Milliarden von ihnen. Und in all den Jahren haben wir ihnen dafür nicht ein einziges Mal gedankt. Halten wir also einen Augenblick inne, und betrachten wir unsere Zellen mit dem Staunen und der Wertschätzung, die sie verdienen. 

Der Popularwissenschaftler Bill Bryson in seinem Buch „Eine kurze Geschichte von fast allem"

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Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph und Theologe, sagt:

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht nur Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören, beten heißt, still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört. 

Sören Kierkegaard

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