Manuskripte

SWR3 Worte

Wer die Aktionen zur Rettung der Banken und der Finanzwirtschaft rekapituliert, ...wer also sieht, wie anscheinend das gute Geld dem schlechten hinterhergeworfen wird und wie bei alledem die Parlamente so an den Rand gedrängt werden wie die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt, wer registriert, dass die Regierungschefs bei ihren diversen Rettungsaktionen genau das tun, was sie gestern noch als grundfalsch abgelehnt haben und dass die führenden Ökonomen zu alledem Ratschläge geben, die sich täglich fundamental widersprechen, wer also das Gefühl hat, dass sich seine Welt in ein Irrenhaus verwandelt, der darf zumindest diese Frage stellen:
Wissen die eigentlich noch, was sie tun? Die Jungen, vor allem die Jungen stellen diese Fragen.
Mit zornigen Fragen beginnt die Veränderung...Mit zornigen Fragen beginnt die Austreibung der Ungeister.

Der Journalist Heribert Prantl

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Die Unruhen auf den Straßen haben zugenommen. Heribert Prantl, Herausgeber der Süddeutschen Zeitung meint:

Unruhen werden hierzulande ... automatisch mit Gewalttätigkeit gleichgesetzt. Die gewalttätigsten Zeiten waren in Deutschland aber nicht die, in denen es unruhig war, sondern die, in der keinerlei Unruhe geduldet wurde.
Es gibt sozialverträgliche, voranbringende Formen von Unruhe...Die innere Unruhe über gesellschaftliche Missstände wird dann von vielen auf die Straße getragen.

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Wie kam's zur globalen Wirtschaftskrise? Dazu ein Gleichnis

Chuck kauft für 100 Dollar einen Esel. Das Tier stirbt vor der Lieferung. Chuck will sein Geld zurück, aber der Farmer hat es angeblich schon ausgegeben.
Nun will Chuck den toten Esel, um ihn zu verlosen.
Verlosen? fragt der Farmer.
Ich sag den Leuten einfach nicht, dass er tot ist.
Einen Monat später trifft der Farmer Chuck wieder.
Was ist aus dem Esel geworden?
Ich hab ihn verlost, 550 Lose zu zwei Dollar verkauft und 998 Dollar Gewinn gemacht. Hat sich keiner beschwert? Nur der Kerl, der den Esel gewonnen hat. Dem habe ich seine zwei Dollar zurückgegeben.
Heute arbeitet Chuck bei Goldmann Sachs.

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Zorn gilt als Todsünde. Dabei ist er wertvoll, meint Heribert Prantl, Herausgeber der Süddeutschen Zeitung

Der Zorn kann eine Christenpflicht sein... wenn er eine Leidenschaft ist, die aus dem Leiden wächst, aus der Trauer über erlittenes Unrecht.
Dann reißt der Zorn die Trauer heraus aus der Depression,... dann ist er etwas anderes als Wut.
Ein Wüterich will sich abreagieren. Der Zornige will agieren.
So ein Zorn gegen die Ungerechtigkeit steht in biblischer Tradition.
Schon der Prophet Jesaja grollt:
"Deine Fürsten sind eine Bande von Dieben, sie lassen sich gern bestechen und jammern Geschenken nach...."
Auf dass wir uns nicht falsch verstehen: Jesus ist kein Wutbürger. Sein Zorn ist nicht zu verwechseln mit Wut. Ein Wüterich verliert den Kopf. Der Zornige bewahrt sich den Verstand.

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Wenigstens eine Nacht pro Monat sollte man draußen schlafen. Nichts befreit die eigene Seele so schnell von Arroganz und Eitelkeit wie der direkte Kontakt mit der Natur. 

Rodrigo Medellin, Mexikanischer Biologe und Tierschützer

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Was ist ein Freund? Eberhard Hadem, Pfarrer in Oberbayern meint: 

Mein Freund muss manchmal wie das Garagentor sein, an das ich früher als Junge den Fußball gedonnert habe, weil ich zornig war über eine Ungerechtigkeit. Der Ball konnte nichts dafür, das Garagentor auch nicht, aber meine Energie fand einen Weg, wie ich wieder mit anderen und mir
selbst leben konnte....
Nicht jeder und jede hat so eine Freundin oder Freund. Aber Gott ist so ein Freund, sagt Jesus, du kannst so mit ihm reden. 
Manches kann ich nur auf meine unverwechselbare Weise sagen, wie es eben aus meinem Herzen kommt. In allem hoffe ich: Gott ist mein Freund. Und ich hoffe, er hält das aus. Er hält mich aus... 
Deshalb kann es passieren, dass ich manchmal beim Beten denke: „Nix für ungut, lieber Gott, ich hoffe, du verstehst das richtig: aber sei jetzt bitte ‚mein Garagentor'. "

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Wie alt muss man werden um zu erkennen, dass die Beschäftigung mit sich selbst ... nichts abwirft, wovon man leben kann?
Man müsste eine alte Tugend erlernen: die Demut. Sie ist das realistische Eingeständnis, dass wir für uns allein kein spannendes Programm sind....
Ich brauche Brüder und Schwestern und Väter und Mütter und Lehrer und Bücher und ... Geschichten, mit denen ich aushandle, was die Wahrheit ist und was die Wahrheit verlangt. 

Der Theologe Fulbert Steffensky

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