Manuskripte

SWR3 Worte

Ich habe mich oft gefragt, ob nicht gerade die Tage, die wir gezwungen sind, müßig zu sein, diejenigen sind, die wir in tiefster Tätigkeit verbringen? Ob nicht unser Handeln selbst, wenn es später kommt, nur der letzte Nachklang einer großen Bewegung ist, die in untätigen Tagen in uns geschieht? Jedenfalls ist es sehr wichtig, mit Vertrauen müßig zu sein, mit Hingabe, womöglich mit Freude.

Müßig sein - von Rainer Maria Rilke
Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13438

Der berühmte Clown Grock erhält eines Tages einen Brief, der voll ist von falschen Behauptungen und schlimmen Beschuldigungen. Seine Freunde raten ihm, den Absender ds Briefes zu verklagen. Auch ein Clown könne ja nicht immer lustig sein. Aber Grock winkt ab. „Ich möchte das anders regeln", sagt der Clown. Er schickt den Brief zurück an den Absender und schreibt dazu: „Diesen unverschämten Brief habe ich bekommen. Ich schicke ihn nun an Sie, damit Sie wissen, dass irgendjemand in Ihrem Namen beleidigende Briefe verschickt. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Clown Grock."

Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13437

Der Großvater wollte im kleinen Moritz religiöses Empfinden wecken. Er ging mit ihm durch die Winterlandschaft: „Schau, wie wunderbar Gott den Teich hat zufrieren lassen!"
Darauf Moritz: „Kunststück - im Winter!"

Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13436

Ich erinnere mich an die Zeiten, in denen ich sehr lange Haare hatte, ungefähr bis zur Gürtellinie ... und ungefähr wie das Gegenteil eines Sohnes aussah, den sich mein Vater wünschte... Aber in jenen Jahren verschaffte er mir immer wieder Jobs um in den Ferien etwas Geld zu verdienen. Dann ging ich mittags mit ihm bisweilen im Casino der Industrie- und Handelskammer essen und saß zwischen lauter Geschäftsführern in Anzug und Krawatte. Es muss ihm sehr unangenehm gewesen sein, dass sein Sohn aussah wie ein „Revoluzzer", aber er ließ nie auch nur eine Sekunde einen Zweifel daran, dass ich sein Sohn sei und dass er (was er so nie, nie, nie gesagt hätte) mich liebte. Er hielt das aus, wie ich war und wie ich aussah und dass ich ihn verachtete, er hielt es einfach aus. Und es war großartig, dass er es aushielt, denn das ist, was Eltern manchmal einfach können müssen und worin sich ihre Liebe vielleicht in schwierigen Zeiten am allermeisten ausdrückt: die Dinge auszuhalten.

Aushalten - von Axel Hacke
Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13435

Es passiert einfach, ohne dass ich es vorhersagen kann. Immer ist sie schneller als ich. Gänsehaut. Plötzlich kommt sie. Wie ein Vogelschwarm, wie ein Lufthauch wischt sie über meinen Körper. Berührt, bevor ich sagen kann: Ich bin getroffen. Macht sich bei mir breit, bevor ich spüre: Das hier geht mich an. Es geht etwas vor mit mir. Mein Körper kräuselt sich, dann merke ich auf. Woher weiß ich, dass mir die Musik gefällt, der Mensch oder die Berührung? Denke ich mit der Haut? Macht ihre Veränderung meine Stímmung? Ich staune. Es scheint: Mein Körper ist schlauer als ich.

Gänsehaut - von Brigitte Becker
Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13439

Das Allerbeste - das ist Torte mit Sahne, das ist Gelächter, bis der Bauch weh tut, das Stunden voller Ausgelassenheit. Das Allerbeste ist jene Portion extra, die wir nicht unbedingt zum Leben, aber zum Erhalt unserer Lebensfreude brauchen. Das Schwelgen im Überfluss ist keine Frage materiellen Wohlstands. Um sich zum Bersten lebendig zu fühlen, genügt es manchmal schon, in das tiefe Blau eines makellosen Himmels zu blicken oder sich an einem Duft zu berauschen. Gesteh dir zu, das Leben auszukosten, und es wird dich reich beschenken.

Das Allerbeste - von Hannah Valentin
Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13434

Ich sitze im Kloster Au in der Kirche und warte auf den Beginn des Morgengebets. Es ist gut hier zu sitzen. Hier, wo seit über 150 Jahren ohne Unterbrechung, bei Tag und bei Nacht, die Welt ins Gebet genommen wird. Ewige Anbetung - so weit der Gedanke von meinem äußeren Leben entfernt ist, so nah kommt er meinem inneren... Mein Herz, es schweigt. Ich fühle wie ich schwer und ruhig und gewiss werde. Wie es mir gleichsam das Herz reinigt, dieses Beten, und dass sein darf, was ist. Und dass ich mich nicht selbst durch mein Leben hindurchtragen muss. Das vor allem.

Ins Gebet genommen - von Jaqueline Keune
Für jeden neuen Tag - Gedanken Geschichten Gebete. Heft 41. AMD Berlin 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13433