Manuskripte

SWR3 Worte

Der Philosoph Wilhelm Schmid erzählt einmal, dass er aus Versehen nackt vom Saunabereich in den normalen Schwimmerbereich geschlendert sei. Die Leute schauten ihn vollkommen entgeistert an. Superpeinlich war ihm das. Aber er sagt:

Niemand lebt völlig ohne Peinlichkeit. [...] Lassen sich Peinlichkeiten denn nicht vermeiden? Nein. Wäre es wenigstens wünschenswert, sei zu vermeiden? Auf keinen Fall: Die Erinnerung daran ist wertvoll[AB1] , das Leben wäre sehr viel ärmer ohne sie, und wir wollen unseren Enkeln auch noch etwas zu erzählen haben.    

Wilhelm Schmid: Die Fülle des Lebens, 100 Fragmente des Glücks

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Das Internet und alle anderen Medien bietet uns unzählige Informationen. Wie können wir damit umgehen? Ignatius von Loyola, Theologe aus dem 15. Jh. empfiehlt:

Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und bringt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.

Aus: 365 Klosterweisheiten, Ars Edition GmbH, zum 15. Juli

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Einmal für 24 Stunden Gott sein dürfen. Was würde ich dann machen? Tobias, 14 Jahre alt, meint:

Wenn ich 24 Stunden Gott wäre, dann würde ich mir erst mal den Himmel angucken und mit den Engeln plaudern. Aber ich würde es wahrscheinlich genauso machen, wie Gott es im Moment macht.

Thomas Erne: Warum lässt er das zu 

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Wie sehe ich aus? Fragte Gott, so heißt ein Buch von Rafik Shami. Und darin stellt Gott diese Frage einem Mädchen, das gerade mit seinem Bruder spielt. 

„Gott? Er ist bestimmt ein allmächtiges Kind, das mit den Sternen und Planeten spielt, weil es seine Murmeln sind. Manchmal streichelt er sie sanft [...] Manchmal aber spielt er auch grob mit ihnen und nicht selten vergisst er sie sogar, lässt sie liegen und rennt hinter einem Schmetterling her oder formt in ein paar Sekunden aus etwas Lehm eine ganze Welt."
„Was redest Du denn da vor dich hin? Wirf doch endlich, du bist dran", nörgelt der wartende Bruder.
Gott staunte nicht wenig über das Mädchen [...]

Rafik Schami: Wie sehe ich aus, fragte Gott

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Langeweile- die ist wichtig für Kinder, meint der Schweizer Kinderarzt Remo Largo. Er sagt:

[Jeder Mensch braucht] eine gewisse Leere, um zu spüren, was er will. Wie soll man sonst im Laufe der Zeit erkennen, wer man ist und welcher Beruf einen ausfüllen könnte? Es ist bedauernswert, dass diese Leere oftmals fehlt. Langeweile ist gut. Übrigens auch in der Zeit, die Kinder gemeinsam verbringen. Es macht kreativ, wenn man erst mal überlegen muss, wozu alle Lust haben.

Chrismon-Magazin 6/2012, hg.v. Johannes Friedrich, Katrin Göhring-Eckardt u.a.

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Wo ist Gott? Fragen manche heute. Der Mystiker Meister Eckhardt aus dem 13. Jahrhundert meint:

„In dem Augenblick, in dem du bereit bist, geht Gott in dich ein, ohne Verzögerung und ohne zu zögern... Du musst ihn nicht eigens suchen, weder dort noch hier. Er ist ja nicht weiter weg als vor der Tür deines Herzens. Da steht er und wartet, wen er bereitfindet, wer im auftut und ihn hineinlässt. Du brauchst ihn auch nicht erst von fern her zu rufen. Er kann es kaum erwarten, bis du ihm auftust."

Gefunden in: Margot Käßmann: Sehnsucht nach Leben

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