Manuskripte

SWR3 Worte

„Gott ist höflich", wie die evangelische Theologin Dorothee Sölle einmal sagte. ... Gott drängt sich nicht auf. Das heißt aber auch: Er muss gesucht werden. Gott ist weder in der Wirklichkeit unmittelbar vorzufinden noch gedanklich zweifelsfrei beweisbar. Die Ungewissheit ist die Kehrseite von Gottes Höflichkeit.

Klaus Werger, Die Höflichkeit Gottes, in: „Christ in der Gegenwart" Nr. 23 (2012) vom 3.6.2012

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Kann der Mensch glücklich sein und mit dem anderen harmonisch zusammenleben, wenn der Dreh- und Angelpunkt seiner Zivilisation ein Ideal des „Habens" ist? ... Der Mensch ist so veranlagt, dass er immer mehr haben möchte, was er nicht hat, und wenn er es seinem Nachbarn mit Gewalt abjagen muss. Doch ist einmal die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse gesichert ..., muss der Mensch auf eine andere Logik als die des „Habens" umschwenken... Er muss lernen zu lieben, mit den Mitmenschen zu leben, mit seinem Frust umzugehen, heiter zu werden, das unvermeidliche Leid des Lebens zu überwinden, aber auch, sich offenen Auges auf den Tod vorzubereiten. Denn zu existieren ist Fakt, zu leben ist Kunst. 

Frédéric Lenoir, Sokrates, Jesus, Buddha - Die Lebenslehrer

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Jeder Mensch ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere ... Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig, ewig, göttlich, darum ist jeder Mensch, solange er irgend lebt und den Willen der Natur erfüllt, wunderbar und jeder Aufmerksamkeit würdig. In jedem ist der Geist Gestalt geworden, in jedem leidet die Kreatur, in jedem wird der Erlöser gekreuzigt.

 Hermann Hesse, Lektüre für Minuten

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Ein Papst ist ein Popstar, aber er muss sich nicht mit jedem Auftritt neu erfinden. Er ist ein König von Gottes Gnaden, aber er kann, wenn er sich an seine Morallehre hält, keine Dynastie begründen. Er ist ein Global Player, aber er spielt nicht mit uns. Ein Papst ist also ein bisschen anders als die Sängerin Madonna oder der Chef von Apple. ... Eine Erde ohne Stellvertreter Christi wäre langweilig. Eine Welt bloß mit Madonna und Vaterunser-App fürs iPhone - das wäre die geistliche Insolvenz. 

Christiane Florin, Brauchen wir den Papst noch?, in: DIE ZEIT Nr. 16 (2012) vom 12.04.2012

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Der Glaube sollte nicht zu einer schlichten Emotion werden. Glauben ist ein ernsthaftes Ringen mit dem Geheimnis, vor dem man oft sprachlos bleibt. Gott wohnt in unzugänglichem Licht! Wir sind immer mit dem Schweigen Gottes konfrontiert. Diese „Nacht des Glaubens" möchte ich respektieren.

Der Theologe Tomás Halik

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Ich wehre mich gegen den religiösen Optimismus, der da meint: Der liebe Gott wird schon alles zum Guten wenden; wir müssen nur fleißig beten, dann gibt es das, was wir bei Gott „bestellen." Das ist Magie. ... Für mich ist entscheidend, die Krise ... wirklich auszuhalten und nicht in Illusionen zu fliehen. Wir sollten das biblische Paradox annehmen: Nur durch Kreuz und Tod ergibt sich Neues, ein Sieg der Hoffnung.

 Der Theologe Tomás Halik

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Ich denke, alle Menschen haben ... ganz eigene Vorstellungen von dem, was ein gutes Leben sein kann und ist. Eine strukturelle Gemeinsamkeit aber gibt es doch: Ein gutes Leben ist immer eines, das ich auch selbst bejahen kann, und zwar grundsätzlich. Wenn es da irgendetwas gibt, das ich abschaffen oder von dem ich absehen muss, etwas, das ich gar nicht erst an nicht rankommen lassen darf und am besten verdränge, dann ist das ein schlechtes Zeichen. ... Das gute Leben ist ... immer das, das man vor sich selbst und anderen rechtfertigen kann.  

Die Philosophin Birgit Recki auf die Frage, was ein gutes Leben sein könne

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