Manuskripte

SWR3 Worte

Ein Text des Benediktinermönches Anselm Grün: 

Ich kann nicht beliebig leben. Das steckt als Kern der Wahrheit hinter dem Bild des strafenden Gottes. Das heißt: Die Realität reagiert auf mein Verhalten. Wenn ich gegen mein Wesen lebe, dann rebellieren der Leib und die Seele. Wenn ich völlig maßlos in mich hineinesse und maßlos trinke, dann „bestraft" mich mein Leib (...). Das Bild des strafenden Gottes möchte uns aufmerksam machen, die Wirklichkeit ernst zu nehmen und nicht zu meinen, wir könnten sie nach eigenem Belieben zurechtrücken. Wir erkennen es auch in größeren Zusammenhängen. Die Schöpfung rebelliert auf einen zu hohen Ausschuss von Treibhausgasen. Das Klima ändert sich. Wir sind heute hellhörig geworden, dass wir diese Welt nicht nach unseren Maßstäben behandeln dürfen, sondern uns nach ihr und ihren inneren Gesetzen richten müssen. Sonst bestrafen wir uns selbst.

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Vater und Sohn - das ist eine spannende Beziehung, vor allem, wenn die Pubertät kommt. Der Männerexperte Gregory Campbell macht einen Vorschlag, was ein Vater seinem Sohn mit auf den Lebensweg geben könnte:

Die guten Botschaften eines Vaters 
Ich liebe dich.
Ich gebe dir meinen Segen.
Ich vertraue dir,
ich bin sicher, du gehst deinen Weg.
Ich werde dir Grenzen setzen und sie durchsetzen.
Wenn du fällst, helfe ich dir wieder auf.
Ich werde dich beschützen,
bis du dich selbst beschützen kannst.
Du bist etwas ganz Besonderes für mich.
Ich bin stolz auf dich.
Ich gebe dir die Erlaubnis,
so zu sein wie ich.
Aber ebenso erlaube ich dir,
weniger zu sein und mehr zu sein als ich.

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 Das Gedicht  „Grund zur Freude" von Lothar Zenetti:

 Ich bin wirklich ein Glückspilz!
Heute morgen sagte mir mein Arzt
nach einer Untersuchung meines Blutbildes:
Es hat sich wesentlich gebessert,
es geht nun aufwärts, sehen Sie!
Die erfreulichste Nachricht aber
überbrachte dann der Pfarrer in der Abendmesse:
„Freut Euch," so sprach er
„dass Eure Namen im Himmel verzeichnet sind!"

 

 

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Gott ist nach meiner Überzeugung immer da (...). Er ist in einer Bar nicht weniger anwesend als in der Natur oder in einer Kirche. Aber wir sind nicht immer wach, innerlich eingestellt auf die Anwesenheit Gottes in uns (...). Gott lebt in uns und mitten unter uns. Gott lässt sich nicht zurückdrängen auf die Kirchen (...). 

Ein Zitat des Theologen Wunibald Müller.

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An der Wand einer kleinen Kirche in den Pyrenäen steht geschrieben: 

Herr, möge diese Kerze, die ich eben angezündet habe, Licht verbreiten und mich in meinen Entscheidungen (...) erleuchten. Möge sie das Feuer sein, mit dem du in mir Egoismus (...) und Unreinheiten verbrennst. Möge sie die Flamme sein, mit der du mein Herz erwärmst und mich lieben lehrst. Ich kann nicht lange in deiner Kirche verweilen. doch mit dieser Kerze bleibt ein wenig von mir hier. Hilf mir, mein Gebet auf mein Handeln an diesem Tag auszudehnen.

Paulo Coelho

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Das Gedicht „Ein zweites Mal" von Gertrude Wilkinson: 

Könnte ich mein Leben noch einmal von vorn beginnen,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde alberner sein, würde ganz locker werden,
nur noch ganz wenige Dinge ernst nehmen.
Ich würde entschieden verrückter sein und weniger reinlich.
Ich würde mehr Gelegenheiten beim Schopfe ergreifen
und öfters auf Reisen gehen.
Ich würde mehr Berge ersteigen, mehr Flüsse durchschwimmen
und mehr Sonnenaufgänge auf mich wirken lassen.
Ich würde mehr Schuhsohlen durchlaufen,
mehr Eis und weniger Bohnen essen. (...).
Nun, ich habe meine verrückten Augenblicke,
aber wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte,
würde ich mehr verrückte Augenblicke haben -
genau gesagt: Augenblicke, einen nach dem anderen,
und nichts mehr von Plänen zehn Jahre voraus (...)
Könnte ich mein Leben noch einmal von vorn beginnen,
ich würde in aller Herrgottsfrühe barfuß in den Frühlingsmorgen laufen (...).
Ich würde mehr Hockey spielen,
und vom Karussell würden Sie mich nicht mehr herunterbringen.

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Hanns Dieter Hüsch, Kabarettist und Schriftsteller, wäre heute 87 Jahre alt geworden. Von ihm stammt das Gedicht „Nachtrag"

 

Nun gut
Die Geschichte läuft
Das Spiel wird gespielt
Alles ist gesagt
Ich habe nichts mehr nachzutragen
Und das hab ich mir eigentlich immer gewünscht
Dass ich eines Tages nichts mehr nachzutragen habe
Also
Dass ich in der Lage bin
Nichts mehr nachtragen zu müssen
Dass ich niemandem etwas nachtrage
Mit anderen Worten
Dass ich fähig werde
Nicht mehr nachtragend zu sein
So dass ich wahrhaftig sagen kann
Ich habe nichts mehr nachzutragen
Oder ich trage niemandem etwas nach
Und der Friede
Kann endlich
In mein Herz einziehen.

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