Manuskripte

SWR3 Worte

Du kannst dir nicht ein Leben lang
die Türen alle offen halten,
um keine Chance zu verpassen.
Auch wer durch keine Türe geht
und keinen Schritt nach vorne tut,
dem fallen Jahr für Jahr
die Türen eine nach der anderen zu.

Wer selber leben will, der muss entscheiden:
Ja oder Nein -
im Großen und im Kleinen. 

Paul Roth, Wir alle brauchen Gott. Gebete - Gedanken, Echter-Verlag: Würzburg 1975,  75

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Man kann ... keinen Menschen motivieren, sein kreatives Potential zu entfalten, man kann ihn dazu nur einladen, ermutigen, vielleicht auch inspirieren. Die Lust, sich einzubringen, mitzudenken und mitzugestalten, lässt sich nicht anordnen oder verordnen, nur wecken. Was man aber schneller und nachhaltiger, als es einem später lieb ist, bewirken kann, ist die Unterdrückung dieser Lust. Das geschieht immer dann, wenn sie frustriert wird - durch einen Mangel an Aufgaben und Verantwortung, durch unzureichende Wertschätzung, durch Verunsicherung, durch Druck und das Schüren von Angst.  

Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher, S. Fischer: Frankfurt 2011, 181

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Amtsfehler und Amtsmissbrauch in höheren Positionen sind niemals Kleinigkeiten, selbst wenn man sie aussitzen, dem Vergessen der Zeit überlassen mag. Auch das gewichtige weltliche Amt ist „heilig". Die Erwartung der Menschen an Unabhängigkeit und moralische Integrität bleibt hoch. ... Amtsträger sind eben nicht Jedermann in ihrer besonderen hohen Verantwortung vor den Menschen - und vor Gott. 

Der Kommentar: Das Amt, in: Christ in der Gegenwart, Heft 3 (2012) vom 15.01.2012, Herder-Verlag Freiburg, 29

 

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Großer Gott, was hast du uns angetan. Die Familie als Schicksalsbund löst sich auf, die Firma will uns als lebenslange Bewohner nicht mehr haben. Der Glaube spendet keinen Trost mehr. Der Mensch wird - wieder mal - zum Opfer seiner Verhältnisse!

Aber wahrhaftiger wäre es die Rede an uns selbst zu richten: Wir sind nicht das Opfer der Veränderung, wir sind ihre Quelle. Wir hören mutwillig auf zu glauben, weil wir meinen zu wissen. Wir sind nicht mehr erstaunt über unser Dasein. Der Familie haben wir die Treue aufgekündigt, weil wir sie auch als Begrenzung erlebt haben. Der Firma sind wir nur so lange verbunden, bis der nächste Personalberater anruft. 

Gabor Steingart, Das Ende der Normalität, zit. aus: Denkanstöße 2012. Ein Lesebuch aus Philosophie, Kultur und Wissenschaft, Piper: München 2011, 80

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Ich liebe das Glaubensbekenntnis, weil es ein Ansammlung von frechen Unsäglichkeiten ist: Ich glaube an Gott - gegen alle Erfahrung der Absurdität des Lebens. Ich glaube an den Gott, der in Christus unser Menschenschicksal teilt; eine größere Unmöglichkeit kann man sich nicht ausdenken. ... Die frechste Bemerkung: Ich glaube an die Auferstehung der Toten, weil ich keinen verkommen lassen will.

Fulbert Steffensky, Ich trinke von einer alten Wahrheit, in: Publik-Forum Nr. 1 (2012) vom 13.01.2012, 33

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Für viele Menschen ist Geld inzwischen zu einem höchsten Wert aufgestiegen. Das behauptet der Würzburger Volkswirtschaftler und sogenannte Wirtschaftsweise Peter Bofinger. „Geld hat für viele Menschen die Religion abgelöst. Sie sehen in ihrem Vermögen eine Art eigene Unsterblichkeit ... Deshalb verlaufen auch die Debatten um unsere Gemeinschaftswährung so emotional." 

 Aus: Christ in der Gegenwart, Heft 3 (2012) vom 15.01.2012, Herder-Verlag Freiburg, 32

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Niemand kennt dieses Land. An seiner Grenze herrscht Verwirrung - auch weil viele die Schranken nicht überschreiten wollen. Dennoch müssen alle über diese Grenze. ... In dieses Land kommen alle, die alt sind. Niemand, der jung ist, kennt es. ... Die Gleichzeitigkeit von innigem Dasein und von Machtverlust, von Heiterkeit und von Lähmung macht das Alter zu einem Land, das allen, die es erreichen, vordem unbekannt war. 

Peter Eicher, Verkörpert, in: Christ in der Gegenwart, Heft 3 (2012) vom 15.01.2012, Herder-Verlag Freiburg, 29

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