Manuskripte

SWR3 Worte

Der Kirche wird oft vorgeworfen, gerade zu Weihnachten mit ihren Mythen hausieren zu gehen. Nun, der wahre Weihnachtsmythos ist aber wohl der, den man jeden Abend in der Fernsehwerbung zu sehen bekommt: das glückliche Bild liebevoller Eltern und zufriedener Kinder, die alle zusammen ein absolut stressfreies Fest verbringen.
Die Weihnachtsgeschichte, die wir in der Bibel finden, ist dem echten Leben viel näher als die Werbespots: echte Menschen, die mit enormen Herausforderungen zu kämpfen haben und sich gegenseitig durch alle Schwierigkeiten hindurch unterstützen.
Was kann ich tun, um den Mitgliedern meiner eigenen Familie - mit all ihren Macken, Frustrationen, Herausforderungen und Vorzügen - zu zeigen, dass ich sie liebe und unterstütze?

Worte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
aus: Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12112

Vor ein paar Jahren krabbelte die kleine Miriam in der Kirche mitten in der Christvesper ganz nach vorne zur Krippe. Sie kann damals nicht älter als zwei oder drei gewesen sein. Mehrere Minuten lang stand sie vor der Krippe und schaute ganz versunken auf die Figuren.
Und dann kroch sie ganz vorsichtig, wie um das Baby nicht zu wecken, in den Stall und setzte sich hin. Und immer, wenn die Leute die Krippe anschauten und die Hirten, die Engel, Ochs und Esel, Maria, Josef und den kleinen Jesus sahen, sahen sie auch Miriam.
Sie blieb dort bis zum Ende des Gottesdienstes sitzen und war glücklich, Teil der Weihnachtsgeschichte geworden zu sein. Sie war die beste Weihnachtspredigt, die ich jemals erlebt habe.

Eine Geschichte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
aus: Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12111

Schenken und beschenkt werden ist ein wunderbarer Teil der Weihnachtstradition. Aber es kann auch eine ungeheure Last sein. Wir geben Geld, das wir nicht haben, für Geschenke aus, die niemand wirklich haben will. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich die große Orgie des Geschenke Auspackens, die großen Erwartungen und unausweichlichen Enttäuschungen betrachte, und von dem, worum es an Weihnachten eigentlich gehen soll, scheinen wir meilenweit entfernt zu sein.
Ich schalte den Fernseher ein und werde mit Werbung bombardiert, die mir sagt, was ich will und was ich brauche und welchen glamourösen Lebensstil ich pflegen soll. Ist es möglich, die Tradition des Schenkens anders zu leben?

Worte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
aus: Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12110

Es gibt in allen Menschen so eine geistliche Dimension - so eine Sehnsucht. Manche von uns verstecken, ignorieren, verkleiden oder verleugnen sie ganz erfolgreich. Andere erfreuen sich an ihren vielen verschiedenen Erscheinungsformen - in der Kunst, der Musik, der Literatur oder der Wissenschaft - ohne unbedingt den Drang zu verspüren, ihren genauen Ursprung ergründen zu müssen. (...)
Philosophen, Wissenschaftler und Psychologen haben verschiedene Erklärungen dafür vorgebracht, woher die Sehnsucht nach diesem Etwas kommt, und haben uns trotzdem nicht zu einem Volk von Atheisten gemacht. Die meisten von uns glauben immer noch an irgendetwas. Es ist fast so, als ob diese Ahnung von Gott in uns fest vorinstalliert ist.

Worte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12109

Eine riesige Anzahl von Menschen hat kein Zuhause. Niemand weiß ganz genau, wie viele es sind, aber zum letzten Weihnachtsfest hat die Hilfsorganisation Crisis in ihren Obdachlosenasylen in London 35.000 Mahlzeiten ausgegeben.
Was ist die eine Sache in der Weihnachtsgeschichte, an die sich jedermann erinnern kann? Es gab keinen Platz in der Herberge. Gott kam durch eine Erfahrung der Obdachlosigkeit in die Welt und erlebte die Zurückweisung und Isolation, die damit einhergehen. Wie können wir diejenigen erreichen, die heute dieselben Erfahrungen machen?

Worte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
aus: Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12108

Dinge auf Kredit zu kaufen ist so ähnlich wie zu viel zu trinken. Am Anfang kommt einem alles ganz aufregend vor, aber irgendwann folgt das böse Erwachen. Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte hatten so viele Menschen bei so wenigen Banken so hohe Schulden.
Es ist schon komisch, dass es in der Weihnachtsgeschichte darum geht, dass Gott auf die Erde kommt, um unsere Schuld zu bezahlen und uns zu zeigen, wie wir leben können und wie es aussehen könnte, Mensch zu sein. Und dass unsere Antwort darauf so aussieht, dass wir nur noch mehr Schulden anhäufen.

Worte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
aus: Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12107

Jesus fordert uns nicht auf, alle und jeden zu lieben. Sondern er fordert uns auf, unseren Nächsten zu lieben. Alle Menschen zu lieben ist relativ einfach. Die meisten von uns können so ein allgemeines Gefühl des Wohlwollens für irgendeine unspezifische Person aufbringen, solange man nicht gerade mit ihr zusammenleben muss.
Aber Ihren Nächsten zu lieben, Ihre Familie zu lieben, diese ganz speziellen und ungemein nervtötenden Menschen zu lieben, mit denen Sie jetzt gerade zusammen sind, das ist schon sehr viel schwieriger. Aber es ist die einzige Hoffnung für den Frieden in der Welt.

Worte des englischen Bischofs Stephen Cottrell
aus: Stephen Cottrell: Tu nichts - Weihnachten kommt von alleine.

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