Manuskripte

SWR3 Worte

„Billige Nacht - heilige Nacht' stand auf einem Zeitschriften-Titel.
Ist auch Weihnachten billig zu haben?

Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Lichterglanz, ein bisschen Harmonie?
So wird Weihnachten verscherbelt im deutschen Geizwahn.
Und Habgier und Geiz gehören übrigens in jeden biblischen Lasterkatalog.
Dagegen setzt Weihnachten die Idee des Schenkens:
Und verschenken und beschenkt werden
hat bei Gott und in Wahrheit nichts mit teuer oder billig zu tun,
sondern mit Liebe."

Margot Käßmann, „Ganz Mensch werden",
Verlag am Eschbach, Eschbach 2008

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12003

Was ist der Preis für die Wahrheit?
Der indische Sufi-Mönch Hazrat Khan meint:

„Die Wahrheit ist einfach.
Doch gerade wegen ihrer Einfachheit
wollen die Menschen nichts von ihr wissen.
In unserem Erdenleben haben wir für alles,
was wir wichtig finden,
einen hohen Preis zu zahlen.
Der Mensch wundert sich daher,
wie es sein kann, dass man die Wahrheit so einfach bekommen kann,
obwohl sie doch das Kostbarste im Leben sein soll.
Deshalb nimmt der Mensch lieber Abstand von der Wahrheit
und lässt sich stattdessen schwierigere Dinge verkaufen."

Zitiert nach: „Heute ist der Tag zum Glücklichsein", hg. v. Christian Leven, Herder-Verlag, Freiburg/Breisgau 2007

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12002

Glaubenszweifel hat sie jede Menge, die Schriftstellerin Ulla Hahn.
Trotzdem meint sie:

„Ich beneide Menschen, die vorbehaltlos glauben können.
Doch wenn der Zweifel der - meinetwegen auch rechtlose - Bruder des Glaubens ist, dann, ja dann glaube ich auch.
Mein Lieblingsbuch ist die Bibel.
Das mag pastoral und heilig klingen, aber es ist so.
Ich habe mit der Bibel lesen gelernt;
und sie wird wahrscheinlich das letzte Buch sein,
das ich lese."

Ulla Hahn, „Glauben bewundern";
in: Martin Lätzel (Hg.), Was Dichter glauben - Gespräche über Gott und Literatur, Friedrich-Wittig-Verlag, Kiel 2011

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12001

Welche Haltung gegenüber dem Leben ist angemessen?
Dazu Buchautor und Unternehmer Florian Langenscheidt:

„In der Steinzeit war Pessimismus wichtig.
Denn wenn an der nächsten Ecke der Säbelzahntiger lauert, dann ist es wichtig, vorsichtig zu sein und immer das Schlimmste anzunehmen.
Heute wartet aber kein Säbelzahntiger mehr, wenn ich auf die Straße gehe.
Daher haben wir die Chance, uns konstruktiv
mit unseren Problemen auseinanderzusetzen -
und das kann nur der Optimist.
Martin Luther hat das schön beschrieben:
´Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge,
würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.'"

Florian Langenscheidt im Gespräch mit Caroline Leibfritz,
„Das ewige Schlechtreden hilft niemandem weiter";
in: Stuttgarter Zeitung Nr. 221 vom 23.09.11

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12000

Sehnsucht nach Gott hat sogar die Schriftstellerin Zsuzsa Bánk,
wenn sie sagt:

„Ich kann mein Leben in keinen religiösen Zusammenhang stellen.
Aber ich glaube, dass es irgendwann einen großen Einschnitt gibt:
den Tod - und danach entscheiden sich die Dinge.
Ich glaube an eine übergeordnete Instanz,
wahrscheinlich, weil ich nicht glauben will,
dass die Welt nur das ist, was wir sehen.
Ich hatte eine sehr religiöse Großmutter;
sie lebte in einer Tradition, in der das tägliche Leben
noch mit dem Glauben verbunden war.
Ich möchte meine Kinder im Glauben erziehen.
Ich möchte, dass sie glauben, unsere Welt sei mehr,
als sie sehen können.
Ich will nicht, dass es Gott nicht gibt.

Zsuzsa Bánk, „Ich will nicht, dass es Gott nicht gibt";
in: Martin Lätzel (Hg.), Was Dichter glauben - Gespräche über Gott und Literatur, Friedrich-Wittig-Verlag, Kiel 2011

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11999

„Einem wirklich gottlosen Menschen
bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht begegnet.
Stattdessen aber bin ich vielen ruhelosen Menschen begegnet.
Siehst du, so muss man die angeblich Gottlosen richtiger bezeichnen:
Sie sind in Wahrheit ruhelos.
Darunter gibt es dann die verschiedensten Leute:
große und kleine, dumme und gelehrte, wichtige und unwichtige -
aber alle sind sie ruhelos.
Doch eines haben sie gemeinsam:
Ihr Herz träumt von der großen Stille."

Meint der Dichter Fjodor Dostojewski
Zitiert nach: „Heute ist der Tag zum Glücklichsein", Herder-Verlag, Freiburg/Breisgau 2007

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11998

Warum hat Advent so was Besonderes?
Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann meint:

„Advent und Weihnachten haben mit einem großen Geheimnis zu tun:
mit dem Geheimnis des Glaubens.
Einem Geheimnis, das sich nicht lösen lässt wie ein Rätsel.
Weil es mit der Liebe Gottes selbst zu tun hat.
Und die Liebe ist eben kein Rätsel, das man löst und damit entzaubert.
Liebe ist ein Geheimnis,
in das wir immer tiefer eintauchen dürfen.
Und erst dadurch wird sie mehr und mehr als das erkannt,
was sie in Wirklichkeit bedeutet."

Margot Käßmann, „Ganz Mensch werden",
Verlag am Eschbach

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11997