Manuskripte

SWR3 Worte

Morgen ist der erste Advent. Der Autor Hinrich Westphal beschreibt, wie er das Licht der Adventskerzen erlebt: 

„Manchmal komme ich schon in der Abenddämmerung nach Hause. Dann steuere ich mein Wohnzimmer an und sinke erleichtert in den Sessel. Jetzt brauche ich weder Lampe noch Fernsehen noch Telefon. Nur Ruhe und ausatmen. Allmählich erkenne ich die Schatten der Möbel, die Umrisse des Fensters, den Baum vor dem Haus. (...) Erlebnisse und Belastungen ziehen an mir vorbei. (...) Ich versuche loszulassen und zu entspannen. Irgendwann zünde ich eine Kerze an und schaue zu, wie ihr Licht langsam den Raum verändert. Die Schatten fallen weicher, alles wird wärmer, freundlicher. Adventskerzen als Symbol: Hoffnung auf das ewige Licht, das der Welt einen neuen Schein geben wird."

Hinrich Westphal: Abenddämmerung. In: Andere Zeiten e.V. (Hg.): Ach,

Andere Zeiten e.V., S. 8

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Heute hätte Papst Johannes XXIII. Geburtstag. 130 Jahre alt wäre er geworden. Er war Papst Anfang der 60er Jahre und hat damals die Bischöfe der ganzen Welt zu einem großen Konzil einberufen. Von den Menschen wurde er gemocht, weil er Humor hatte. Und weil er sich selbst nicht so wichtig genommen hat. Ein Satz von Johannes XXIII. gefällt mir ganz besonders. Er hat gesagt: 

„Gott weiß, dass ich da bin, das genügt mir. Auch wenn sonst kein Hahn nach mir kräht."

Papst Johannes XXIII.

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...von fast allem
Heute vor 152 Jahren hat Charles Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlicht. Aber bevor die Evolution möglich war, musste ein ganz anderes Wunder passieren. Der Popularwissenschaftler Bill Bryson beschreibt das so: „Hätte das Universum bei seiner Entstehung nur ein kleines bisschen anders ausgesehen - wäre die Schwerkraft geringfügig stärker oder schwächer gewesen (...) - dann hätte es wahrscheinlich nie stabile Elemente gegeben (...). Bei einer geringfügig stärkeren Gravitation wäre wahrscheinlich das ganze Universum wie ein schlecht aufgestelltes Zelt in sich zusammen gebrochen, und ohne genau die richtigen Werte hätte es weder die richtigen Dimensionen (...) noch die richtige Dichte gehabt. Bei einer schwächeren Gravitation dagegen, hätte sich nichts zusammenfinden können, und das Universum wäre für alle Zeiten eine langweilige, gleichmäßig verteilte Leere geblieben."

 Bill Bryson: Eine Kurze Geschichte von fast allem, Goldmann Verlag, S. 28

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Es gibt ganz unterschiedliche Arten, Gäste in einer Kirche willkommen zu heißen oder auch nicht. Auf einem Türschild der Marienkapelle in Würzburg steht: „Die Marienkapelle ist ein Gotteshaus, kein Museum! Die Würde des Gotteshauses gebietet: Ehrfurcht, größte Ruhe, anständige Haltung!" Ganz anders liest sich das Türschild der St. Peter Church in New York. Dort steht: „Dies ist Gottes Haus. Komm herein, mach es zu deinem! Die Leute von St. Peter laden dich herzlich ein, hier zu verweilen, um zu beten und nachzudenken. Du bist auf der Suche nach einem erfüllten Leben, verbünde deinen Glauben mit dem unseren."

 Rolf Zerfaß: Menschliche Seelsorge, Herder Verlag Freiburg, S. 23

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Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
gleichviel, ob große, ob geringe,
im Wesentlichen so verpackt,
dass man sie nicht wie Nüsse knackt.
Wie wolltest du dich unterwinden,
kurzweg die Menschen zu ergründen.
Du kennst sie nur von außenwärts.-
Du siehst die Weste, nicht das Herz.

 ein Gedicht von Wilhelm Busch

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„Wenn ich morgens das Haus verlasse, bin ich immer in Eile. Korb, Tasche, Schlüssel - habe ich alles, was unbedingt mit muss? Schnell noch mal in die Küche, ein Abschiedskuss, denkst du auch an ...? Ach ja, und auch das muss noch mit! Durch die Tür, drei Stufen hinunter: Was mich heute alles erwartet? Eigentlich bin ich viel zu spät. Wollte ich nicht noch ...? Hurtig nach links zum Auto. Aber dann setze ich meinen Fuß in die entgegen gesetzte Richtung: zwei Schritte, einatmen, ausatmen, innehalten. Ich spüre die Luft, spüre meinen Atem in mir, spüre mich. Über mir der Himmel, Klarheit, Wolken, letzte Sterne, Nieselwetter. (...) Verharren, einen Augenblick ganz bei mir sein, mich mit dem Fluss des Lebens verbinden - und dann los. Der Alltag kann kommen, ich bin bereit." 

Ein Text von Dagmar Dengler.

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In meinem Kalender steht heute „Totensonntag". Eigentlich heißt er aber „Ewigkeitssonntag". Ein Feiertag der evangelischen Kirche, an dem wir besonders an die Verstorbenen denken. Dazu ein Gedicht von Lothar Zenetti.

 "Auferstehung"
Wenn ich tot bin,
Geht alles ohne mich,
geht alles über mich hinweg,
hoch über mir geht es weiter,
das Leben, wie man das nennt,
alles geht weiter. 

Nur ich, der ich tot bin,
der ich daliege reglos
mit geschlossenen Augen
im Dunkel der Erde,
ich höre auf. 

Kann auch sein, ich höre dann
auf die Stille,
die mich umgibt.
Am Ende, heißt es,
ist darin am Anfang ein Wort,
eine unwiderstehliche Stimme.

Die nennt meinen Namen.
Die singt in mir.
Die heißt mich auferstehen.
Eine Kraft hebt mich hoch
Und über alles hinaus
In ein unbeschreibliches Licht. 

Seht doch, sage ich dann,
seht, ich lebe schon,
da ihr noch tot seid."

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