Manuskripte

SWR3 Worte

Günter Hamann lebt seit  Jahren mit dem Herzen eines unbekannten Organspenders. Auf die Frage, was er uns, die wir gesund sind, wünscht, sagt er:

Ich wünsche Ihnen mehr Dankbarkeit im Leben. Auch Dankbarkeit für die kleinen Dinge des Lebens. Dass Sie sich über die Fliege an der Wand nicht immer nur ärgern, sondern sich auch freuen, dass es so ein perfektes Geschöpf überhaupt gibt. Dankbarkeit ist der Schlüssel zur Zufriedenheit. Und zufriedene Menschen sind ehrfürchtige Menschen.

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Entweder man hat mir
Das Leben aufgebrummt
bleut mir seine Regeln ein
und knöpft mich vor wenn ich sie nicht begreife
niemand baut mir Eselsbrücken
Oder aber die
Sterne Wolken Haare Sand und Tränen zählen kann
zählt auch mein Haar und mein meine Tränen
und alle meine Tage meiner Flucht
und lässt mich innewerden
dass er den Grund des Meeres zum Wege machen
und mich hindurchgehen lassen kann.

Eva Zeller
Friedrich Schorlemmer, Was protestantisch ist, Herder Verlag Freiburg

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Wenn der Sohn, die Tochter, ein geliebter Mensch viel zu früh gestorben ist, was tun? Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, hat es selbst erlebt und meint:

Man muss sich dieser Situation stellen und auch die Erfahrung in ihrer Dramatik zulassen. Und dass ein junger Mensch stirbt, ist dramatisch. Aber es gibt in dieser Dramatik Alltäglichkeit. Jeder Tag bietet auch die Möglichkeit ...beglückende Erfahrungen zu machen, obwohl alles so schrecklich ist.
Wenn man ein bisschen nach links und rechts schaut, sieht man: Wie viele Menschen haben Leid zu tragen, wir sind nicht alleine damit... Es gibt kaum eine Familie, die nicht von irgendwelchem Leid getroffen wird.
Was ich noch weitergeben möchte: Habt Vertrauen zueinander. Redet miteinander. Habt Vertrauen zu den Menschen, die euch begleiten. Ihr werdet euch wundern, welche Freundinnen und Freunde ihr habt, die bleiben und die zu euch stehen. Lasst euch darauf ein.

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Meike ist mit 22 Jahren an Krebs gestorben. Ihr Vater, Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, wird nie ihren Tod verwinden. Er meint:

Der Tod ist generell ja Teil des Lebens, und bei Meike ist es so, dass sie nach wie vor Teil unseres Lebens ist. ... Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, bleibt eine Lücke zurück, und die soll bleiben. Das ist nämlich die Art und Weise wie die Toten jetzt bei uns sind. Als Lücke. Und so sehen wir das auch. ...
Allgemein heißt es: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen". Wir sagen: „Mitten im Tod sind wir auch vom Leben umfangen". Also der Tod ist für uns nicht die absolute Grenze...
Wir glauben an ein Leben auf dieser Welt und an ein Leben in der Gegenwart Gottes. ... Wir gehen davon aus, dass da noch etwas auf uns zukommt.
Und aus dieser Hoffnung heraus ist das auch eine gesegnete Zeit.

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Für viele ist der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer ein evangelischer Heiliger. Weil er in der Nazidiktatur versucht hat, ein Mensch zu bleiben. Er sagt:

Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen, wir sind mit vielen Wassern gewaschen, wir haben die Künste der Verstellung und der mehrdeutigen Rede gelernt.
Wir sind durch Erfahrung misstrauisch gegen die Menschen geworden und mussten ihnen die Wahrheit und das freie Wort oft schuldig blieben. Wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe....geworden- sind wir noch brauchbar?
Nicht Genies, ....nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Chr.Kaiser/ Gütersloher Verlagshaus

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Gegen die Auswüchse der Finanzmärkte hat schon der Reformator Martin Luther gekämpft. An sein geistiges Erbe erinnert Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche:

An den Finanzmärkten konnten in den letzten Jahren exorbitante Gewinne erzielt werden.... Es widerspricht dem Prinzip der Gerechtigkeit, wenn die Gewinne Akteuren an den Finanzmärkten zugutekommen, die Risiken aber von der Gesellschaft insgesamt und in der Gesellschaft auch von den Schwächsten getragen werden müssen. Wenn das Geschehen an den Finanzmärkten Arbeitsplätze und soziale Sicherheit gefährdet, wird das von den Menschen zu Recht als ungerecht und bedrohlich empfunden....
Es ist nicht nur Ausdruck sozialer Gerechtigkeit, sondern es muss auch zur Ehre der Vermögenden gehören, dass sie einen größeren Beitrag zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes leisten. Deshalb gilt das Wort (von Martin Luther): „Was nicht im Dienst steht, steht im Raub."

http://www.ekd.de/presse/pm220_2011_Europa_zu_unserer_Sache_machen.html

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Glücklich sind die Frau, der Mann, die ... nicht auf dem Weg der Gottlosen stehen noch zwischen den Gewissenlosen sitzen. Sondern ihre Lust haben an der Weisung Gottes...
Wie Bäume werden sie sein, gepflanzt an Wasserläufen, die ihre Frucht bringen zu ihrer Zeit und ihr Laub welkt nicht. Was immer sie anfangen, es führt zum Ziel.
Nicht so die Machtgierigen: Wie Spreu sind sie, die ein Wind verweht. .... Ja, auf den Weg der Gerechten gibt Gott Acht, der Weg der Machtgierigen aber verliert sich.

Psalm 1 aus der Bibel in gerechter Übersetzung.
Bibel in gerechter Sprache, München, Gütersloher Verlagshaus 2006

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