Manuskripte

SWR3 Worte

Herr öffne meine Augen,
mach weit meinen Blick und mein Interesse,
damit ich sehen kann, was ich noch nicht erkenne.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,
das sich deinem Wort überlässt
und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.

Herr ich weiß, dass ich nur lebe
Wenn ich mich von dir rufen
Und verändern lasse.
Amen

Nach Ignatius von Loyola

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11464

Sich auf den Weg machen als Pilger
heißt auf dem Lebensweg zu sein
Auf diesem Weg begleitet uns ein der Segen für die Pilger

Geh, seit deiner Geburt bist du auf dem Weg.
Geh, eine Begegnung wartet auf dich. Wo?
Mit wem? Du weißt es nicht.
Vielleicht mit dir selbst.

Geh, allein, mit anderen, aber tritt heraus aus dir.
Geh, auch wenn dein Geist nicht weiß,
wohin deine Füße dein Herz führen.

Geh, du bist für den Weg geboren,
den Weg der Pilger.
Geh, ein anderer kommt dir entgegen
Und sucht dich, damit du ihn -Gott - finden kannst.
Geh, im Heiligtum am Ende des Weges,
im Heiligtum im Innersten deines Herzens,
ist er dein Friede, ist ER deine Freude.
Geh, der mit dir geht - ER ist ja der Herr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11463

öffne unsere herzen
wundersamer gott

mach sie weit mach sie
weit und froh
mach sie weit und fromm
und froh

mach uns verschwenderisch
in der freude im mitleiden
im lieben

neig dich zu uns
barmherzig und gnädig
sagt der psalm seist du
geduldig und von großer güte

du gott
allzeit wundersamer

herzöffner
auch bei mir

Michael Lipps, Theologe und Dichter aus Mannheim
hingabe und eigensinn. Michael Lipps  Edition Quadrat

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11462

Wir wissen
Dass Mangel an Liebe in früher Jugend
Zu geistigen Störungen führt.
Wissen wir aber auch,
dass ein Mangel an Gelegenheiten,
uns selbst zu verschwenden ebenso gefährlich ist?
In vielen Menschen lebte ursprünglich ein übervolles Herz,
Aber Gesetze, Konventionen und eine strenge Selbstkontrolle
Haben es unterdrückt,
so dass es abgestorben ist.
Die Menschen sind nicht nur krank,
weil sie keine Liebe empfangen haben,
sondern auch, weil es ihnen nicht erlaubt war Liebe zu geben,
sich selbst zu verschwenden.

Unterdrückt in euch oder anderen nicht das überströmende Herz,
die sich verschwendende Selbsthingabe
und den Geist, der höher ist als alle Vernunft!
Spart nicht gierig eure Zeit und eure Kräfte
Nur für das Nützliche und Vernünftige!
Haltet euch offen für den schöpferischen Augenblick,
der mitten in scheinbarer Verschwendung eintreten kann.

Der Theologe Paul Tillich

Heilige Verschwendung. Predigt über Mk 14, 3-9
In Das neue Sein. Religiöse reden

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11461

Margit Irgang, Pilgerin aus Leidenschaft über den Sinn von Eigensinn:

Wer sich mit Antworten, die für andere gut funktionieren nicht zufrieden gibt und Probleme sieht, wo andere sich wohlfühlen, wird gern als eigensinnig angesehen.
Diese Bezeichnung ist im Allgemeinen nicht freundlich gemeint.
Dennoch, ein Eigensinniger ist eine unverzichtbare Bereicherung
für die Gesellschaft.
Das Wandern auf dem eigenen Weg halte ich für die wichtigste Aufgabe des schöpferischen Menschen.
Unruhe, Sehnsucht und Aufbruch, das Abenteuer des Unterwegssein, die Heimkehr und das vorläufige Rasten sind Stationen der Pilgerschaft.
Das Pilgern im Geist jedoch endet im Gegensatz zum konkreten Pilgern, nie.
Der geistige Pilger findet keine vorgeschriebenen Pilgerwege...
Es gibt auch keine Organisation für geistige Pilgerreisen, die ihn mit anderen in einen Bus setzen und an die heiligen Orte fahren würden.
Der geistige Pilger ist immer ein Entdecker, ein Abenteurer...
Geh nicht, wo vielleicht ein Pfad ist.
Geh stattdessen, wo kein Pfad ist, und hinterlasse eine Spur.

Margit Irgang
Geh, wo kein Pfad ist, und hinterlasse eine Spur. Ermutigung zum Eigensinn

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11460

Ist es nicht Luxus,
äußere oder innere heilige Orte aufzusuchen,
während es in der Welt
so viel Elend und dringend zu lösende Probleme gibt?
Nein, es ist vielmehr eine Notwendigkeit;
Gäbe es mehr Pilgerinnen und Pilger,
sähe die Welt anders aus.
Die tibetischen Lamas sagen
Dass Pilgerschaft nie allein für uns selbst unternommen werde.
Man pilgere zum Wohl aller Wesen,
sogar zum Wohl seiner Feinde
Wenn man dies nicht tue,
habe die Reise nicht die geringste spirituelle Bedeutung.
Was immer wir „finden" auf unserer Pilgerschaft,
was immer wir zurückbringen oder erfahren,
gehört nicht uns selbst.
Wir werden zwar lange Strecken des Weges allein zurücklegen,
dennoch pilgern wir zum Wohle aller Wesen...

Margit Irgang
Geh, wo kein Pfad ist, und hinterlasse eine Spur. Ermutigung zum Eigensinn

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11459

Vielleicht
Gott
Sollten wir wieder
sprachlos werden
vielleicht

brauchst du unsere Stille
weil du ein leiser Gott bist
und vielleicht willst du

dass wir hinaussehen
über unseren engen Horizont
dass wir aufbrechen
und hinausgehen ins Ungewisse
Vielleicht aber hast du dich schon

Auf den Weg gemacht
Und bist längst eingedrungen
Durch die Ritzen unseres verkrusteten Glaubens
Und vielleicht kann

Auf dem Boden unserer Sprachlosigkeit
Ein neues Samenkorn der Hoffnung
Aufgehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11458