Manuskripte

SWR3 Worte

Was macht eine Reise wirklich aus? Für den Moderator, Autor und Weltreisende Roger Willemsen es geht nicht darum besonders ferne Ziele zu bereisen und Touristische Highlights abzuklappern, sondern er meint:

Der Tourist apportiert Trophäen. Er möchte am liebsten sagen: ich und meine Frau, ich und mein Haus, ich und meine Mona Lisa. Der Reisende wiederum ist jemand, der verschwindet. Er gelangt unter den Radar der allgemeinen Wahrnehmung, weil er immer an den selben Ort geht, immer das gleiche macht. Ich glaube, es gibt ein Reisen, in dem der Reisende erlöscht, weil er sich selbst nicht mehr als Mittelpunkt begreift. Sein Reiseziel könnte ein Blick, ein Duft, ein Konflikt sein. Er kommt in der Umarmung an. Im Vertrauten, das er im Fremden findet.

Roger Willemsen
Aus: Der Reisende ist jemand, der verschwindet, Interview mit Roger Willemsen: Froh! Magazin Nr. 6

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Das Magazin „chrismon" hat Menschen gefragt, wer sie sind. Eine Frau hat geantwortet:

„Ich bin Krankenschwester, 47 Jahre alt und seit 27 Jahren verheiratet, die meiste Zeit glücklich. Vor zwei Jahren verliebte ich mich in meine Physiotherapeutin. Nach vier Monaten Affäre entschied ich mich für sie. Inzwischen sind wir durch viele Hochs und Tiefs gegangen. Meine zwei Töchter (22 Jahre und 26 Jahre) haben sich von mir entfernt, was sehr wehtut. Einen Enkel bekam ich vor neuen Monaten. Das klingt alles nicht so sehr nach Glücklichsein, aber ich bin dankbar, dieser wundervollen Frau begegnet zu sein und mit ihr zu leben. Dankbar bin ich auch meinen Eltern und Geschwistern, die zu uns stehen und mir Kraft geben."

Chrismon-Magazin 7/2011

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„Ich traue nur solchen Menschen echte Aufbauarbeit zu, die schmerzlich den Verfall erfahren haben. Wenn jemand nie im Stande war, sich auf die dunkle Seite der eigenen Psyche und des Lebens einzulassen, hat er nicht das Recht, von Aufbau oder Wachstum zu reden. Man muss die dunkle Seite sehen, das dumpfe Gefühl im Magen erlebt haben und mit dem neuen Wissen „aus dem Bauch des Wals" hervorgekommen sein. Mit ahnungslosen Menschen oder solchen, die alles Dunkle verdrängen, kann man nicht viel anfangen. Wir brauchen Menschen, die das Dunkel erlebt haben, die Probleme kennen und lebend wieder herausgekommen sind."

 Der Theologe und Franziskaner-Pater Richard Rohr: Die Dunkelheit ist auch ein heiliger Ort, aus: Was Menschen bewegt - Hoffnung

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Fernsehköchin Sarah Wiener über die Frage: wer bin ich:

„Ich mache nichts anderes, als Zeit meines bewussten Lebens dieser Frage nachzugehen: Wer bin ich? Immer wenn ich denke, nun habe ich etwas über mich begriffen und weiß, wer ich bin, macht mir die Realität einen Strich durch die Rechnung. Ich mache im Grunde alle Erfahrungen nur, um herauszufinden, wer ich bin. Was kann ich an mir ändern, und womit muss ich mich arrangieren? Wo verzeihe ich mir, und wo bin ich einfach zu faul? Welche Verletzungen sind heilbar? Welche Narben werden immer schmerzen, wenn man sie berührt? Ganz ehrlich: Ich weiß es noch nicht. Reicht die vage Vorstellung meiner selbst schon, um zu sagen: So bin ich?

Chrismon-Magazin 7/2011

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„Die Deutschen wären nicht burned-out, wenn sie etwas mit wirklichem Interesse und Zuneigung verfolgen könnten. Wenn sie fänden, was sie mehr als ihr Wohlbefinden interessiert. Kein Volk geht so häufig zum Arzt wie die Deutschen. Man muss Zeit und Kraft haben zu jammern. Wir sind bestimmt Weltmeister im Jammern. Dabei gibt es genug Armut und Elend in der Welt, für die wir uns einsetzen könnten. Lieben macht sehr viel glücklicher, als immer nur geliebt werden."

Margarethe Mitscherlich
Heute kann ich sagen: Das ist mein Leben, Interview mit Margarete Mitscherlich: Froh! Magazin Nr. 6

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Das Magazin „chrismon" hat Menschen gefragt, wer sie sind. Eine Schülerin hat geantwortet:
 „Ich bin Emilia, Das bedeutet: noch zur Schule gehen, Soaps im Internet nachgucken, der Roboter meiner Eltern sein. Es bedeutet, manchmal leise vor sich hin zu weinen, sich viel aus der Meinung anderer zu machen und bei Liebesromanen loszuheulen. Emilia zu sein bedeutet viel... sehr viel"

Chrismon-Magazin 07/2011

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Das Magazin „chrismon" hat Menschen gefragt, wer sie sind. Eric antwortet:

„Ich bin eine Nummer. Ich bin Nummer 378/2010. Ich bin Gefangener der JVA Landsberg am Lech. Aber ich bin auch ein Mensch! Ich bin ein Vater und Ehemann. Ich bin ein Mensch, der einen Fehler gemacht hat. Ich bin eingesperrt und das noch für fünf Jahre. Aber ich habe auch Gefühle. Ich liebe, lache und lebe. Ich liebe meine dreijährige Tochter und meine Frau. Ich schäme mich, dass ich sie im Stich gelassen habe! Aber ich werde meinen Fehler wieder gut machen. Ich werde wieder bei meiner Familie sein. Ich suche die Schuld nicht bei jemand anderem. Ich habe mich geändert. Ich bin 23 Jahre, ein Mensch und keine Nummer!"

Chrismon-Magazin 7/2011

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